Franziskus bei Weltjugendtag Panama erwartet den Papst

19.01.2019

Wirtschaftlich aufstrebend, eine tropische Schönheit, gezeichnet von Korruption und sozialem Gefälle: Franziskus trifft in Panama auf eine gemischte Realität. Die Regierung hofft trotzdem auf einen Imagegewinn.

Papst Franziskus
Papst Franziskus © imago/Pacific Press Agency

Vatikanstadt – Panama - Nadelöhr des Welthandels, Ziel für Migranten, Urlauberparadies in einer ökologisch sensiblen Region: Ende Januar wird der schmale Staat zwischen Süd- und Nordamerika zur internationalen Pilgerstätte. Dann erwartet Panama eine Viertelmillion junger Gäste, die auch eines Mannes wegen kommen: Papst Franziskus. Das Land erhofft sich viel von dem Besuch. Schon jetzt gilt er nach Worten eines Diplomaten als "mit Abstand größtes Ereignis" seit dem Amerika-Gipfel 2015.

Zuerst jedoch bedeutet der Weltjugendtag eine organisatorische Herausforderung für Panama mit seinen rund vier Millionen Einwohnern. In den verbleibenden Tagen haben Behörden und Unternehmen gut zu tun, wenn Infrastrukturprojekte wie der neue Hauptstadtflughafen und die U-Bahn-Anbindung wenigstens teilweise fertig werden sollen. Präsident Juan Carlos Varela möchte den Papstbesuch - den ersten seit 1983 - zu einem Glanzlicht seiner auslaufenden Amtszeit machen.

Gründungsjubiläum

So bekommt das fromm-fröhliche Katholikentreffen mit dem Kirchenoberhaupt staatstragenden Rang. Ein halbes Dutzend ausländischer Staatschefs hat sich angekündigt. Panama will sich weltoffen und als wirtschaftliches Schwergewicht in der Region präsentieren. Vielleicht zufällig eröffnet die Papstvisite auch das Jubiläum der Gründung Panamas vor 500 Jahren.

Auch wenn der 55-jährige Varela bei den Wahlen im Mai nicht mehr antritt, sucht er eine gelungene Kür zum Schluss. Das Image des Landes hat unter Korruption und einer überforderten Justiz, dem Odebrecht-Skandal und den "Panama Papers" gelitten. Einer beachtlichen Wirtschaftsleistung steht eine ebenso beachtliche Ungleichheit der Vermögensverteilung gegenüber. Nach wie vor klafft eine soziale Schere zwischen Stadt und Land. Zuwanderer wecken Job-Ängste bei weniger gut ausgebildeten Panamaern; inzwischen wurden Visabestimmungen verschärft.

Schwund an Gläubigen

Themen genug für den sozialen Papst, wenn er am 23. Januar für fünf Tage in Panama-Stadt eintrifft. Anlass bleibt freilich das geistliche Event, das junge Katholiken in feiernder Glaubensfreude verbinden will und unter einem wenig reißerischen Motto steht: "Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast."

Gottvertrauen und Offenheit für die Zukunft klingen in dem Zitat der jungen Maria aus dem Lukas-Evangelium an; Haltungen, die auch die katholische Kirche in Panama braucht. Sie repräsentiert zwar 86 Prozent der Bevölkerung, spürt aber auch ohne Missbrauchsskandal einen Schwund an Gläubigen durch Säkularisierung und evangelikale Konkurrenz.

Franziskus will sich bei einer Willkommensveranstaltung am 24. Januar erstmals an die Jugend wenden. Den stimmungsvollen Höhepunkt des Weltjugendtags markiert eine abendliche Feier zwei Tage später, wenn sich die Teilnehmer zu eingängiger Musik und geistlichen Impulsen in einem zentralen Park der Stadt versammeln. Dort findet am Sonntagmorgen (27. Januar) auch die Schlussmesse statt.

Soziale Akzente

Daneben nutzt der Papst den Panama-Besuch, um weltlichen und geistlichen Entscheidungsträgern Botschaften mitzugeben. Nach dem Empfang beim Präsidenten spricht Franziskus vor Politikern und Diplomaten, dann vor den Bischöfen Zentralamerikas. Spirituelle und soziale Akzente setzt er mit einer Bußfeier in der Jugendvollzugsanstalt Las Garzas und einem Besuch in einem Zentrum für HIV-Infizierte.

Natürlich fehlen nicht der traditionelle Jugendkreuzweg am Freitagabend, ein Mittagessen mit Jugendlichen und ein Treffen mit Priestern und Ordensleuten in der Kathedrale. Doch gegenüber dem ersten Weltjugendtag von Franziskus 2013 in Rio de Janeiro ist das Programm abgespeckt - vielleicht ein Tribut an das Alter des 82-Jährigen.

Nicht nur heile Welt

Residieren wird Franziskus in der Vatikanbotschaft, einem ruhig gelegenen, laut Medienberichten für acht Millionen Euro vom Staat erbauten großzügigen Komplex mit Gärtchen und Innenhof. In Panama-Stadt sind Erste und Dritte Welt eng benachbart; an der Corniche dominieren Wolkenkratzer und Luxus-Malls, wenige Straßen weiter krasse Armut.

Dass Weltjugendtagsgäste nicht nur eine heile Welt zu sehen bekommen, ist Wunsch der kirchlichen Organisatoren. Die Quartiere liegen außerhalb des schicken Stadtzentrums; Sozialprojekte gehören zum Programm. Dennoch wollen Regierung und Kirche natürlich auch die Schokoladenseite zeigen. Nicht zufällig warb Panamas Erzbischof Jose Domingo Ulloa im vergangenen Frühjahr bei der Tourismusmesse Stuttgart für das Kirchen-Event. Titel der Veranstaltung: "Oh, wie schön ist Panama." (Burkhard Jürgens/kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Weltjugendtag

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