Die Zukunft des Ehrenamtes „Ohne Ehrenamtliche keine Kirche“

26.05.2020

Auf jeden hauptamtlichen Mitarbeiter des Erzbistums München und Freising kommen rund 8 ehrenamtlich tätige Personen. Katharina Maier vertritt sie im Diözesanrat der Katholiken und weiß, welche Herausfoderungen in den nächsten Jahren auf Ehrenamtliche zukommen.

Katharina Maier
Katharina Maier vertritt die Ehrenamtlichen im Diözesanrat der Katholiken. © Privat

München – Die Erzdiözese München und Freising ist ein Arbeitgeber der Superlative: Rund 16.000 Menschen arbeiten hier hauptamtlich. Gegen die Zahl der Ehrenamtlichen wirkt das aber fast überschaubar – dort sind es mehr als 120.000, die in ihrer Freizeit in den Verbänden und Pfarreien aktiv sind. „Ohne Ehrenamtliche gäbe es keine Kirche“, sagt Katharina Maier. Sie vertritt die Ehrenamtlichen im Diözesanrat der Katholiken, dem obersten Laiengremium im Erzbistum München und Freising.

Gewachsene Anforderungen

Sich ehrenamtlich zu engagieren, bedeutet heute etwas anderes als noch vor einigen Jahrzehnten. „Die Aufgaben werden immer mehr, die Anforderungen und Herausforderungen immer größer“, sagt Maier. In Zukunft wird sich das kaum ändern: Rund 30 Prozent der Stellen werden im Lauf der nächsten zehn Jahre wegfallen. Darauf hatte der Generalvikar der Erzdiözese Christoph Klingan schon kurz nach seinem Amtsantritt Anfang des Jahres hingewiesen.

In Zukunft müssten Ehren- und Hauptamtliche deshalb noch intensiver zusammenarbeiten, erklärt Klingan im Interview mit dem Münchner Kirchenradio (MKR). Er warnt aber auch davor, beide Gruppen gegeneinander auszuspielen. „Nur gemeinsam sind wir Kirche, und nur gemeinsam können wir als Kirche in die Gesellschaft hineinwirken.“ Zwischen Ehren- und Hauptamtlichen dürfe deshalb keine Mauer entstehen.

Schlüssel zum Erfolg

Damit das gelingt, müsse sich aber grundsätzlich etwas daran ändern, wie das Ehrenamt wahrgenommen wird, fordert die stellvertretende Diözesanratsvorsitzende Katharina Maier. Das gehe bis hin zu den grundsätzlichen Fragen des Synodalen Weges zur Gleichstellung von Mann und Frau, fange aber schon damit an, dass Ehrenamtliche besser auf die ständig mehr werdenden Aufgaben vorbereitet werden. „Die Gesellschaft verändert sich, deshalb müssen sich auch Kirche und Ehrenamt ändern.“

Kommunikation sei dabei der Schlüssel zum Erfolg, aber auch die größte Schwierigkeit. Zu häufig würden Ehrenamtliche aktuell noch vor vollendete Tatsachen gestellt, beklagt Maier. „Wertschätzung bedeutet aber, in Entscheidungen eingebunden zu werden.“ Genau darin sieht der Generalvikar der Erzdiözese die größte Chance des modernen Ehrenamts. „Zum einen ist mehr Verantwortung natürlich zuerst eine Herausforderung, aber es macht das Ehrenamt auch attraktiv“, sagt Christoph Klingan. „Dafür braucht es die Unterstützung von unserer Seite, dass wir die Menschen dazu befähigen.“ Denn eines ist klar: Ehren- und Hauptamt sind auch in der Zukunft aufeinander angewiesen.


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Der Autor
Korbinian Bauer
Radioredakteur
k.bauer@st-michaelsbund.de


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