Kritik von Innen Ordensfrauen wollen Kirche verändern

11.04.2019

Gebetet und demonstriert wurde am Donnerstag in der Neuhauser Straße in der Münchner Innenstadt. Ordensschwestern haben zu der Aktion aufgerufen. Sie fordern die Öffnung aller kirchlichen Ämter für Frauen. Doch das ist nicht alles.

Schwester Karolina Schweihofer fordert eine grundlegende Erneuerung der Kirche. © SMB

München – Rund 40 Menschen haben sich am Donnerstag, 11. April, vor der Kirche Sankt Michael in der Münchner Innenstadt versammelt, um mit den „Ordensfrauen für Menschenwürde“ zu beten und zu demonstrieren. Die Schwestern aus verschiedenen katholischen Orden sind um den Zustand ihrer Kirche nach dem Missbrauchsskandal besorgt. Sie fordern eine vollständige Aufarbeitung der Missbrauchsfälle, eine Untersuchung der systemischen Gründe und nicht zuletzt die Öffnung aller kirchlichen Ämter für Frauen. Die „Ordensfrauen für Menschenwürde“ schließen sich damit der Initiative „Schritt für Schritt“ des Schweizer Klosters Fahr an. Jeden Donnerstag beten dort, und inzwischen auch in vielen Orten in Deutschland, Ordensschwestern für die Erneuerung der Kirche.

Bevor die Demonstranten zusammen ein Gebet sprachen, sangen die Teilnehmer den Klassiker der Bürgerrechtsbewegung „We shall overcome“. Dabei dichteten sie eine Strophe dazu: „Men and women together“, hieß es zum Abschluss des Liedes. Das Gebet der Schweizer Initiative plädiert für eine bunter, vielfältigere Kirche: „Eine glaubwürdige Kirche ist offen für Menschen gleich welcher Herkunft, welcher Nationalität, welcher sexuellen Orientierung.“

Nicht mehr schweigen, sondern den Mund aufmachen

Vor allem aber geht es in dem Gebet um die Öffnung aller kirchlichen Ämter für Frauen. Und Schwester Karolina Schweihofer und ihrn Mitstreiterinnen schließen sich an: „Wenn ich ins Evangelium schaue, dann hat Jesus sehr die Frauen miteinbezogen“, erklärt die 59-Jährige. „Und eine Frau, war es die den Jüngern verkünden sollte, dass Jesus lebt.“ Dabei wäre Kirche ohne Frauen gar nicht denkbar, sagt sie: „Wir möchten nicht mehr schweigen und zuschauen, sondern unsern Mund aufmachen.“

Im Anschluss gab es bei Fladenbrot und Wasser noch die Gelegenheit zum Austausch. Fast alle Demonstrationsteilnehmer blieben, um über die Forderungen und mögliche weitere Schritte zu sprechen. Schon im Vorfeld fragten Teilnehmer und auch Passanten, ob man eine Petition unterschreiben könne. Noch gibt es zwar keine, aber Karolina Schweihofer stellt klar: „Die Kirche muss mit uns rechnen.“

Der Autor
Thomas Stöppler
Volontär
t.stoeppler@st-michaelsbund.de


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