Sportpfarrer Cambensy Özil-Rücktritt: Bedauerliche Entwicklung

23.07.2018

Sportpfarrer Martin Cambensy bedauert den Rücktritt von Mesut Özil aus der Nationalmannschaft. Dennoch glaubt er weiterhin an die Integrationskraft des Sports.

Mesut Özil will sein Nationaltrikot mit der Nummer 10 nicht mehr tragen.
Mesut Özil will sein Nationaltrikot mit der Nummer 10 nicht mehr tragen. © imago/Waldmüller

München – Der Rücktritt von Mesut Özil aus der Fußball-Nationalmannschaft hat erneut eine öffentliche Debatte über Integration und Rassismus in Deutschland in Gang gesetzt. Als Begründung für seinen Rückzug nannte Özil am Sonntag in seinen Stellungnahmen in den sozialen Netzwerken rassistische Anfeindungen von einigen Fans und der DFB-Spitze, nachdem er im Mai mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan fotografiert worden war. Besonders DFB-Präsident Reinhard Grindel griff der Fußballer des FC Arsenal scharf an und bezeichnete ihn als inkompetent. Zugleich kritisierte Özil auch einen Sponsor der Nationalmannschaft, der sich von ihm losgesagt hätte, sowie deutsche Zeitungen, die ihn für rechtsgerichtete Propaganda benutzt hätten.

"Jeder holzt rein"

In der Causa Özil würden viele unterschiedliche Dinge miteinander vermischt, analysierte der bayerische Sportpfarrer Martin Cambensy im Gespräch mit mk online. "Man muss wirklich unterscheiden zwischen der sportlichen Dimension, also, ob er gut oder schlecht gespielt hat", so Cambensy, und der politischen Dimension des Erdogan-Fotos sowie der gesellschaftspolitischen Frage nach dem Gelingen von Integration "oder dem Rassismus gegenüber Deutsch-Türken". Er bedauere die Entwicklung der Ereignisse rund um den 92-fachen Nationalspieler, "und dass jetzt natürlich jeder reinholzt, so gut es geht", sagte Cambensy im Hinblick auf öffentliche Wortmeldungen nach dem Rücktritt.

Martin Cambensy, Pfarrer im Pfarrverband Moosach-Olympiadorf und Beauftragter der Katholischen Bischöfe in Bayern für Kirche und Sport
Martin Cambensy, Pfarrer im Pfarrverband Moosach-Olympiadorf und Beauftragter der Katholischen Bischöfe in Bayern für Kirche und Sport © SMB

Fehlende Selbstkritik

Dabei räumt der Beauftragte der Katholischen Bischöfe in Bayern für Kirche und Sport durchaus ein, dass sich Özils Erklärungen nicht durch Selbstkritik auszeichnen würden. Es sei fragwürdig, wenn der Fußballer darauf verweise, dass das Erdogan-Foto für ihn keinerlei politische Dimension gehabt habe, aber andererseits, so Cambensy, wisse Özil ganz genau, was Reinhard Grindel als früherer Abgeordneter 2004 im Bundestag über Multikulturalismus gesagt hat. "Er beschäftigt sich also auch mit politischen Themen."

"Ich bin Immigrant, wenn wir verlieren"

Ein zentraler Punkt in Özils Statement ist der Satz: "In den Augen von Grindel und seinen Unterstützern bin ich Deutscher, wenn wir gewinnen - und Immigrant, wenn wir verlieren." Diese Kritik kann Cambensy als Pfarrer in einer Großstadt, wo viele Menschen mit Migrationshintergrund leben, gut nachvollziehen. Es gebe natürlich Mitbürger mit ausländischen Wurzeln, die oft mit einer solchen Denkweise konfrontiert würden "und darunter leiden", betonte Cambensy.

Der Sportpfarrer hofft, dass sich nach dem "großen Gemetzel" nun alle Seiten darum bemühen, die Sprache nicht wie in anderen gesellschaftlichen Bereichen noch weiter "verrohen zu lassen". Für ihn sei der Sport nach wie vor die gesellschaftliche Kraft, um Integration voranzutreiben. "Ich war neulich etwa beim bayerischen Sportpreis und da verstehen sich auf einmal die Politiker aller Couleur und loben sich. Der Sport hat da schon die Kraft, ein bisschen zusammenzubinden", sagte Cambensy.

Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de


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