Neue Werkbriefe der Landjugend Offen sein, anpacken, Ängste nehmen

15.12.2016

„Auf dem Land gehen die Uhren langsamer“ – das gilt nicht für die Katholische Landjugend. In zwei neuen Werkbriefen greift sie zwei hochaktuelle Themen auf: die Umweltenzyklika von Papst Franziskus und die „Integration auf dem Land“.

Sie stellten die Werkbriefe vor (von links): Heiko Tammena, Ramona Friedrich, Barbara Schmidt (KLJB) und der Umweltbeauftragte der Erzdiözese München und Freising, Mattias Kiefer. © SMB/Schlaug

München – Die Katholische Landjugendbewegung Bayern (KLJB) hat zwei neue Werkbriefe veröffentlicht. Der eine beschäftigt sich mit der „Integration auf dem Land“, der andere mit „Laudato si“, der Umweltenzyklika von Papst Franziskus. Mit den je 160-seitigen Handreichungen solle nicht nur jungen Leuten, sondern auch Erwachsenen in der Kirche eine Hilfe für ihre Verbands- und Gruppenarbeit an die Hand gegeben werden, erklärten die Macher auf einer Pressekonferenz.

Der Werkbrief zu „Laudato si“ soll Lust machen auf die Enzyklika des Papstes und helfen, sie beim Lesen zu verstehen, sagte Autorin Barbara Schmidt. Zudem gebe es praktische Tipps, wie die Anliegen des Papstes beim Thema Umweltschutz und Schöpfungsverantwortung umgesetzt werden können. Dabei soll auch die bisher kaum beachtete spirituelle Seite der Enzyklika beleuchtet werden, so die theologische Referentin der KLJB.

Wahrnehmung schulen

Als Beispiel nennt Schmidt die Übung „Sieben Minuten ohne“. Diese lädt dazu ein, sieben Minuten lang ohne Handy oder Ablenkung mit „absichtslosem Schauen“ zu verbringen. Man soll sich irgendwo hinsetzen, ruhig und gleichmäßig atmen und die unmittelbare Umwelt wahrnehmen. „Ich bin nur im Schauen, ohne zu werten“, heißt es in der Anleitung des Werkbriefs. Die Übung ziele darauf ab, die Wahrnehmung zu schulen, so Schmidt: „Das ist der erste Schritt, um sich berühren zu lassen, umzukehren oder den Lebensstil zu ändern.“

Den Werkbrief zu „Laudato si“ hat die KLJB gemeinsam mit den Umweltbeauftragten der bayerischen Bistümer herausgegeben. Deren Sprecher, Mattias Kiefer, aus der Erzdiözese München und Freising, hob die Bedeutung des Papsttexts hervor. „Für viele, die sich in der kirchlichen Umweltarbeit engagieren, war die Enzyklika die lang ersehnte Bestätigung aus Rom.“ Denn früher hätten die Ehrenamtlichen beim Thema Umweltschutz auch binnenkirchlich Widerstand erfahren. Nun habe der Papst, als höchste katholische Lehrautorität, ihr Wirken als „richtig und gut“ gewürdigt, so der Umweltbeauftragte. Zugleich sei es „prophetisch“, wie der Papst unter dem Stichwort „Gerechtigkeit“ die ökologischen mit den sozialen Fragen verknüpfe.

"Krise" kommt nicht vor

Ein weiteres „Papstthema“ behandelt auch der zweite, aktuelle Werkbrief der KLJB. Es geht um die gelingende Aufnahme der Menschen, die nach Bayern kommen, um „Integration auf dem Land“. Der Verband will das Thema positiv anpacken und Ängste nehmen, von „Flüchtlingskrise“ ist nicht die Rede. Zitiert ist im Werkbrief dagegen – als Zuruf an den Leser – der Wiener Pastoraltheologe Paul M. Zulehner, der sagt: „Nicht das christliche Abendland ist zu retten, sondern das Christliche im Abendland!“

Es komme darauf an offen zu sein, zuzupacken und aufeinander zuzugehen, so KLJB-Referent Heiko Tammena. „Das ist nicht immer einfach, aber unsere Aufgabe als Christen.“ Dieses Bewusstsein beim Leser und den Verantwortlichen der Jugendarbeit zu fördern, sei das Ziel des Werkbriefs. Und die Landesvorsitzende Ramona Friedrich ergänzt: "Wir wissen um die Stärken des Landes, wenn es um Integration geht."

Persönliche Beiträge

Die positiven Erfahrungen aus gemeinsamen Spieleabenden, Back- oder Kochaktionen mit Zugereisten wolle man mit der Broschüre auch nach Außen tragen. Dazu gebe es persönliche Beiträge zur Gefühlslage von Migranten auf dem Land in Bayern und auch Fakten und Zahlen, um "sprachfähig" zu bleiben und Stammtischparolen entgegen treten zu können, so die Landjugendvertreter. (Klaus Schlaug/KNA)

Hier können Sie die beiden Werkbriefe für jeweils 9 Euro bestellen.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Umweltschutz

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