Spendenaufruf Oft fehlt am Monatsende das Geld

22.12.2017

Die Arbeit auf dem Bau war hart. Noch härter kam es für Ludwig L., als er krank wurde. Mittlerweile muss er von einer kleinen Rente leben, die nicht mal für die notwendigen Medikamente reicht. Kein Wunder, dass der 75-Jährige oft deprimiert ist.

Am Monatsende sind Essens-Tafeln oft die letzte Rettung.
Am Monatsende sind Essens-Tafeln oft die letzte Rettung. © fotolia

Ludwig L. sitzt auf seinem Sofa im Wohn-Schlafzimmer und sieht uns neugierig an. Seine Begrüßung fällt ausgesprochen freundlich aus, man hat den Eindruck, dass er sich über den Besuch und die Abwechslung in seinem Alltag freut. Renate Koemm von der Schuldnerberatung der Caritas in Fürstenfeldbruck/Germering ist ihm mittlerweile vertraut geworden. Sie kennt seine schwierige finanzielle Situation und hilft dem 75-Jährigen seit 2016 dabei, seine kleine Rente gut einzuteilen.

350 Euro im Monat bleiben dem Rentner für Lebensmittel, Hygieneartikel, Fahrtkosten, Wäsche und Freizeit. „Ich habe mein Leben lang gearbeitet und Geld gehabt, aber jetzt wird immer mehr abgebucht und es reicht hinten und vorne nicht“, erklärt der ehemalige Schlosser, der nach drei Schlaganfällen nicht mehr arbeiten konnte. Für das normale Leben reiche das Geld ja noch, aber nicht für Extraausgaben wie Reparaturen oder Medikamente. „Mein Ablaufrohr im Bad ist kaputt, das kann ich nicht reparieren lassen“, sagt Ludwig. Seine Caritas-Beraterin erklärt, dass er laut Mietvertrag Kleinreparaturen bis 100 Euro selbst bezahlen müsse.

Nach drei Schlaganfällen 100 Prozent schwerbehindert

„Bis zur Rente bin ich auf Baustellen mit der Baumaschine gefahren. 32 Jahre lang. Anstrengend genug“, sagt er über seine berufliche Laufbahn. „In der Reha 2012 musste ich alles neu lernen, vor allem sprechen und laufen. Ich war wie ein Baby.“ Ludwig ist seitdem zu 100 Prozent schwerbehindert. Er kann nur kurze Strecken laufen und stürzt dabei oft. Kaum vorstellbar, dass dieser geistig rüstige Mann mit den lebhaften Augen und dem Schalk im Nacken körperlich so eingeschränkt ist.

Für meine Zähne musste ich sogar einen Kredit aufnehmen, jetzt gerade kam eine Rechnung über 250 Euro, aber das geht ja in die Tausende bis das alles wieder funktioniert“, erzählt Ludwig, der derzeit nicht richtig kauen und beißen kann. Es deprimiere ihn, dass seine Rente für Extrazahlungen für Medikamente, Fahrten mit dem Taxi zum Arzt oder für ein gelegentliches Essen in einer einfachen Gaststätte einfach nicht ausreiche. „Ich würde so gerne mal wieder etwas Richtiges essen. Ich kann mir ja nichts kochen und weil meine Hände und Finger so verkrüppelt sind, kann ich nicht richtig schneiden und schnippeln.“ Renate Koemm schlägt vor: „Es gibt in der Nähe ein Zentrum aller Bürger „ZaP“. Dort gibt es einmal die Woche ein Mittagessen für sechs Euro.“ Ludwig aber möchte sich lieber mit Freunden und Bekannten in der Wirtschaft treffen, doch dafür fehle ihm das Geld. „Die Freundin eines ehemaligen Kollegen ruft mich immerhin jeden Tag an und fragt, wie es mir geht.“ Der Pflegedienst komme dreimal die Woche und helfe ihm beim Anziehen und Duschen. „Gott sei Dank habe ich auch jemanden, der einmal die Woche kommt und für 50 Euro im Monat für mich wäscht.“

Im gewohnten Umfeld bleiben

Renate Koemm von der Caritas besucht ihn alle vier Wochen und schaut, dass er finanziell zurechtkommt. Nach einem gravierenden Mietrückstand habe sich Ludwig L. an die Caritas-Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit gewendet, ihre Kolleginnen hätten dann sofort mit dem Vermieter über Ratenrückzahlungen verhandelt, damit der Rentner in seiner Wohnung bleiben könne. Mittlerweile habe Ludwig auch einen gesetzlichen Betreuer, der sich um die finanziellen Angelegenheiten kümmere. „In meiner Ein-Zimmer-Wohnung bin ich seit 24 Jahren und hier will ich auf keinen Fall weg“, sagt Ludwig. Vorschläge in ein Betreutes Wohnen umzuziehen, wo er vielleicht besser aufgehoben wäre, weist er mit aller Entschiedenheit von sich. „Ich kann mein Leben nicht mehr völlig neu aufbauen. Hier habe ich mein vertrautes Umfeld. Wenn ich laufen kann, gehe ich spazieren. Sonst sitze ich auf meinem Balkon, beobachte die Leute und die Vögel oder ich schaue Fernsehen. Langweilig wird’s mir nicht.“

Wenn das Geld am Monatsende nicht mehr reicht, holt sich Ludwig Lebensmittel von der Puchheimer Tafel. „Das ist aber alles auch nicht mehr so, wie es mal war. Die Leute werden immer mehr und die Lebensmittel immer weniger. Weintrauben und Pflaumen habe ich das letzte Mal nicht bekommen, die gingen nur an Familien mit Kinder“, berichtet der 75-Jährige und ist sichtlich enttäuscht, dass wir ihn jetzt wieder alleine lassen müssen. (Marion Müller-Ranetsberger)

Adventrufe 2017

In der Vorfreude auf Weihnachten und in den besinnlichen Stunden wird besonders deutlich, dass Krankheit, Armut und Schicksalsschläge selbst vor der „staaden Zeit“ nicht Halt machen. Die Münchner Kirchenzeitung stellt auch heuer wieder Menschen vor, mit denen es das Leben nicht immer gut gemeint hat. Um Familien, Frauen, Männern und Kindern in großen Notlagen gezielt helfen zu können, bitten Caritas und Münchner Kirchenzeitung auch dieses Jahr wieder um Spenden für die Aktion „Adventrufe“. Wenn Sie helfen möchten, können Sie ihre Spende unter dem Stichwort „Adventruf 2017“ auf folgendes Konto des Caritasverbandes der Erzdiözese bei der Liga-Bank München überweisen: IBAN: DE 53 7509 0300 0002 2977 79 BIC: GENODEF1M05 Danke für ihre Hilfe!

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