Kirchenmusik Orgelprofi mit 16 Jahren

22.03.2018

Jakob Skudlik aus Grafing ist erst 16 und doch schon anerkannter Kirchenmusiker. Seit vier Jahren spielt er schon Orgel. Es ist vor allem die Wucht des Klanges, die den Elftklässler so fasziniert. Ein Besuch an den Manualen.

Jakob Skudlik an der Kirchenorgel
Jakob Skudlik an der Kirchenorgel © SMB/Lukas Fleischmann

Grafing – Wenn Jakob Skudlik Werke von Bach spielt, dann steht ihm die Konzentration förmlich ins Gesicht geschrieben. Mit zwei Händen Melodie und Begleitung zu spielen, ist schon schwer. Wenn allerdings noch die Füße dazu kommen, dann ist absoluter Fokus gefragt. Seit vier Jahren spielt Jakob nun schon Orgel.

"Es ist vor allem diese Klangwucht, die mich so fasziniert", sagt Jakob, "kaum ein anderes Instrument ist so groß, vielseitig und mächtig wie die Orgel." Angefangen hat er mit Klavier. Irgendwann schlug ihm sein damaliger Klavierlehrer Thomas Pfeiffer vor, sich mal an der Orgel zu versuchen.

Seitdem begleitet Jakob Gottesdienste, spielt Messen und Konzerte und übt regelmäßig. Sein damaliger Klavierlehrer ist nun sein Orgellehrer. Der ist sichtlich stolz auf das Talent und die Leistungen seines Schülers: "Jakob begleitet den Gottesdienst schon richtig gut. Er hat viel musikalische Intelligenz und schafft es super, sich nach der Gemeinde zu richten."

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Jakob Skudlik spielt Bach
Jakob Skudlik spielt Bach
Jakob Skudlik spielt Bach © SMB/Fleischmann

Die Herausforderung Kirchenorgel

Gerade das Zusammenspiel mit der Gemeinde kann nämlich ganz schön schwierig sein. "Die Gottesdienstbesucher sind ja kein ausgebildeter Chor und neigen dazu, immer langsamer zu singen. Da muss ich dann als Organist aufpassen, dass ich mit der Gemeinde spiele und nicht neben ihr her. Das ist manchmal ganz schön knifflig", sagt Jakob Skudlik.

Sonst aber sei es einfach toll, wenn der Gemeindegesang zusammen mit der Orgel harmoniere. "Das sind dann manchmal diese Gänsehautmomente", sagt Jakob. Einmal im Monat spielt Jakob in den evangelischen Kirchen in Grafing, Glonn oder Assling. Im Dezember 2017 hat er seine erste Kirchenmusikerprüfung erfolgreich bestanden.

Seine Familie kommt immer in den Gottesdienst, wenn Jakob spielt. Dabei seien sie eigentlich keine regelmäßigen Kirchgänger gewesen, schmunzelt Jakob. Auf die Frage, was seine Freunde denn über seine neue Beschäftigung dachten, lächelt er gelassen.

"Das war mir eigentlich immer egal. Ich hab da auch keinen großen Hype drum gemacht. Klar finden das viele altmodisch oder ein bisschen spießig. Aber es ist auf jeden Fall akzeptiert", antwortet er.

Wenn er nicht gerade an der Orgel spielt, ist Jakob auch anderweitig musikalisch unterwegs. Er spielt nach wie vor Klavier, bringt sich gerade selbst Gitarre bei und ist Percussionist im Grafinger Jugendorchester. Nebenbei geht er in die elfte Klasse und bereitet sich auf das Abitur vor.

Das Problem mit dem Nachwuchs

Jakob Skudlik ist einer der wenigen Jugendlichen, die sich der Orgel widmen. Schon seit Jahren geht die Anzahl der Organisten immer mehr zurück. Das lässt sich nicht nur mit der nachlassenden Verbundenheit mit der Kirche erklären, sondern hat verschiedene Gründe.

"So eine Kirchenorgel wächst nicht mit", sagt Organist Thomas Pfeiffer, "ein Kind kommt mit den Füßen nicht zu den Pedalen runter, oder erreicht die oberen Manuale nur ganz schlecht." Bei vielen Kindern fange aber der Musikunterricht schon mit sechs oder sieben Jahren an.

"Bis der Nachwuchs dann so alt ist, um Orgel zu spielen, haben sie meist schon andere Hobbies oder andere Instrumente", sagt Pfeiffer.

Jakob Skudlik spielt seitdem er zwölf Jahre alt ist.
Jakob Skudlik spielt seitdem er zwölf Jahre alt ist. © SMB/Fleischmann

Die Digitalorgel im Keller

Eine Möglichkeit, wieder mehr Menschen für die Orgel zu begeistern, sind Digitalorgeln. Auch Jakob hat so eine im Keller stehen. "Klar die klingt jetzt nicht so gut wie eine normale, aber zum Üben ist's super", sagt er.

Dem kann sein Lehrer Thomas Pfeiffer nur zustimmen. "Ein bisschen mehr Offenheit im Umgang mit neuen Digitalorgeln wäre schon eine schöne Sache."

Doch egal ob digital oder analog: Die Orgelstücke wollen geübt werden und so setzt sich Jakob Skudlik wieder vor seine Manuale. Er wechselt seine Straßenschuhe mit sauberen Schuhen für die Orgelpedale, hält kurz inne, und fängt dann zu spielen an.

Und in kürzester Zeit erfüllt sich der Raum der evangelischen Kirche in Grafing mit majestätischen Klängen. (Lukas Fleischmann)

Der Autor
Lukas Fleischman
Radio-Redaktion
l.fleischmann@st-michaelsbund.de


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