Zu Beginn der Bischofskonferenz Opfer von geistlichem Missbrauch dringen auf Aufarbeitung

23.02.2021

In einem Offenen Brief wird den Bischöfen vorgehalten, bisher zu wenig gegen geistlichen Missbrauch unternommen zu haben. Entsprechende Leistungen müssten jenen Betroffenen zugute kommen, die dauerhaft darunter leiden.

Hand mit Aufschrift Stop streckt sich dem Betrachter entgegen.
Betroffene von geistlichem Missbrauch in der katholischen Kirche fordern eine gründlichere Aufarbeitung. © Irina - stock.adobe.com

Bonn - Zur Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe dringen Betroffene von geistlichem Missbrauch in der katholischen Kirche auf gründlichere Aufarbeitung. In einem auf dem österreichischen theologischen Portal "feinschwarz.net" publizierten Offenen Brief fordern sie zudem "angemessene Formen der Entschädigung und Wiedergutmachung". Entsprechende Leistungen müssten insbesondere jenen Betroffenen zugutekommen, "die in Folge des geistlichen Missbrauchs psychisch dauerhaft geschädigt sind oder die in kirchlich anerkannten und unter kirchlicher Aufsicht stehenden Gruppen über lange Zeiträume systematisch finanziell ausgebeutet wurden."

Definition fehlt bislang

Der Brief ist gerichtet an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing und an den Bischof von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers. Die Bischofskonferenz, die Katholische Akademie des Bistums Dresden-Meißen und die Sächsische Landesärztekammer hatten im Herbst eine Tagung zu geistigem und geistlichem Missbrauch veranstaltet. Auf der noch bis Donnerstag laufenden virtuellen Vollversammlung der Bischöfe steht das Thema ebenfalls auf der Agenda.

Eine Definition von geistlichem Missbrauch fehlt bislang. Allgemein werden unter diesem Begriff Versuche zusammengefasst, Menschen etwa bei der Beichte oder im Rahmen religiöser Lebensbegleitung zu manipulieren oder unter Druck zu setzen. Zuletzt standen deswegen unter anderem der Orden "Das Werk" und die inzwischen aufgelöste Katholische Integrierte Gemeinde in der Kritik.

Anteilnahme vermisst

In dem Offenen Brief wird den Bischöfen vorgehalten, bisher zu wenig gegen geistlichen Missbrauch unternommen zu haben. Bei "zahlreichen Versuchen", geistlichen Missbrauch zur Anzeige zu bringen, hätten Betroffene die Erfahrung gemacht, dass sie von den Bischöfen und deren Verwaltungen mehrheitlich ignoriert worden seien: "Auch wenn es Reaktionen vonseiten der Kirche gibt, lassen diese in der Regel jede Form von mitmenschlichem Verständnis oder Anteilnahme vermissen."

Erforderlich seien eine systematische, flächendeckende und unabhängige Aufarbeitung des Themas und ein offener Dialog mit den Betroffenen, heißt es weiter. Es fehlten außerdem einschlägige Straftatbestände im kirchlichen Strafrecht, auf die sich Opfer von geistlichem Missbrauch berufen könnten.

Zu den Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern des Offenen Briefes gehören Mechthild Leise, ehemaliges Mitglied der Katholischen Integrierten Gemeinde, und die Theologin Doris Reisinger, die von 2003 bis 2011 Mitglied des Ordens "Das Werk" war und - unter dem Namen Doris Wagner - ihre Erlebnisse in der Gemeinschaft in mehreren Büchern schilderte. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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