Ausstellung im Kloster Benediktbeuern Otto I. - der vergessene König von Bayern

13.05.2016

Er war länger König als sein Bruder Ludwig II. – dennoch führte Otto I. niemals die bayerischen Regierungsgeschäfte. Der Monarch war schwer psychisch krank, wie eine Ausstellung im Kloster Benediktbeuern zeigt.

Fotos von Otto I., Ludwig II., und der königlichen Familie, Skizze von Otto I.
Fotos von Otto I., Ludwig II., und der königlichen Familie, Skizze von Otto I. (Bild: Sankt Michaelsbund/Kiendl) © Sankt Michaelsbund/Kiendl

Benediktbeuern – Niemand saß in Bayern länger auf dem Thron als er. König Otto I. herrschte von 1886 bis 1913 – länger als sein Bruder, Märchenkönig Ludwig II., länger als sein Vater, Großvater und Urgroßvater. Allerdings führte Otto zu keinem Zeitpunkt die Regierungsgeschäfte, sondern sein Onkel, „Prinzregent“ Luitpold. Der kleine Bruder von Ludwig II. war psychisch krank, depressiv. Nun wird der Wittelsbacher anläßlich seines 100. Todestages am 11. Oktober zum ersten Mal ein einer Ausstellung gewürdigt. „Bayerns unglücklicher König“ ist bis 12. Juli 2016 in Kloster Benediktbeuern zu sehen.

 

Viele Menschen wissen heute nicht mehr, dass Otto „König von Bayern“ war, viele verwechseln ihn gar mit seinem Onkel, König Otto I. von Griechenland, der von 1815 bis 1867 lebte. Ein vergessener Monarch, der die Hälfte seines Lebens schwer depressiv in Schloss Fürstenried lebte, versteckt von der Öffentlichkeit. Dass er König werden würde, damit hatte sowieso niemand gerechnet. Denn Ottos drei Jahre älterer Bruder Ludwig II. bestieg – entsprechend der Erbfolge – am 10. März 1864 den Thron und Otto rückte damit zum Thronfolger auf. Die klare, naturgemäße Erwartung von Politik und Untertanen: Der attraktive, 18 Jahre junge Monarch würde bald heiraten und Vater werden.

 

Tod des Märchenkönigs

 

Doch Ludwig hielt sich nicht an derlei Konventionen, ver- und entlobte sich und gab sich leidenschaftlich dem Bau mehrerer Schlösser hin sowie seiner Freundschaft zu Komponist Richard Wagner. Als drohte, dass der König durch seinen Kunstgenuss kurz davor war, die Staatsfinanzen zu ruinieren, wurde der „Märchenkönig“ am 10. Juni 1886 von seinen Ministern entmündigt und in Schloß Berg am Starnberger See gebracht. Hier ertrank er, nur drei Tage später, unter bislang nie geklärten Umständen, gemeinsam mit seinem Psychiater Bernhard von Gudden.

 

Thronfolger Otto, damals 38 Jahre alt und schwer psychisch krank, wurde nun doch König von Bayern. Interniert in Schloß Fürstenried. Eine Schweizer Boulevardzeitung beschrieb den Monarchen, der keiner seiner durfte, als „groß, und, wenn auch nicht fett, so doch von kräftiger, beleibter Gestalt“. Ottos Bart reiche bis zu seinem Brustkorb, steht da geschrieben, doch wenn man diesen schneiden wolle, „gebärde sich der Kranke wie ein wütendes Kind“. Erhalten hatte die Boulevardzeitung diese Aussagen übrigens dank Bestechung eines Krankenpflegers des Wittelsbachers.

In der Vitrine u.a.: der Hausmantel, den Otto in Schloss Fürstenried trug; Hausaltärchen Ottos
v.l.n.r.: Prof. Dr. Hans Förstl (Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie der TU München, Klinikum rechts der Isar), Alfons Schweiggert (Kurator der Ausstellung und Autor des Buches), Jaen Louis Schlim (Ludwig II.-Experte und Sammler, div. Leihgaben), Prof. Dr. Jan Murken (Bezirksrat des Bezirks Oberbayern), Dr. Norbert Göttler (Bezirksheimatpfleger von Oberbayern). In der Vitrine u.a.: der Hausmantel, den Otto in Schloss Fürstenried trug; Hausaltärchen Ottos. (Bild: SMB/Kiendl)

Alfons Schweiggert, Autor der Biographie „Bayerns unglücklichster König. Otto I., der Bruder Ludwigs II.“, und Mit-Kurator der Ausstellung in Kloster Benediktbeuern, erzählt, dass sich bei dem Aristokraten schon früh Anzeichen einer geistigen Erkrankung gezeigt hätten. Das habe die Familie Wittelsbach jedoch lange nicht wahrhaben wollen, meint Schweiggert. Denn Otto, so der Münchner Autor, habe bereits als Kind unter nervösem Waschzwang gelitten, außerdem habe der Bub seinen eigenen Kot in einem Gefäß gesammelt. Manchmal habe sich Otto auch in einer Ecke im Schloß auf ein Bein gestellt und habe gebellt wie ein Hund. Und der Militärdienst, führt Schweiggert fort, habe dem sensiblen und auch überängstlichen Wittelsbacher den seelischen Rest gegeben. Der Anblick der Toten, der Verwundeten, der Knall der Kanonen, der Lärm der Geschütze im deutsch-französischen Krieg 1870/71 habe den jungen Aristokraten wohl vollends in den Wahnsinn getrieben, analysiert Schweiggert. König Ludwig II. musste seinen Bruder nach Ende des Krieges einliefern lassen.

Positive Folgen der Krankheit

Die psychische Erkrankung Otto I. ist Schwerpunkt der Ausstellung in Kloster Benediktbeuern. Es wird auch deutlich, dass der Aristokrat letztlich wegen seiner Depressionen vielen Menschen wohl sogar geholfen hat. Denn bei seiner Behandlung wurden weder Kosten noch Mühen gescheut. Die Folge: In Bayern konnte sich die moderne Psychiatrie etablieren - statt „Irrenärzte“, die Kaltwasserschocks und hohe Morphiumdosierungen verordneten, übernahmen Psychologen das Zepter, die auf Gesprächs- und Beschäftigungstherapien setzten.

König Otto I. litt wohl an einer paranoid-halluzinatorischen und schizophrenen Psychose, die „zu einer völligen Persönlichkeitsauflösung“ des Wittelsbachers noch vor seinem 30. Geburtstag geführt habe, erklärt Alfons Schweiggert. Der Monarch, der nie regierte, starb im Alter von 68 Jahren am 11. Oktober 1916 in Schloß Fürstenried. (Susanne Hornberger)

Weitere Informationen zur Ausstellung unter www.kloster-benediktbeuern.de/Veranstaltungen. Die Biographie „Bayerns unglücklichster König. Otto I., der Bruder Ludwigs II.“ von Alfons Schweiggert ist hier erhältlich.


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