Papstaudienz bei der Ministrantenwallfahrt Papierblumen für Franziskus

01.08.2018

Papst Franziskus empfing am Dienstagabend 60.000 Ministranten aus aller Welt auf dem Petersplatz. Fast jeder Zehnte der Messdiener und Messdienerinnen kommt aus dem Erzbistum München und Freising.

60.000 Ministranten bejubeln Papst Franziskus auf dem Petersplatz.
60.000 Ministranten bejubeln Papst Franziskus auf dem Petersplatz. © KNA

Rom/München – Ein paar Ministranten aus dem Erzbistum München und Freising wissen auf was sie sich an diesem Nachmittag einlassen. Sie halten ihre hellen Strohhüte unter den Wasserstrahl an einem der römischen Straßenbrunnen. Denn sie wollen einen kühlen Kopf bewahren, wenn sie stundenlang an den Kontrollposten zum Petersplatz warten müssen. Mindestens 60.000 junge Leute stehen Schlange für die Papstaudienz bei der internationalen Ministrantenwallfahrt. Fast jeder Zehnte der Messdiener und Messdienerinnen kommt aus dem Erzbistum. An den Absperrungen vor den weltberühmten Kolonnaden drängeln sich die Menschen und schon auf der Via della Conciliazione, der breiten Zufahrtsstraße, müssen die Gruppen Angst haben, sich zu verlieren.

„Gebärdenchor“ aus dem Inntal

Ein paar Münchner Ministranten haben einander die Hand auf die Schulter gelegt und gehen im Gänsemarsch, damit sie sich nicht verlieren. Sophie Pfeiffer aus Kiefersfelden sitzt da schon seit über drei Stunden direkt vor dem Petersdom: „Aber dafür haben wir die ganze Zeit Schatten, die anderen müssen in der Sonne stehen und wir haben eineinhalb Liter Wasser mitnehmen dürfen, die anderen nur einen“, sagt die 13jährige. Sie gehört zum „Gebärdenchor“ aus dem Inntal, der das Mottolied der Wallfahrt „Suche den Frieden“ in Gesten darstellt: „Sonst hätten die Gehörlosen ja gar nix von dem Mottolied.“ Hinter Sophie sitzt Stefan Heumann und übt mit seinen Nachbarn noch einmal einige Gebärden: „Das ist ein ganz besonderes Gefühl, so nah beim Papst zu stehen“, erzählt der 23jährige, dem das Lächeln auch nach der stundenlangen Wartezeit nicht vergangen ist. „Das gibt einem so eine positive Stärkung im Glauben.“ Für ihn ist das etwas, „das man sein Leben lang nicht vergisst und von dem man noch seinen Enkeln erzählt“.

Stefan und Sophie aus dem Dekanat Inntal saßen direkt hinter dem Papst.
Stefan und Sophie aus dem Dekanat Inntal saßen direkt hinter dem Papst. © SMB/Bierl

Münchner Ministranten sind nicht zu übersehen

Als der Papst schließlich gegen 18.00 Uhr nach seiner Fahrt über den Petersplatz aus dem Papamobil steigt und sich unter einem Baldachin niederlässt, jubelt Stefan natürlich besonders laut mit. In den abgesperrten Quadraten sind viele bayerische Flaggen zu erkennen und Fahnen mit dem Hashtag „Mnstrn“ für Ministrieren, die das Erzbistum München und Freising ausgegeben hat. Den Hashtag muss man nicht verstehen, aber die blauen Fahnen flattern wunderbar im leichten Abendwind. Genauso auffällig ist die Flagge mit den schwarz-gelben Stadtfarben Münchens und dem Münchner Kindl in der Mitte. Die Pfarrei Sankt Sebastian in Schwabing hat sie mitgebracht und auf einer besonders langen Stange befestigt. Sie wird kräftig geschwenkt, als der Papst das Wort ergreift und auf Italienisch sagt: „Werdet Friedenssucher. Setzt Euch für diejenigen ein, die keine Stimme haben.“

Wegen der Hitze werden die Ministranten mit Wasser bespritzt.
Wegen der Hitze werden die Ministranten mit Wasser bespritzt. © KNA

Ganz nah am Papst

Als Franziskus sich verabschiedet, brandet noch einmal Jubel auf, besonders als auf der großen Leinwand übertragen wird, wie ihm Markus Lentner aus dem Münchner Vorbereitungsteam eine große Kette mit dutzenden Papierblumen um den Hals hängt und der Papst herzlich lacht. Auf den Blättern haben die mitgereisten Kinder und Jugendlichen aus dem Erzbistum geschrieben, was sie dem Kirchenoberhaupt wünschen. Und die Begeisterung flammt noch lauter auf, als Franziskus einen jungen Mann mit Down-Syndrom an der Absperrung lange umarmt. Die Gruppe aus Poing konnte das aus etwa 20 Metern beobachten, weil sie bevorzugte Plätze in der Nähe des Papstes zugelost bekommen hatte. „Der ist schon ziemlich nett“, sagt eine Ministrantin. „Nah bei den Leuten“, so hat ihn ein anderes Mädchen gesehen und einer der Jungen aus der Gruppe würdigt den Papst als „sehr bescheiden“. Dann wollen sie unbedingt endlich eine Pizza essen, denn der Tag war lang, auch wenn er den Ministranten unvergesslich bleiben wird.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Miniwallfahrt 2018

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