Innovative Impulsgeberin Ordinariatsdirektorin Gabriele Rüttiger geht in den Ruhestand

31.05.2019

Sieben Jahre leitete sie das Ressort Grundsatzfragen und Strategie im Erzbischöflichen Ordinariat. Nun geht Ordinariatsdirektorin Gabriele Rüttiger in den Ruhestand.

Hat schon viele Pläne für den Ruhestand: Ordinariatsdirektorin Gabriele Rüttiger
Hat schon viele Pläne für den Ruhestand: Ordinariatsdirektorin Gabriele Rüttiger © Kiderle

 

München

– Gabriele Rüttiger strahlt Ruhe aus, Besonnenheit, kurzum: Sie ist eine Frau, mit der man sich gerne unterhält, weil sie gut zuhören kann und ihrem Gegenüber nichts vorspielt. Und weil sie aus eigener Erfahrung weiß, dass das Leben nicht immer geradlinig verläuft. Ende Mai verabschiedet sich die starke Frau hinter Kardinal Reinhard Marx, die seit sieben Jahren das Ressort Grundsatzfragen und Strategie im Erzbischöflichen Ordinariat München leitet, in den Ruhestand.

Ob sie schon ein bisschen Wehmut empfindet? „Ich habe noch keine Zeit, mich so richtig auf den Abschied einzustellen“, sagt die Ordinariatsdirektorin nachdenklich. Schließlich sei sie noch „voll in der Arbeit drin“, es kämen immer wieder neue Themen auf ihren Schreibtisch, alte müssten noch zu Ende gebracht werden. Von Entschleunigung kurz vor Ende ihres Arbeitslebens ist keine Spur. Die 65-Jährige sprüht vor Tatendrang, Ideen, Energie und Kreativität. Eigenschaften, die ihr immer wieder im Leben geholfen haben. So auch 2012, als Rüttiger das neu geschaffene Ressort im Ordinariat übernommen hat. „Wir bekamen für einen Teil des Ressorts neue Räume in der Münchner Ottostraße. In diesem ganzen Komplex hatten wir anfangs zwei kleine Schreibtische und zwei Stühle“, erinnert sie sich, „unsere Regale bestanden aus Umzugskisten.“

Ihr Ressort darf man sich als eine pastorale Denkwerkstatt vorstellen. Dazu gehören theologische Fragestellungen sowie Sozialraumanalyse und strategische Entwicklung. „Das Luther-Jahr 2017 war ein sehr starkes Jahr für uns“, sagt die Direktorin nicht ganz ohne Stolz auch auf ihre 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Ebenso haben Kolleginnen und Kollegen Themen wie Schöpfungsverantwortung/Nachhaltigkeit und Projektmanagement in der Erzdiözese etabliert. Der Dialog mit den Religionen, der auch in Rüttigers Ressort fällt, hat die Theologin immer wieder sehr bewegt. „Vor drei Jahren waren wir mit Christen und Muslimen zusammen in Auschwitz“, erzählt sie, „das war für mich eine sehr bewegende Erfahrung.“ Die Gruppe, also Christen, Muslime und auch ein jüdisches Ehepaar, reist demnächst gemeinsam nach Israel. Dies sei nochmal ein wichtiger Schritt, sich gemeinsam für Frieden einzusetzen. „Religionen können da sehr viel beitragen.“

Ignatianisch geprägt

Sie erzählt all das Erreichte zurückhaltend, aber man merkt doch die Leidenschaft, mit der sich Rüttiger engagiert, Menschen zusammenbringt, Themen setzt und vorantreibt. Sie geht den Weg, den sie für verantwortbar hält. Und behält dabei immer den Menschen im Blick. Auch dafür wird die 65-Jährige sehr geschätzt, nicht nur im Ordinariat. Schon früh hat sie gelernt, eigenständig zu denken und zu handeln, unabhängig zu sein. Mit 20 Jahren wurde sie Mitglied im Orden der Congregatio Jesu, der die Konstitution der Jesuiten hat, „ich bin ignatianisch geprägt“. Ihre Devise: „Sich nicht abhängig zu machen von anderen, sondern immer zu schauen, was geht in der aktuellen Situation, und sich zugleich fest zu machen in Gott.“

Rüttiger wurde Schulseelsorgerin und trat nach gut zwanzig Jahren aus dem Orden aus, weil ihr Weg sie in eine andere Richtung führte. Sie arbeitete als Akademische Oberrätin an der Fakultät für Religionspädagogik und Kirchliche Bildungsarbeit an der katholischen Universität Eichstätt und baute die Schulpastoralseelsorge in der Erzdiözese München und Freising auf. Vor sieben Jahren schließlich bekam sie als Ordinariatsdirektorin eine der höchsten Positionen, welche die katholische Kirche einer Frau derzeit zu bieten hat. Ob sie sich als Emanze fühlt? „Nein, das war auch nie ein Thema für mich gewesen“, antwortet Rüttiger bestimmt, „mir ging es immer darum, meine Arbeit einfach gut zu machen.“ Eine Vorkämpferin zu sein für andere Frauen – das lässt sie schon gelten. „Weil ich auch in Bereiche reingekommen bin, wo es noch ungewöhnlich ist, dass Frauen Kirche repräsentieren. Ich denke beispielsweise an die orthodoxen und orientalischen Kirchen.“ Da habe sie erst manche überzeugen müssen, sie als Frau in einer kirchlichen Führungsrolle zu akzeptieren. Das hat sie selbstbewusst, freundlich und mit viel Geduld weitestgehend erreichen können.

Frauen als Diakoninnen

Aber auch außerhalb kirchlicher Kreise musste die Ordinariatsdirektorin Überzeugungsarbeit leisten. Wenn sie beispielsweise bei Veranstaltungen Kardinal Marx vertreten hat, Protokollchefs sie allerdings in die letzte Reihe schicken wollten. Rüttiger hat ihre Rolle erklärt und immer wieder das Gespräch gesucht. Aufgeben ist ihre Sache nicht.

Wie sie die Aktion „Maria 2.0“ sieht? „Ich wäre sehr froh, wenn Frauen in einem ersten Schritt Diakoninnen werden können“, sagt Rüttiger. Ihrer Meinung nach müsse dies möglich sein, „dafür haben wir auch die biblischen Grundlagen“. Die Entwicklung wird sie weiterhin beobachten. Und Rüttiger wäre nicht Rüttiger, wenn sie nicht schon jetzt viele Ideen für die kommenden Monate und Jahre hätte. Ein mobiler Hospizdienst im Münchner Stadtteil Haidhausen schwebt ihr vor, genauso wie ein Café als Treffpunkt für Senioren, die alleine leben. „Wir können als Kirche der neuen Armut ‚Einsamkeit‘ entgegenwirken.“ Innovativ, wie sie ist, hat sie noch viel mehr kreative Ideen. Und auch als Ehrenamtliche wird sie hier künftig getreu ihrem Motto handeln: „Geht nicht? Dann muss ich mir einen anderen Weg überlegen!“

Die Autorin
Susanne Hornberger
Münchner Kirchenzeitung
s.hornberger@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Frauen und Kirche

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