Musik- und Predigtreihe Ökumenische Harmonie mit Bach2017

05.01.2017

Die Münchner Jesuitenkirche Sankt Michael begeht das Reformationsgedenken mit der Reihe BACH 2017: In einer „Wort-Gottes-Feier“ deuten verschiedene Prediger das Evangelium im Wort. Dazu erklingen Kantaten Johann Sebastian Bachs, die den Bibeltext musikalisch interpretieren. Ein Interview mit Chordirektor Frank Höndgen.

Reformationsgedenken in einer Kirche der "Gegenreformation": die Jesuitenkirche Sankt Michael in München. © SMB

mk online: Ein Reformationsgedenken in liturgischer Form mit Musik von Johann Sebastian Bach. Und das in der bedeutendsten deutschen Kirche der katholischen Gegenreformation. Wie kann das zusammengehen?

Frank Höndgen: Das geht allein schon deshalb gut, weil Bach hervorragende liturgische Musik geschrieben hat. Und es geht auch gut, weil wir nicht die Kirche der katholischen Gegenreformation sind, sondern die Kirche der katholischen Reform. Da haben insbesondere die Jesuiten eine Erneuerung umgesetzt, deren Dringlichkeit durch den Protestantismus deutlich gemacht wurde.

mk online: Noch vor 50 Jahren wurden katholische Kirchenmusiker getadelt, wenn sie Bach spielten. Umgekehrt war das bei den Protestanten ähnlich.

Frank Höndgen: Über diese Zeit sind wir hinweg. Vor 50 Jahren gab es diese Gräben noch, und es ist für uns als Kirchenmusiker beider Konfessionen unglaublich wohltuend, dass wir diese Barrieren im Kopf und im Herzen nicht mehr haben, weil es die Tür aufmacht zu den musikalischen Schätzen der jeweils anderen Konfession.

mk online: Welches Signal ist denn in dieser Reihe besonders wichtig?

Frank Höndgen: Das Signal heißt vor allen Dingen: Wir können gemeinsam Gottesdienst feiern ohne dogmatische Barrieren. Wir können uns miteinander dem Wort der Schrift überlassen und sie auslegen. Und auch die Musik kann das Evangelium interpretieren. Das hat Johann Sebastian Bach in hervorragender Weise gemacht und deswegen wagen wir zum Reformationsgedenken diesen Versuch.

mk online: Dabei machen sogar die beiden höchsten Repräsentanten der beiden großen Kirchen in Deutschland mit.

Frank Höndgen: Das freut uns ganz besonders, dass Kardinal Reinhard Marx und der Ratsvorsitzende der evangelischen Kirche, Heinrich Bedford-Strohm, als Prediger in dieser Reihe auftreten. Kardinal Marx ist ein glühender Bachverehrer. Als wir vor drei Jahren das erste Mal über dieses Projekt gesprochen haben, hat er gesagt: Das ist eine gute Idee, das macht ihr jetzt.

mk online: Sie wollen den Besuchern aber nicht nur ein ökumenisches, sondern auch ein musikalisches Ereignis bieten und haben dafür eigens ein Spezial-Ensemble engagiert.

Frank Höndgen: Das ist man der Musik jedes Komponisten schuldig, dass man sie auf dem höchstmöglichen Niveau aufführt. Es kann ja kein Argument sein, Musik schlecht aufzuführen, weil es „nur“ für den Gottesdienst ist und nicht für ein Konzert, im Gegenteil. Die Reihe soll kein besonderes musikalisches Highlight sein, sondern grundsätzlich der Normalzustand, wie man in der Liturgie musiziert. Die Kantaten spielt das Barock-Orchester La Banda auf historischen Instrumenten und das Collegium Monacense wird den Gesangs-Part übernehmen. Es wird sehr ursprünglich wie zu Bachs Zeiten klingen.

mk online: Sie verlangen dafür nicht einmal Eintritt?

Frank Höndgen: Es ist doch normal, dass man für einen Gottesdienst kein Eintrittsgeld verlangt. Das ist unser Angebot als katholische Citykirche zum Reformationsgedenken. Man muss nur über die Schwelle treten und sich offen in diese Gottesdienstsituation hinein begeben. Diesen „Eintritt“ braucht es allerdings schon.

Die Sendung "Klangräume" im Münchner Kirchenradio beschäftigt sich in ihrer aktuellen Ausgabe ausführlich mit Bach2017.

Chordirektor Frank Höndgen © Glück

Gedenken an 500 Jahre Reformation – Bach2017 in St. Michael

„Gott, wie dein Name, so ist auch dein Ruhm bis an der Welt Ende“. Mit diesem Vers aus Psalm 48 (Vers 11) beginnt der Eingangschor in Johann Sebastian Bachs Kantate 171 zum Neujahrsfest. Mit diesem Werk setzen wir am Oktavtag von Neujahr am 8. Januar 2017 um 16 Uhr den Auftakt zu einem ökumenischen Projekt zum 500. Gedenktag der Reformation. Bachs Musik als musikalisch verbindendes Element beider Kirchen soll zusammen mit der Predigt über die jeweiligen Evangelientexte die Strukturachse der Wort-Gottes-Feiern sein, die in der Münchner Jesuitenkirche an neun Sonntagen jeweils um 16 Uhr gehalten werden.

Der Text zur o.g. Kantate stammt aus der Feder von Christian Friedrich Henrici, der unter dem Pseudonym Picander im Jahr 1728 einen Jahrgang von Kirchenkantaten schrieb, die für eine Vertonung durch J.S. Bach vorgesehen waren. Den Rahmen diesen Kantate bildet das Evangelium von der Namensgebung Jesu aus Lukas 2, 21. Der Name Jesu zieht sich im Folgenden durch alle weiteren Texte des Werkes. Jesu Namen als das erste und letzte Wort eines jeden Jahres, angerufen in Verfolgung und Not, als Trost und Schutz. Den Schluss bildet ein Choral aus der Feder von Johannes Herman (1591). „Jesu, nun sei gepreiset“.

Bach schreibt diese Kantate wohl für den Neujahrstag des Jahres 1729 und greift dabei in nicht unerheblichem Ausmaß auf bereits vorhandene ältere Werke zurück. So sind Vorlagen aus seinem Dramma per musica „Der zufriedengestellte Aeolus“ BWV 205 für die Sätze vier und sechs sowie für den Schlusschoral aus Kantate 41 (Jesu, nun sei gepreiset) nachweisbar. Die Musik des Eingangschores wird Bach gut eineinhalb Jahrzehnte später in stark umgearbeiteter Form im zweiten Satz seiner Messe in h-Moll (BWV 232) mit den Worten „Patrem omnipotentem, factorem caeli et terrae, visibilium et invisibilium“ verwenden. Auch hier „der Gedanke an die weltumspannende Allmacht Gottes“, wie es Alfred Dürr in seinem Handbuch über Bachs Kantaten treffend zusammenfasst.

Unter diesem Motto wollen wir in einer der großen Kirchen der katholischen Reform in Bayern gemeinsam mit unseren Schwestern und Brüdern der evangelischen Kirchen das Gedenken an 500 Jahre Reformation beginnen. Eine Vermittlung und eine Feier des gemeinsamen Glaubens ohne dogmatische Hürden oder formale Problemzonen – das treibt uns in St. Michael an. Ein Auftakt also nicht nur für das Jahr 2017, sondern ein ermutigendes Zeichen weiterer gemeinsamer Schritte für eine gelungene Ökumene. (Dr. Frank Höndgen, Chordirektor St. Michael)

Dieser Artikel gehört zum Thema 500 Jahre Reformation

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