Ökumenische Fürsorge

02.05.2017

Bei ihrer ersten gemeinsamen Tagung haben der Münchner Katholikenrat und die Evangelisch-Lutherische Dekanatssynode ein Memorandum beschlossen. Was darin steht lesen Sie hier.

Die ökumenische Eröffnungsandacht in Schloss Fürstenried feierten die evangelische Stadtdekanin Barbara Kittelberger und Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg. © Krauß

München – Die Logos auf den Namensschildern der Delegierten unterscheiden sich, aber auf der ersten gemeinsamen Tagung von Katholikenrat und Evangelisch-Lutherischer Dekanatssynode sprachen die rund neunzig Teilnehmer mit einer Stimme. Der Weg dazu wurde vor einem Jahr bereitet: „Die Idee war: Wir laden die einfach mal ein“, erzählt Johanna Rumschöttel, Vorsitzende des Katholikenrates der Region München. Jetzt tagte man gemeinsam in Schloss Fürstenried unter dem Motto „500 Jahre Reformation: Wir brauchen einander – Gemeinsam Neues beginnen“. Einstimmig wurde ein Memorandum verabschiedet, das sieben zentrale Arbeitsfelder umfasst. An erster Stelle steht das Ziel der „Einheit der Christen in versöhnter Verschiedenheit“.

In einer ökumenischen Andacht betonte Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg: „Dies ist einer der Höhepunkte unter den ökumenischen Akzenten im Reformationsjahr – und das zeigt, wie groß das Vertrauen mittlerweile zueinander ist.“ Stadtdekanin Barbara Kittelberger rief in ihrer Predigt dazu auf, „ökumenisch für- und miteinander zu sorgen“, denn „Paulus ermutigt uns, kollektiver zu denken. Wir können einander die Bälle zuspielen und die Gaben des anderen genießen“, so Kittelberger.

Vorbereitend für die Zusammenarbeit wurden den Delegierten die jeweils unterschiedlichen Aufgabengebiete erläutert: Die 80 demokratisch gewählten Mitglieder des Katholikenrats sind die höchste Vertretung der Laien in der Seelsorgsregion München mit rund 750.000 Katholiken. Die Dekanatssynode besteht aus 30 Delegierten (zwei Drittel sind Ehrenamtliche) – dies ist das oberste Gremium des Evangelisch-Lutherischen Dekanatsbezirks München mit 260.000 evangelischen Christen. Wie groß die Gemeinsamkeiten beider Kirchen sind erläuterte der Protestant Gunther Wenz, emeritierter Professor für Systematische Theologie: „Dem inneren Wesen nach ist die Kirche ökumenisch, global und international.“ Sein katholischer Kollege Peter Neuner, emeritierte Professor für Dogmatik und Ökumenische Theologie, ergänzte, dass eigentlich „ein Amt für universalkirchliche Einheit“ nötig wäre. Papst Franziskus versuche, diesen gesamtchristlichen Gedanken in unserer Welt lebendig zu erhalten.

Dass Christinnen und Christen in Gemeinden, Gremien und Initiativen Hand in Hand aktiv sind, benennt das gemeinsam verabschiedete Memorandum. An erster Stelle wird betont, dass es „viele positive Beispiele gibt, wie wir unseren Glauben zusammen feiern“. Daher der Wunsch: „Wir wollen gemeinsam zum Tisch des Herrn treten.“ Des Weiteren nehme man die gemeinsame Verpflichtung zur Erinnerung und Versöhnung wahr. Entschieden engagiere man sich gegen Rassismus und Diskriminierung in der Aktion „München ist bunt“. Das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge sei eine Pflicht für Christinnen und Christen, und ebenso urchristlich sei das Engagement im caritativen und diakonischen Handeln an Menschen. Schließlich bleiben als große Aufgaben der Einsatz für eine gerechte Welt, die Bewahrung der Schöpfung und der Schutz der Sonntagsruhe. Annette Krauß

Der vollständige Text des Memorandums steht online unter www.katholikenrat-muenchen.de


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