Bischofstreffen zum Kinderschutz Papst eröffnet Anti-Missbrauchsgipfel

21.02.2019

Papst Franziskus hat das weltweite Bischofstreffen im Vatikan zum Kinderschutz eröffnet. Er rief die katholische Kirche zu konkretem Handeln im Kampf gegen das Übel des sexuellen Missbrauchs auf.

Blick in die Synodenaula während der Eröffnung des Anti-Missbrauchsgipfels am Donnerstag, 21. Februar, im Vatikan.
Blick in die Synodenaula während der Eröffnung des Anti-Missbrauchsgipfels am Donnerstag, 21. Februar, im Vatikan. © Cristian Gennari/Romano Siciliani/kna

Bonn/Vatikanstadt – Die Welt erwarte "nicht nur einfache Verurteilungen, sondern konkrete und wirksame Maßnahmen. Wir müssen konkret werden!", sagte Papst Franziskus zum Auftakt des Anti-Missbrauchsgipfels am Donnerstag, 21. Februar, im Vatikan. Auch deutsche Bischöfe und Kirchenexperten äußerten zum Start des viertägigen Gipfels ihre Erwartungen.

Einen Anstoß für die weltweite Überwindung des sexuellen Missbrauchs erhofft sich Kardinal Reinhard Marx. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz räumte ein, dass in manchen Ländern die Tragweite des Problems noch nicht ausreichend erkannt werde. Der Erzbischof von München und Freising sagte in Rom, er hoffe, dass von dem Treffen auch ein Impuls über die Kirche hinaus in die gesamte Gesellschaft ausgehen werde.

21 Denkanstöße

Zum Start des Treffens veröffentlichte der Vatikan 21 Punkte, über die die Teilnehmer diskutieren sollen. Unter den vorgestellten Denkanstößen sind etwa die Einrichtung einer auch von der örtlichen Kirche unabhängigen Anlaufstelle für Missbrauchsopfer, eine Beteiligung von Laien an der Untersuchung von Missbrauchsvorwürfen und Kirchenrechtsprozessen zu sexuellem und Macht-Missbrauch sowie gemeinsame Vorgehensweisen bei der Prüfung von Missbrauchsvorwürfen, beim Kinderschutz und beim Verteidigungsrecht Angeklagter.

Der Moderator des viertägigen katholischen Anti-Missbrauchstreffens, Pater Federico Lombardi, sagte bei einer Pressekonferenz, die Punkte sollten den Teilnehmern helfen, konkret zu werden. Dies hatte Papst Franziskus am Morgen zu Beginn des Treffens gefordert. Im Anschluss waren als Input die von Bischofskonferenzen und Kommissionen vorbereiteten Denkanstöße verteilt worden.

Anzeige soll sofort erfolgen

In dem vom Vatikan veröffentlichten Papier heißt es, Kinderschutzrichtlinien in allen kirchlichen Strukturen sollten "auf den Prinzipien von Gerechtigkeit und Nächstenliebe basieren" und regelmäßig überarbeitet werden. Angeregt wird auch die Erarbeitung eines "Vademecum" zum Vorgehen bei Missbrauchsfällen sowie umgehende Anzeige bei kirchlichen wie zivilen Autoritäten gemäß der jeweils geltenden Normen.

Weitere Punkte betreffen Bildungsmaßnahmen zum Erkennen und Bekämpfen von Missbrauch, zur sorgfältigen Personalauswahl in sämtlichen Bereichen der Kirche sowie den Umgang mit Opfern, Angeklagten und Schuldigen.

Papst Franziskus (Archivbild)
Papst Franziskus (Archivbild) © imago/Ulmer

Reaktionen aus Deutschland

Für den Essener Bischof Franz-Josef Overbeck geht es beim Anti-Missbrauchgipfel darum, das Problembewusstsein in allen Bischofskonferenzen und allen Ländern der Erde zu schärfen. "Wir sind in Deutschland schon sehr weit", sagte er im ARD-Morgenmagazin. Nun sollten weltweit bindende Ziele benannt werden.

Der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki äußerte seine Hoffnung auf einen Beschluss der Bischöfe, wonach alle überführten Täter aus dem Priesteramt entlassen werden. Papst Franziskus sei schon mit gutem Beispiel vorangegangen, indem er den früheren Washingtoner Erzbischof Theodore McCarrick aus dem Priesterstand entlassen habe, sagte Woelki bei n-tv.

Keine großen "Reformschritte"

Vor zu großen Erwartungen warnte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. "Ich befürchte, dass wir große Reformschritte nicht von einer solchen Tagung erwarten können", sagte er der Funke-Mediengruppe. Er erwarte, dass die Reformwilligen in der Kirche nicht ausgegrenzt würden und erhoffe ein Stärkung der nationalen Bischofskonferenzen, "damit ein einheitliches Vorgehen bei Missbrauchsskandalen möglich wird".

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, sieht die Kirchen in einer "schmerzhaften Vertrauenskrise". "Ganz gleich ob evangelisch oder katholisch oder orthodox oder freikirchlich", sagte der bayerische Landesbischof ebenfalls der Funke-Mediengruppe. Vor diesem Hintergrund begrüße er, das Treffen.

"Härteste Probe" für den Papst

Die Missbrauchsaufarbeitung ist nach Einschätzung der Initiative "Wir sind Kirche" die härteste Probe für Franziskus. Das Kirchenoberhaupt sei "jetzt mühsam dabei, die Fehler seiner Vorgänger aufzuarbeiten", sagte Sprecher Christian Weisner dem SWR.

Der Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, regte einen "unabhängige Instanz" in der katholischen Kirche an, die Bischöfe und Priester oder Personalreferenten kontrollieren soll. Er sprach sich zudem für eine Wahrheitskommission aus, wie sie der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer angeregt habe. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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