Delegierte aus München in Rom Papst eröffnet Jugendtreffen zur Bischofssynode

19.03.2018

Das einwöchige Vorbereitungstreffen zur Jugendsynode hat begonnen. 300 Delegierte aus der ganzen Welt nehmen daran teil. Darunter auch zwei Jugendliche aus dem Erzbistum München und Freising.

Papst Franziskus bei der Eröffnung der Vorsynode.
Papst Franziskus bei der Eröffnung der Vorsynode. © imago

Vatikanstadt – In Rom hat ein einwöchiges Vorbereitungstreffen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen für die im Herbst tagende Bischofssynode begonnen. Ziel ist die Erarbeitung eines Dokuments, das auch Gegenstand der Beratungen der Bischöfe im Oktober sein soll. Papst Franziskus beklagte bei der Eröffnung am Montag, junge Menschen würden zu oft von gesellschaftlicher Beteiligung ausgeschlossen und alleingelassen. Die Kirche wolle alle Jugendlichen hören, niemanden ausgeschlossen.

An der sogenannten Vorsynode nehmen mehr als 300 Delegierte aus zahlreichen Ländern teil, auch Angehörige anderer Religionen und Nichtglaubende. Mit dabei sind auch Maximilian Gigl (29) und Robert Daiser (26) aus München. Für Gigl kam die Ernennung sehr überraschend. Er ist Leiter der Gruppe „Pietre vive“ in der Jesuitenkirche Sankt Michael: „Ich habe mich gefreut, sehe das aber auch als Pflicht an, sich vernünftig vorzubereiten und mitzuarbeiten.“ Persönlich kenne er die Kirche nur in der Krise, sagt er: “Es gibt immer Skandale“. Außerdem erlebe er die Kirche nur „im Schrumpfen“. Dabei gehe es ihm nicht darum, alles schlecht zu reden. Events wie beispielsweise die Weltjugendtage nimmt der 29-Jährige als Aufbrüche war.

Guter Geist bei Gesprächen

In den Gesprächen der Vorsynode würde er gerne die Perspektive aus Deutschland einbringen. So sei hier der Glaube für junge Menschen nicht mehr selbstverständlich. Als junger Mensch sitze man oft alleine im Gottesdienst, beschreibt er seinen Eindruck. Er wünscht sich, dass das von der Vorsynode wahrgenommen werde. Bei Robert Daiser überwiegt die Neugier, wie der Dialog zwischen den verschiedenen Strömungen funktionieren wird. Der Seminarist hofft, dass – trotz verschiedener Positionen - ein guter Geist bei den Gesprächen weht. Zu der eigentlichen Synode, die im Oktober im Vatikan stattfindet, werden ausgewählte Jugendliche als Hörer eingeladen, haben aber kein Stimmrecht. Das Thema des Bischofstreffens im Herbst lautet "Die Jugend, der Glaube und die Berufungsunterscheidung".

Am 20. März hören Sie um 12.10 Uhr im Münchner Kirchenradio einen ausführlichen Beitrag über die Vorsynoden-Teinehmer Maximilian Gigl und Robert Daiser.

Franziskus sagte, der Beitrag Jugendlicher in der Kirche sei unverzichtbar. Dabei wandte er sich ausdrücklich auch an Repräsentanten anderer Kulturen, nichtchristlicher Religionen und Nichtglaubende. In vielen Momenten der Geschichte habe Gott durch junge Menschen gesprochen. Er sei zuversichtlich, dass dies auch heute der Fall sei. "Ich versichere euch, dass euer Beitrag ernst genommen wird", sagte der Papst.

Zu oft werde über Jugendliche gesprochen, ohne sie selbst zu fragen, sagte der Papst. Zwar werde Jugendlichkeit vergöttert, aber viele junge Menschen würden von einer aktiven Rolle im öffentlichen Leben ausgeschlossen. Dabei verwies er auch auf mangelnde Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt.

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So erfuhr Robert Daiser von seiner Teilnahme an der Vorsynode

Maximilian Gigl und Robert Daiser bei der Vorsynode in Rom.
Maximilian Gigl und Robert Daiser bei der Vorsynode in Rom. © SMB

Neue Wege wagen – Risiken eingehen

Die Synode im Herbst solle Voraussetzungen entwickeln, Jugendliche auf ihrer je eigenen Suche nach einem "Leben in Fülle" zu begleiten, sagte der Papst. Auch ohne es zu wissen, suchten sie Jesus und seine Heilszusage. Die Kirche müsse neue Formen der Nähe zu jungen Menschen lernen, betonte Franziskus. Es gelte neue Wege zu wagen und Risiken einzugehen. Jugendliche forderten die Kirche heraus, aus der "Logik des 'Es war schon immer so'" auszubrechen.

Synode der Jugendlichen

Der Generalsekretär der Bischofssynode, Kardinal Lorenzo Baldisseri, sagte, das Bischofstreffen solle nicht nur eine Synode über Jugendliche, sondern eine Synode der Jugendlichen selbst sein. Die Delegierten des aktuellen Treffens wurden laut Baldisseri teils von den Bischofskonferenzen weltweit ausgewählt, teils von Priesterseminaren und Ordenshäusern entsandt. Ferner nehmen Vertreter von katholischen Bewegungen und Gemeinschaften sowie katholischen Schulen und Universitäten teil. Eingeladen wurden auch junge Repräsentanten aus Bereichen wie Kunst, Wissenschaft, Politik, Wirtschaft und Militär, Sport und Ehrenamt. Darüber hinaus sei eine Beteiligung über soziale Medien möglich, so Baldisseri.

Schlussdokument wird am Palmsonntag übergeben

Am Montagvormittag war nach Berichten von fünf Teilnehmern ein einstündiges Gespräch mit Franziskus vorgesehen. Am Nachmittag sollten die Delegierten in Gruppenarbeit gehen. Bis Samstag wollen sie ein Schlussdokument erarbeiten. Es soll bei der Palmsonntagsmesse auf dem Petersplatz dem Papst übergeben werden. Die Vorsynode findet in einem Bildungszentrum der "Legionäre Christi" am Stadtrand von Rom statt. (kna/lsoe/ksc/kas)

Maximilian Gigl übernimmt in der Woche der Vorsynode den instagram-Account von mk online. Er postet täglich aus Rom und berichtet von seinen Erlebnissen.

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Jugend-Synode

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