Salvatorianergründer Franziskus Jordan Orden freut sich auf Seligsprechung

28.07.2020

Fast 80 Jahre hat der Seligsprechungsprozess für Pater Franziskus Jordan gedauert. Ein jetzt bestätigtes Wunder bringt ihn zum Abschluss.

Pater Franziskus Jordan
Sprachengenie, Ordensgründer und bald Seliger: Pater Franziskus Jordan. © Deutsche Provinz der Salvatorianer

München/Rom - Der katholische Heiligenhimmel bekommt Verstärkung aus Deutschland. Der Gründer des Salvatorianerordens, Johann Baptist Jordan, wird voraussichtlich noch in diesem Jahr seliggesprochen. Darüber freut man sich besonders in München. Denn im Stadtteil Laim befindet sich die Zentrale des Ordens für Deutschland, wo die Salvatorianer auch die Pfarrei Sankt Willibald betreuen.


Natürlich hängt im Kloster der Ordensgemeinschaft ein Bild ihres Gründers. Pater Hubert Veeser deutet auf ein Schwarz-Weißphoto. Es zeigt das kantige Gesicht eines älteren Herrn mit einer stürmischen Haartolle an der Stirn. Das ist Johann Baptist Jordan, der im Revolutionsjahr 1848 im Schwarzwald in ganz ärmlichen Verhältnissen zur Welt kam: „Der Vater war Pferdeknecht, erlitt einen Arbeitsunfall und die Familie lebte immer am Existenzminimum“, erzählt Pater Veeser. Den Provinzial, also den Leiter der deutschen Salvatorianer, erstaunt immer wieder, mit welcher Zähigkeit der arme Johann Baptist Jordan aus dem Erzbistum Freiburg Priester geworden ist.

Aufgeweckter Zeitgenosse

Nur durch Spenden von Wohltätern konnte er sein Studium bezahlen. Nach der Weihe durfte er seinen Dienst in der Diözese nicht aufnehmen. Das vom protestantischen Preußen gelenkte Deutsche Reich führte gegen die katholische Kirche mit scharfen Maßnahmen und Verboten seinen sogenannten Kulturkampf. Der Freiburger Erzbischof schickte Jordan deshalb nach Rom. Das war wohl überlegt, denn der Priester hatte ein außerordentliches Talent: Er soll bis zu 20 Sprachen beherrscht haben und war damit im Zentrum der Weltkirche bestens aufgehoben. „In Rom hat er dann auch die Ideen für seine Ordensgründung entwickelt“, erläutert Pater Veeser.

Denn der Stifter der Salvatorianer, der sich den Ordensnamen Franziskus gab, war ein aufgeweckter Zeitgenosse. Deutlich sah Jordan die Verelendung großer Bevölkerungsteile durch ein ausbeuterisches Wirtschaftssystem. Und weltläufig wie er war, erkannte er auch die menschlichen, sozialen und religiösen Probleme die der Kolonialismus in Afrika und Asien hervorrief. Den Nöten des 19. Jahrhunderts wollte er durch Mission und Evangelisation nach innen wie außen begegnen. „Die Frohe Botschaft wollte Jordan in ganz einfachen Sätzen und Formen vermittelt wissen“, erklärt Pater Veeser, „um jeden Menschen zu einem Apostel zu machen, damit Jesus Christus verkündet werden kann.“ Dem entspricht das breite Aufgabenfeld der Salvatorianer.

Breites Missionsverständnis

Sie gründeten Schulen und Gemeinschaften, übernahmen die Seelsorge in Pfarreien oder Wallfahrtsorten und gaben Zeitschriften heraus. Das ist so bis heute, auch wenn die Salvatorianer in Deutschland stark geschrumpft sind. Rund 50 Mitbrüder sind auf vier Niederlassungen verteilt. Untergangsstimmung verbreitet der Provinzial aber überhaupt nicht. „Wir haben mit Deutschland noch nicht abgeschlossen und hoffen, dass es auch hier wieder Berufungen kommt geben kann. Aber es ist tatsächlich so, dass in Westeuropa die Zahlen ganz, ganz stark zurückgehen.“ Weltweit steigt die Zahl der Salvatorianer dennoch. Insgesamt sind es 2000. Vor allem vermitteln sie Bildung vom Kindergarten bis zur Universität und verkünden so das Evangelium. Ganz im Sinne ihres Gründers Pater Jordan. Vor kurzem hat der Vatikan ein durch ihn bewirktes Wunder anerkannt.

 

 

Platz für Reliquie ist reserviert

Mehrere Ärzte und Spezialisten hatten einem brasilianischen Elternpaar, das einer salvatorianischen Laiengemeinschaft angehört, eine tödliche Behinderung ihres noch ungeborenen Kindes vorausgesagt. Es ist dann „pumperlg´sund“, wie Pater Veeser sagt, am 8. September, dem Todestag von Franziskus Jordan zur Welt gekommen. Das Wunder war entscheidend für die Seligsprechung, die sich fast 80 Jahre lang hingezogen hat. Der genaue Termin für die Feierlichkeiten steht noch nicht fest. In München-Laim, wo die Salvatorianer in Sankt Willibald zuhause sind, soll die Seligsprechung in jedem Fall ein großes Fest werden. Natürlich werden auch Pater Jordans Gebeine in Rom erhoben. Im Münchner Salvatorianerhaus ist der Platz für eine Reliquie bereits seit längerem eingeplant: Im schlichten Altar der Hauskapelle. „Da waren wir mutig.“ Denn Pater Veeser und seine Mitbrüder haben den Altar schon vor einigen Jahren umgestalten lassen, als die Seligsprechung keineswegs sicher war.  Demnächst wird also ein leibhaftiges Stück des Ordensgründers die Münchner Salvatorianer und ihre Arbeit begleiten.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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