Kulturelles Signal aus der Kirche Orgelherbst in Sankt Michael trotz Corona

27.09.2020

Unter strengen Sicherheitsbestimmungen werden in der Jesuitenkirche in der Münchner Fußgängerzone alle Register gezogen.

Orgel in der Münchner Jesuitenkirche
Ein Instument der Extraklasse: die Orgel in der Münchner Jesuitenkirche in Sankt Michael. Im Oktober spielen darauf Musiker aus ganz Deutschland. © Sankt Michael/Glück

München - Normalerweise beginnt Peter Kofler etwa zwei Jahre vor einem Münchner Orgelherbst, die Künstler einzuladen. Nun hatte der Organist an der Jesuitenkirche St. Michael (Neuhauser Straße 6) gerade einmal zwei Monate Zeit, um die Konzertreihe aufgrund der Corona- Pandemie vollkommen umzukrempeln. Im Frühjahr, als die Krise das gesamte gesellschaftliche und musikalische Leben lahmgelegt hatte, war er sehr skeptisch, ob das im Münchner Konzertleben fest etablierte Festival überhaupt stattfinden könne. Als aber öffentliche Veranstaltungen wieder erlaubt wurden, wollte er den Orgelherbst unbedingt durchführen: „Für mich war es wichtig, ein Signal zu setzen, dass Kultur weiterleben muss.“

Deutliche Programmveränderung

Allerdings musste er fast das komplette vorgesehene Programm umkippen. „Wir haben die ursprünglich eingeladenen Künstler aus dem Ausland gebeten, erst im kommenden Jahr aufzutreten.“ Denn nach wie vor gelten Reisewarnungen und Quarantänebestimmungen. Die Besucher des  Münchner Orgelherbstes müssen in diesem Jahr etwa auf Olivier Latry von der Kathedrale Notre-Dame in Paris oder auf Juan de la Rubia verzichten, der Organist an der Sagrada Familia in Barcelona ist. Für sie springen Instrumentalisten aus ganz Deutschland ein, von Hamburg bis Freiburg.

Organisten brennt es unter den Fingern

Es sei gar nicht so schwer gewesen, guten Ersatz zu finden, berichtet Kofler mit drei Meter Sicherheitsabstand unter den Arkaden im Hof hinter St. Michael. „Bei vielen Organisten sind durch Corona große Lücken im Kalender entstanden und denen brennt es jetzt unter den Fingern, die wollen spielen!“ Auch wenn sie vor deutlich weniger Publikum auftreten dürfen als sonst. In St. Michael sind nach Absprache mit dem Kreisverwaltungsreferat (KVR) gut 150 Besucher pro Konzert zugelassen. Jeder bekommt einen desinfizierten Kugelschreiber am Eingang ausgehändigt, um am Platz ein Formular mit seinen persönlichen Daten auszufüllen, und selbstverständlich ist eine Schutzmaske Pflicht. „Aber das ist in Corona-Zeiten mittlerweile Normalität“, meint Kofler, der bereits im Sommer einige Konzerte in St. Michael anbieten konnte, die das Stammpublikum schwer vermisste.

Schlangestehen für ein Konzert

An Mariä Himmelfahrt standen die Besucher Schlange, um noch Karten zu bekommen, und viele mussten abgewiesen werden. Es stehen eben nicht mehr 700 Plätze zur Verfügung wie sonst. Darum empfiehlt Festivalleiter Kofler dringend, sich für die Konzerte des Orgelherbstes Karten im Vorverkauf an der Pforte von St. Michael oder über München Ticket zu sichern.

Wie in den vorangegangenen Jahren ist ein vielfältiges Programm mit Werken von Bach bis zu eigenen Improvisationen der gastierenden Musiker zu hören. Auch das Erzählkonzert „Orgel für Kinder“ darf stattfinden, wenn Kofler Mädchen und Buben einlädt, das Instrument anhand einer Geschichte kennenzulernen. Nur die Kammerkonzerte in der kleinen und stimmungsvollen Michaelskapelle müssen ausfallen, weil dort wegen des Sicherheitsabstands nur an die zehn bis 15 Besucher eingelassen werden dürften. Doch sonst lässt sich der Orgelherbst von der Corona-Pandemie nicht unterkriegen. „Auch weil die Sponsoren und Unterstützer nicht abgesprungen sind“, betont Kofler. „Denen gebührt ein großer Dank!“

Orgelherbst-Konzerte in Sankt Michael

4. Oktober, 16 Uhr: Orgelkonzert, Sebastian Küchler-Blessing
9. Oktober, 20 Uhr: Orgelkonzert, Peter Kofler
11. Oktober, 16 Uhr: „Orgel für Kinder“ mit Frank Höndgen (Sprecher) und Peter Kofler (Orgel)
16. Oktober, 20 Uhr: Orgelkonzert, Wolfgang Zerer
18. Oktober, 16 Uhr: Orgelkonzert, Matthias Maierhofer

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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