Drei Bistümer stellen Kirchenzeitungen ein Ohne Print geht es nicht

28.05.2019

Die Diözesen Mainz, Fulda und Limburg stellen ihre in Kooperation herausgegebenen Bistumszeitungen Ende 2023 ein. Ein fatales, falsches Signal, meint die Chefredakteurin der Münchner Kirchenzeitung, Susanne Hornberger.

Zeitungen muss es, aus Sicht von Susanne Hornberger, auch in Zukunft geben.
Zeitungen muss es, aus Sicht von Susanne Hornberger, auch in Zukunft geben. © Ulf - stock.adobe.com

Man muss sich doch verwundert die Augen reiben. Die Diözesen Mainz, Fulda und Limburg stellen ihre in Kooperation herausgegebenen Bistumszeitungen Ende 2023 ein. Ein fatales, falsches Signal gerade in diesen Zeiten! Denn wir schließen mit den Kirchenzeitungen eine Lücke, die von Jahr zu Jahr größer wird: die Vermittlung christlicher Werte und Traditionen. Während säkulare Medien, öffentlich-rechtliche Anstalten genauso wie private Sender, Magazine und Tageszeitungen – „Gott“, „Glaube“, „Kirche“ kaum mehr nennen oder thematisieren – und wenn, meist negativ besetzt – halten christliche Medien all dies am Leben. Aber noch viel mehr. Die Kirchenzeitungen sind oft das einzige Medium, das den Zusammenhalt eines Bistums auch haptisch ausdrücken – und zwar überall greifbar: ob in der konservativen Wallfahrtskirche, in der hippen Jugendkirche oder in der progressiven Innenstadt-Pfarrei. Kirchenzeitungen fungieren als Fundgrube für Geistliche und engagierte Gläubige, die die Ideen anderer nachahmen können. Institutionen, Verbände und deren Mitarbeiter werden vorgestellt, werden als wichtige Anlaufstelle bei Sorgen und Nöten einer breiteren Leserschaft bekannt gemacht. Menschen, die hier arbeiten und sich engagieren, können als Vorbild wahrgenommen werden. Kirchlich engagierte Ehrenamtliche haben außerhalb der Bistumsblätter kaum mehr eine Plattform.

Keine Form der Nächstenliebe

Eine kirchliche Wochenzeitung greift Themen auf, die es niemals in säkulare Medien schaffen würden. In Bistumszeitungen finden sich ausführliche Berichte, vertiefende Hintergründe zu aktuellen Belangen, Porträts, Diskussionen, Ansinnen der katholischen Kirche – vor Ort oder weltweit. Geistliche kommen hier zu Wort und werden in Porträts und/oder Interviews vorgestellt. Auch die Arbeit des Diözesanrates, dieses wichtigen Laiengremiums, findet in der säkularen Welt kaum Gehör. Leserbriefe stellen einen wunderbaren Gradmesser über Stimmung und Meinung der Gläubigen des Bistums her. Und werden von Geistlichen wie Mitarbeitern des Ordinariats auch intensiv verfolgt. Kirchenzeitungen erreichen die Menschen, die nicht onlineaffin sind, die weder im Netz surfen, geschweige denn einen Instagram-, Facebook- oder Twitteraccount haben. Ja, die auch schon einige Jahre auf dem Buckel haben – aber darf man diese Gruppe, und das ist noch immer die Mehrheit der Zeitungsleser, einfach abkoppeln vom Informationsfluss? Das ist keine Form der Nächstenliebe.

Informationen emotional anderes erfahren

Das ist eine Seite der Medaille. Denn ohne Print geht es nicht. Die Wahrnehmungspsychologie lehrt uns, dass eine gedruckte Zeitung ganz andere Areale im Gehirn anspricht als eine digitale Zeitung. Die Informationen werden anders und besser verarbeitet und auch emotional anderes erfahren, sie gehen also deutlich tiefer. Wir sprechen hier von einer ganz anderen Qualität als im Netz: Wenig prägt sich so ein wie Gedrucktes. Besonders intellektuelle Leserinnen und Leser, die gerne nachdenken, einen gewissen „Input“ erwarten, bemerken dies. Wochenzeitungen, wie die Bistumsblätter, bieten all das. Sie regen zum Nachdenken, Diskutieren, zur Meinungsbildung an.

Konzert verschiedener Medien

Zeitunglesen ist außerdem ein echt sinnliches Erlebnis – im Vergleich zum Wischen und Scrollen – kann man das Papier fühlen, riechen, bekritzeln oder auch vor Wut zerknüllen. Nichts ist so chillig wie Lesen in der Hängematte, im Strandkorb, auf dem Sofa oder sonntags im Bett mit einem duftenden Kaffee am Nachttisch. Print ist als Instrument idealerweise integriert in ein Orchester von anderen Medien – das macht der Sankt Michaelsbund vorbildlich – wie Online und Radio, die aktuell, schnell und spontan nachrichtlich reagieren und durch bewegte Bilder und Stimmen emotionaler ansprechen können; unterstützt von Social-Media-Kanälen, um jüngere Zielgruppen, und von Fernsehen, um kirchenfernere Menschen erreichen zu können. Es ist das Konzert verschiedener Medien, das die Musik macht, die die Kirche gerade in diesen Zeiten dringend benötigt. Kirchenmedien – und gerade auch Print – sind heutzutage wichtiger denn je. Die Verantwortlichen werden noch aufwachen: Erst wenn man oder etwas weg ist, merkt man, was einem fehlt.

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de


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