Roman über Missbrauch Opfer, Überlebende und Heldin

29.01.2019

Eltern sollten ihre Kinder lieben, sie schützen und stärken. Aber was, wenn sie sie auf verkehrte Art und Weise lieben, wenn ein Vater seine Tochter missbraucht sie von allen anderen Menschen abschirmt?

"In der Natur zu sein ist extrem wichtig für mich", Autor Gabriel Tallent beim Bouldern im Joshua Tree Park © G.Tallent

„Mein Ein und Alles“ ist ein Roman, der niemanden gleichgültig lässt. Er erzählt die Geschichte eines Mädchens, das von ihrem Vater missbraucht wird. Die beiden leben sehr abgeschieden in den Wäldern nahe der Küste Nordkalifornien. Turtle lebt fast wie eine Gefangene der verschrobenen, menschenverachtenden Weltsicht ihres Vaters in einem total vernachlässigten Haushalt.
Eine Frühstücksszene: Turtle öffnet den Kühlschrank mit den Füßen und angelt eine Flasche Bier für ihren Dad, die sie mit den Zähnen öffnet. Für sich schlägt sie ein paar rohe Eier auf, die sie sich direkt in den Mund laufen lässt. Danach sind ihre Schießübungen dran. Vater Martin ist ein zu tiefst von der Welt enttäuschter Mann, der seiner Tochter Härte predigt, und selber sehr brutal sein kann. Bei diesen Szenen spürt man ein kleines Übelkeitsgefühl im Magen. Muss es wirklich so krass sein, den Leser zu Zeugen machen wie der Vater das Mädchen mit einem Messer bedroht als Erziehungsmethode? Der Autor hat sich das gut überlegt, es geht ihm darum, die Leser zum Hinsehen zu bewegebn, obwohl sie bereits den Reflex spüren sich abzuwenden.
Dieses Buch zu lesen ist überhaupt nur möglich, weil man spürt: Das Mädchen Turtle ist nicht nur Opfer, sie hat eine große Stärke und man fiebert mit, ob sie es eines Tages schaffen wird, sich zu befreien und wirkliche Liebe zu erfahren. Gabriel Tallent möchte mit diesem Roman mehr Empathie einfordern für Kinder ihn ähnlichen Lagen

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