Tierschützerin gerät in Kriminalfall Olga Tokarczuk: Gesang der Fledermäuse

13.05.2020

Biologielehrerin und Tierschützerin Janina Duzejko will auf eigene Faust die Morde an vier Jägern aufklären. Dabei eckt die Einsiedlerin bei Polizei und Dorfgemeinschaft gehörig an. Ein literarisches Spiel mit Krimielementen und philosophischen Exkursen der polnischen Literaturnobelpreisträgerin.

© Imago

Janina Duzejko lebt in einem kleinen Häuschen am Waldrand, ganz alleine, seit ihre beiden Hunde, die sie liebevoll „ihre Mädchen“ nannte, spurlos verschwunden sind. Sie arbeitet Teilzeit als Biologielehrerin, übersetzt Werke des englischen Lyrikers William Blake und ist Hobbyastrologin. Duzejko hat nur wenige Sozialkontakte, trifft sich einmal in der Woche mit einem ehemaligen Schüler, der genauso verschroben ist wie sie. Wenn sie, was selten vorkommt, Hilfe braucht, kann sie fest sich auf ihren Nachbarn Matoga verlassen. Ansonsten ist sie unabhängig und eine überzeugte Feministin. Sie hat stets eine Notfallausrüstung in ihrem kleinen Jeep und betreut im Winter die Ferienhäuser der wohlhabenden Städter. Tiere sind ihr als Gesellschaft deutlich angenehmer als Menschen und deswegen vermisst sie ihre Mädchen schmerzvoll.

Die polnische Schriftstellerin wurde 2019 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet, den sie rückwirkend für das Jahr 2018 erhielt. Im Feuilletongetöse um den Preisträger von 2019 Peter Handke ging das fast ein wenig unter, doch spätestens mit ihrer kraftvollen Rede in Stockholm bewies Tokarczuk, dass sie eine außergewöhnliche und kluge Schriftstellerin ist, die Fiktion als eine Art von Wahrheit sieht und als Erzählerin eine neutrale, allwissende aber auch zärtliche Instanz sein will.

Zum Schreiben zieht Olga Tokarczuk sich in ein abgeschiedenes Berghäuschen an der polnisch-tschechischen Grenze zurück. Und genau da siedelt sie auch die Geschehnisse dieses Buches an. „Gesang der Fledermäuse“ erschien im polnischen Original bereits vor 10 Jahren, 2011 erstmals auf Deutsch und wurde 2019 von Daniel Kampa neu aufgelegt. Der Roman gilt als eines der leichter zugänglichen Werke der Autorin.



Das könnte Sie auch interessieren

Antiverschwörungspodcast

So langsam ändert sich das Leben da draußen wieder. Das bemerkt auch Pfarrer Rainer Schießler. Aber er warnt in seinem Podcast in dieser Woche auch davor, immer nur an sich zu denken...

 

24.05.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren