Karfreitag auf der Palliativstation Osterfest hat große Bedeutung für Schwerstkranke

18.04.2014

Der Karfreitag wird nach Meinung des Palliativmediziners Marcus Schlemmer von schwerstkranken Patienten nicht intensiver erlebt, als von anderen Menschen. Er beobachte vielmehr, dass sich die Gedanken der Schwerstkranken in diesen Tagen eher auf Ostern richteten. „Das Fest geht auf die Auferstehung hin, und ich glaube, dass das die Patienten eher bewegt“, sagte Schlemmer dem Münchner Kirchenradio.

Bett einer schwerkranken Frau in einem deutschen Hospiz (Bild: imago/epd)

München – Der Karfreitag ist in Palliativstationen „sicherlich ein Tag der Besinnung, aber vor allem ein Tag an dem die Patienten auf den Ostersonntag hoffen“. Diese Beobachtung hat der Schmerztherapeut Marcus Schlemmer in seiner langjährigen medizinischen Praxis mit Schwerkranken gemacht. „Meine persönliche Erfahrung ist, dass diese Menschen doch alle eine Hoffnung haben, dass ihre Existenz mit dem Tod nicht zu Ende ist“, sagte er dem Münchner Kirchenradio. Der 53-Jährige leitet seit Januar die Palliativstation für sterbende und schwerstkranke Patienten im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in München. Nach eigenen Angaben ist sie mit 32 Betten die größte in Deutschland.

Natürlich sei es die Hauptaufgabe der dortigen Mediziner, körperliche Schmerzen zu lindern, so Schlemmer. „Aber wir tun auch viel gegen die Angst, gegen die Unsicherheit und diesen Schmerz, was wird eigentlich sein, wenn mein Leben hier zu Ende geht.“ So werde auf einer Palliativstation auch ein anderer Kontakt zu den Patienten gepflegt als in anderen Abteilungen. „Wir verstehen Schmerz als eine Kombination aus einem körperlichen Schmerz aufgrund einer schweren Erkrankung, der durchaus eine spirituelle Komponente hat, eine spirituelle Not.“

Dabei sei das gesamte Personal gefordert: „Auch jemand, der sich um die Raumpflege kümmert, kann ein sehr profunder Ansprechpartner für einen schwerkranken oder sterbenden Patienten sein.“ Grundsätzlich könne jeder Mensch, der sich auf die Nöte und Fragen eines anderen einlasse, möglicherweise Antworten geben oder zumindest durch sein Zuhören sehr helfen. (gh/alb)

Ein ausführliches Interview mit Marcus Schlemmer hören Sie heute um 16.09 Uhr und 19.09 Uhr im Münchner Kirchenradio.


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