Sankt Michaelsbund Öffentliche Büchereien - die meistgenutzten kulturellen Angebote im Freistaat

21.10.2019

Eine deutlich bessere staatliche Förderung der öffentlichen Büchereien in ganz Bayern, vor allem im ländlichen Raum: Für das katholische Medienhaus Sankt Michaelsbund ist das eines der dringlichsten Anliegen in den kommenden Jahren.

Ort der Begegnung: Die Kirchliche öffentliche Bücherei Allerheiligen.
Ort der Begegnung: Die Kirchliche öffentliche Bücherei Allerheiligen. © Kiderle

München – Der Landesverband Bayern des Sankt Michaelsbundes behält seine bisherige Führung. Das katholische Medienhaus, das als ältester bayerischer Büchereifachverband über 1.000 katholische öffentliche Büchereien mit mehr als 12.000 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen betreut, wird auch in den kommenden drei Jahren vom Passauer Domkapitular Gerhard Auer (61) als Vorsitzendem und Dr. Bertram Blum (69) aus Eichstätt als stellvertretendem Vorsitzenden geleitet. Ebenso bestätigten die rund 40 Delegierten bei der Mitgliederversammlung in Würzburg am 11. Oktober Stefan Eß (53) als geschäftsführenden Direktor. Domkapitular Auer hat das Amt seit 2013, Dr. Blum seit 2010 inne. Stefan Eß leitet die Geschäfte seit 2011.

Büchereien sind Begegnungsorte

Eß benannte eine deutlich bessere staatliche Förderung der öffentlichen Büchereien in ganz Bayern, vor allem im ländlichen Raum, als eines der dringlichsten Anliegen in den kommenden Jahren. Hatten im Jahr 1990 alle öffentlichen Büchereien, kirchliche wie nichtkirchliche, zusammengenommen noch umgerechnet 5,7 Millionen Euro an Zuschüssen vom Freistaat erhalten, wurden diese Fördermittel von verschiedenen bayerischen Staatsregierungen drastisch gekürzt. 2019 liegen sie für alle rund 1.700 öffentlichen Büchereien bei gerade einmal 2,5 Millionen Euro. „Das ist beschämend für ein Land, das sich in seiner Verfassung einen Kulturstaat nennt“, erklärte Stefan Eß. Katholische öffentliche Büchereien seien keine „innere Angelegenheit“ der Kirche, sondern kämen allen Bürgern zugute. „Die Mitgliedsbüchereien des Sankt Michaelsbundes erfüllen an ihrem Standort die Aufgabe der Literaturversorgung für alle Bürger Bayerns. Gerade auf dem Land sind sie niederschwellige Treffpunkte und Begegnungsorte, in denen nichts gekauft oder verkauft werden muss“, so Eß.

Sankt Michaelsbund

Der katholische Verband besteht seit 1901 und versteht sich als katholisches Medienhaus im umfassenden Sinne. Neben der Büchereiarbeit beherbergt der Sankt Michaelsbund vier crossmedial zusammenwirkende Redaktionen in den Bereichen Print, Radio, TV und Online/Social Media. Unter anderem liefert die Hörfunkredaktion dem landesweiten Privatsender Antenne Bayern regelmäßig komplette Sendungen sowie einzelne Beiträge zu und verantwortet mit dem Münchner Kirchenradio einen eigenen Sender. Die TV-Redaktion pflegt einen eigenen Youtube-Kanal und ist monatlich mit einer Sendung auf dem Landesfenster von RTL vertreten. Außerdem ist sie am ökumenischen TV-Magazin „Kirche in Bayern“ beteiligt, das über regionale Fernsehstationen zu empfangen ist. Im Haus entstehen auch die Münchner Kirchenzeitung mit verschiedenen Beilagen- und Magazinprodukten. Die Online-Redaktion bildet die Inhalte der anderen Redaktionen zielgruppengerecht ab und ergänzt sie durch verschiedene Social-Media-Auftritte, etwa auf Facebook oder Instagram. Nach eigenen Angaben erreichen die verschiedenen Medien-Angebote des Sankt Michaelsbundes wöchentlich über zwei Millionen Menschen in Bayern. In seinem Münchner Stammhaus betreibt der Verband außerdem eine Buchhandlung und bietet über seine Abteilung Corporate Communications kirchlichen Partner digitale Mediendienstleistungen an.

Trotz der Mittelkürzungen, die nur teilweise von den kirchlichen Trägern und den kommunalen Partnern aufgefangen werden konnten, haben sich die Büchereien des Sankt Michaelsbundes auch während der vergangenen Jahre ihren neuen Aufgaben gestellt: geht es um die Ausleihe digitaler Medien, um Angebote in Leichter Sprache oder fremdsprachige Angebote für Migranten. Gleichzeitig haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort eine ganz neue Veranstaltungsfülle entwickelt. Die Bandbreite der über 22.000 Veranstaltungen reiche von Leseförderungsangeboten für Kindergarten- und Grundschulkinder, Lesenächten und Hörbuch-Clubs für Kinder bis hin zu Trachtennähkursen oder sogar Schafkopf-Lehrgängen. „Unsere Mitgliedsbüchereien beleben die Gemeinden vor Ort und sind wahre Vernetzungsweltmeister, wenn es um Kooperationen mit anderen Bildungsträgern oder Vereinen geht. Sie sorgen für einen Informations- und Erfahrungsaustausch, die Weitergabe von Wissen und Traditionen, bringen die Generationen zusammen und sind ein Motor für das Gemeinschaftsleben“, erklärte Eß. Gerade im ländlichen Raum sei vielfach „ein schleichendes Verdampfen der sozialen und kulturellen Infrastruktur“ festzustellen, dem katholische öffentliche Büchereien aktiv entgegenwirkten.

Die öffentlichen Büchereien in Bayern sind mit rund 24 Millionen Besuchern weiterhin die meistgenutzten kulturellen Angebote im Freistaat. „Darauf kann ein Kulturstaat nicht verzichten, und das gilt es bitte endlich auch angemessen zu fördern“, so der geschäftsführende Direktor des Sankt Michaelsbundes. (smb)

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Der Sankt Michaelsbund und sein Engel

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