Franziskus in Myanmar Papst auf heikler Mission

27.11.2017

Franziskus besucht als erstes katholisches Kirchenoberhaupt Myanmar. Die Reise des Papstes gilt vor dem Hintergrund des Konflikts um die vertriebenen Rohingya als politisch heikel.

Ein Nonne erwartet die Ankunft von Papst Franziskus in Rangun, Myanmar.
Ein Nonne erwartet die Ankunft von Papst Franziskus in Rangun, Myanmar. © imago/ZUMA Press

Rangun – Papst Franziskus ist am Montag zu einem viertägigen Besuch im buddhistisch geprägten Myanmar eingetroffen. Außerplanmäßig empfing er bereits am Montagabend Ortszeit den Oberbefehlshaber der Armee, General Min Aung Hlaing. Das 15-minütige Gespräch am Sitz des Erzbischofs von Rangun, Kardinal Charles Maung Bo, war laut Vatikansprecher Greg Burke als Höflichkeitsbesuch deklariert. Man habe vor allem "über die große Verantwortung gesprochen, die die Autoritäten des Landes in dieser Zeit des Übergangs haben". Das Treffen war erst vor einer Woche ins Reiseprogramm aufgenommen worden und ursprünglich für Donnerstag geplant.

Min Aung Hlaing ist seit 2011 Oberbefehlshaber in Myanmar. Das Militär hat nach jahrzehntelangem Militärregime noch immer große Macht. Die Armee ist auch für Militäraktionen und Vertreibungen der muslimischen Minderheit der Rohingya in der Region Rakhine verantwortlich. Die Reise des Papstes gilt vor dem Hintergrund des Konflikts um die Rohingya als politisch heikel. Es ist das erste Mal, dass ein katholisches Kirchenoberhaupt Myanmar besucht.

Erste Rede am Dienstag

Das Treffen mit dem Armeechef fand noch vor den Begegnungen des Papstes mit dem Staatspräsidenten sowie der Staatsberaterin und Außenministerin Aung San Suu Kyi statt; diese Termine sind für Dienstag in der Hauptstadt Naypyidaw vorgesehen. Danach wird Franziskus bei der Begegnung mit Vertretern von Zivilgesellschaft, Politik und Diplomatischem Corps seine erste Rede halten. Es wird erwartet, dass er dabei auch auf die politische Lage eingeht.

Am Flughafen war Franziskus am Montagmorgen Ortszeit vom Vatikanbotschafter in Myanmar und von einer kleinen Empfangskommission mit Bischöfen und einem Regierungsvertreter begrüßt worden. Tausende Katholiken säumten die Straßen von Rangun. Birmaner, Kachin, Kayin und Tamilen schwenkten die Flaggen von Myanmar und des Vatikan.

Kardinal Bo sagte im Vorfeld, die Kirche in Myanmar erwarte eine "Botschaft der Versöhnung" und Rückhalt für die noch junge Demokratie. Der Papst werde Politiker und Bürger "anspornen, dem Frieden eine Chance zu geben". Dies werde von "enormer Hilfe" für die katholische Minderheit sein bei ihrem Bemühen um Gerechtigkeit und den Aufbau einer inklusiven und freien Nation.

Spannungen wegen Rohingya

Weiter verlangte Bo eine dauerhafte Lösung für die staatenlosen Rohingya. Aung San Suu Kyi warf er ein zu langes Schweigen zur Krise vor. Auf der anderen Seite hatte Bo selbst dem Papst geraten, nicht den Begriff "Rohingya" zu verwenden, weil dies Spannungen verstärken könne. Der Besuch des Papstes in einem Flüchtlingslager oder ein eigenes Treffen mit Rohingya ist nicht vorgesehen. Vertreter der Minderheit sollen aber an einer interreligiösen Begegnung am Freitag in Dhaka/Bangladesch teilnehmen.

Einheimische wie auch viele Menschen im Ausland erwarten von Franziskus klare Stellungnahmen zur gewaltsamen Vertreibung der Rohingya, zum Krieg der Armee gegen die ethnischen Milizen der Kachin, der Shan und der Wa sowie zu Hasspredigten nationalistischer buddhistischer Mönche gegen Muslime.

Von Rangun aus fliegt Franziskus am Donnerstag zu einem dreitägigen Besuch nach Bangladesch weiter. Die Visite in dem muslimisch geprägten Land steht unter dem Motto "Harmonie und Frieden". Auch in Bangladesch dürften die Rohingya ein Thema sein. Mehr als 630.000 von ihnen sind in den vergangenen drei Monaten aus Rakhine über die Grenze nach Bangladesch. (KNA)


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