St. Margaret München Orgel in Corona-Warteschleife

26.03.2021

Die viertgrößte Orgel Oberbayerns in der Münchner Margaretenkirche wurde drei Jahre lang aufwendig renoviert – und kommt nun wegen der Corona-Pandemie doch kaum zum Einsatz.

Die Orgel in St. Margaret im Münchner Stadtteil Sendling ist die viertgrößte in Ober- bayern.
Die Orgel in St. Margaret im Münchner Stadtteil Sendling ist die viertgrößte in Oberbayern. © Keren

München – Eigentlich müsste Christian Bischof ein glücklicher Mann sein. Der 39-jährige Kirchenmusiker der Pfarrei St. Margaret im Münchner Stadtteil Sendling darf auf der viertgrößten Orgel Oberbayerns musizieren. Im November vergangenen Jahres wurde das mächtige Instrument mit seinen 76 Registern und über 4.500 Pfeifen – darunter die größte Metallpfeife Deutschlands mit knapp zwölf Metern Höhe und 40 Zentimetern Durchmesser – nach dreijähriger Generalsanierung zusammen mit der kompletten Emporenraumschale fertiggestellt. Doch kaum einer nahm davon Notiz: „Bedingt durch die Corona-Pandemie mussten alle geplanten Veranstaltungen wie der Einweihungsgottesdienst, alle Konzerte und die Festwoche ausfallen“, sagt Bischof leise, während er von der Empore aus hinunter in das weite Kirchenschiff blickt. Nur eine kleine Segnungsfeier konnte stattfinden.

Über eine Million investiert

Insgesamt sieben Jahre an Planungen und Vorbereitungen liegen hinter Bischof. 1,1 Millionen Euro wurden in das Projekt investiert. Groß waren die Eigenleistung der Gemeinde (300.000 Euro) und das Spendenaufkommen durch Patenschaften (283.000 Euro), weitere Mittel kamen vom Kulturbaufonds der Stadt (200.000 Euro) sowie von der Bayerischen Landesstiftung (80.000 Euro) und der Erzdiözese (50.000 Euro). Bischof spricht liebevoll von einem „restaurierten Oldtimer“, der voll modernster Technik steckt und zugleich respektvoll in sorgfältiger und bester Handwerk-Manier ausgeführt wurde. „Nachhaltig für die kommenden Generationen“, betont er.

Alle zwei Wochen gibt es eine "Orgelmesse"

Seinen eigentlichen Auftrag, nämlich die Gemeinde beim Gesang in der Liturgie zu begleiten, „konnte das Instrument noch kein einziges Mal erfüllen“, seufzt Bischof. Corona lässt dies momentan nicht zu. Stattdessen versucht er, die Orgel im Gottesdienst derzeit vor allem improvisatorisch einzusetzen. Jeden zweiten Sonntag gibt es zudem eine „Orgelmesse“, an der an bestimmten Stellen der Liturgie Orgel-Literatur gespielt wird, mitunter auch Stücke von bis zu zehn Minuten Dauer.

Bischof, der zugleich auch stellvertretender Diözesanmusikdirektor ist, hofft sehnsüchtig auf ein Ende der Pandemie, der musikalischen Abstinenz wie Perspektivlosigkeit, damit endlich wieder Chor- und Gemeindegesang möglich sind. Am besten schon zum bundesweiten „Tag der Orgel“ am 12. September. Immerhin ist 2021 das „Jahr der Orgel“.

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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