Was Christen an Ostern feiern Österliche Ökumene

14.04.2017

Ostern feiern Christen aller Konfessionen. Im Jahr des Reformationsgedenkens erläutern ein katholischer und ein evangelischer Pfarrer die Bedeutung dieses Festes.

Katholiken wie Protestanten glauben an die Auferstehung © Fotolia/Kara

„Protestanten freuen sich im Herrn – Katholiken einfach so.“ Ein Satz, der nicht nur politisch völlig inkorrekt ist. Und doch begegnet uns die Sinnfälligkeit der katholischen Weise zu feiern – mit Weihrauch und festlichen Gewändern – mit aller Dramatik und Dynamik der Liturgie (wenn sie ordentlich gefeiert wird …) gerade in der Feier der hochheiligen Osternacht in freudiger Verdichtung. Da gibt es viel zu sehen und zu hören und zu riechen und zu bestaunen: In der Osternacht jagt ein Highlight das andere.

Besonders an Weihnachten und Ostern, den beiden großen Herrenfesten im Kirchenjahr, freut sich die katholische Kirche über die Nähe zum nahbaren Gott. An Weihnachten feiern wir, dass Gott – vielleicht etwas leichtsinnig – das volle Risiko eingeht und Mensch wird. Aus eigenem Entschluss nimmt der Gottessohn Menschengestalt und menschliches Schicksal an. Er teilt unser Leben mit allen Höhen und Tiefen, mit Freuden und Enttäuschungen. Bis hinein in die dunkle Nacht des Todes, bis an den Nullpunkt von Verlassenheit in der Finsternis von Kreuz und Grab. Der Gottessohn hat am eigenen Leib und in der eigenen Seele alles erlebt, was menschliches Leben ausmacht.

Pater Stefan Maria ­Huppertz ist Kapuziner und leitet den Pfarrverband Isarvorstadt © privat

An Ostern feiern wir die entgegengesetzte Verheißungsspirale. Wir feiern unsere Teilhabe am göttlichen Leben des Auferstandenen! Weil der Auferstandene der Gekreuzigte ist und der Gekreuzigte der Auferstandene, nimmt Gott auch unsere Geschichte und unsere Geschichtchen an. Der auferstandene Christus unterscheidet sich zwar in seinem Wesen vom irdischen Jesus; und gleichzeitig wird er an seinen Wunden, an den Spuren seiner irdischen Identität und Biografie, erkannt. Auf die Zusage der Auferstehung hin sind wir getauft, sind mit hineingenommen in das österliche Geheimnis Jesu Christi, in dessen Leben, Tod und Auferstehung. Der, der in der Krippe von Betlehem Mensch geworden ist und am Kreuz von Golgatha gestorben ist, lässt uns als Auferstandener an seinem göttlichen Leben teilhaben. Diese Größe, diese Hoffnung, diese Zusage ist nicht zu übertreffen! (Stefan Maria Huppertz)

Gottfried von Segnitz ist Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Matthäus in München © privat

Freude in Gott

Vielleicht kennen Sie Versuche, ein Psychogramm für Protestanten und für Katholiken nach unterschiedlichen Festtagsgewohnheiten zu erstellen. Evangelische Christen sollen sich mit dem Feiern, so heißt es dann, eher schwer tun. Katholiken sind dagegen immer gut drauf und trauen selbst in der Krise ihrer Kirche noch viel zu. Die einen leben eben österlich, während die anderen aus ihrer Karfreitagsdepression kaum herausfinden.

Dass Ostern und Karfreitag dagegen zwei Seiten der einen Medaille sind, zeigen die biblischen Ostergeschichten. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten! Im Licht des Ostermorgens finden Trauernde aus ihrem Versteck.

Vom Sterben Gezeichnete wie die Frauen am Grab oder der Lieblingsjünger werden zu Osterzeugen. Sie verkünden die bestürzende Nachricht: Gott gibt zur Rettung des verlorenen Menschen sein Leben, seine Kraft, sein Vermögen hin, aus lauter göttlicher Liebe und Barmherzigkeit. Dass die Welt glaube.

Darauf kommt die Christenheit in diesen Tagen gerne zurück. Als Martin Luther aufgefordert wurde, seine Thesen zu Buße und Ablass zu erklären und zu überdenken, formulierte er in Heidelberg zur Osterzeit 1518 noch einmal Thesen, die nicht weiter weg, sondern noch näher hin zu dem Geheimnis Gottes in Jesus Christus führen sollten. Dort findet sich ein besonders schöner Satz: „Amor dei non invenit sed creat suum diligibile.“ Gottes Liebe findet nicht das vor, was ihm liebenswert ist, was ihm gefällt. Aber seine Liebe schafft es. Sie kriegt das hin.

Christen glauben, dass sie trotz allem liebenswert sind. Die anderen sind das übrigens auch. Ob wir das für uns und die Welt immer glauben können oder nicht: Karfreitag und Ostern tragen das sozusagen in sich. Davon zehren wir und am Ostermorgen können wir uns bei allen großen und kleinen Unterschieden darüber in Gottes Namen nur freuen! (Gottfried von Segnitz)


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