Fastenbotschaft Papst Franziskus: Lassen wir den Egoismus hinter uns

26.02.2019

Der Vatikan hat die Fastenbotschaft des Papstes veröffentlicht. Darin ruft Franziskus zu Bescheidenheit und Mitmenschlichkeit auf.

Papst Franziskus
Papst Franziskus © imago/Ulmer

Vatikanstadt – Papst Franziskus ruft die Katholiken vor Beginn der Fastenzeit zu Bescheidenheit und Mitmenschlichkeit auf. "Lassen wir diese günstige Zeit nicht nutzlos verstreichen!", heißt es in der am Dienstag im Vatikan veröffentlichten Fastenbotschaft des Papstes. Und weiter: "Lassen wir den Egoismus, den auf uns selbst fixierten Blick hinter uns und wenden wir uns dem Ostern Jesu zu; unsere Brüder und Schwestern in Not sollen unsere Nächsten sein, mit denen wir unsere geistlichen und materiellen Güter teilen."

Die Fastenzeit lade zu Umkehr, Reue und Vergebung ein. Sie rufe die Christen auf, das Ostergeschehen "in ihrem persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Leben stärker und konkreter Gestalt werden zu lassen, insbesondere durch das Fasten, Beten und Almosengeben". Christen sollen sich nach den Worten des Papstes von der "Knechtschaft der Vergänglichkeit" befreien und den Bruch der Gemeinschaft mit Gott überwinden.

Nach dem Osterfest ausrichten

"Es handelt sich dabei um jene Sünde, die den Menschen dazu führt, sich für den Gott der Schöpfung zu halten, sich als ihr absoluter Herrscher zu fühlen und sie nicht zu dem von Gott bestimmten Zweck zu nutzen, sondern nur im eigenen Interesse und auf Kosten der Geschöpfe und der Mitmenschen", so Franziskus. Die Sünde zeige sich auch im Verlangen nach unmäßigem Wohlstand und der Gleichgültigkeit gegenüber dem Wohl der anderen.

Dies führe zur Ausbeutung der Schöpfung, der Menschen und der Umwelt "in einer unersättlichen Gier, für die jeder Wunsch zu einem Recht wird und die früher oder später auch den zerstören wird, der von ihr beherrscht wird", schreibt der Papst. Dagegen sollten Christen die "Geburtswehen" der Umkehr entschlossen auf sich nehmen. "Wenn wir uns nicht ständig nach dem Osterfest ausrichten und die Auferstehung als Ziel vor Augen halten", so Franziskus, dann ist klar, dass sich am Ende die Logik des Alles-und-sofort und des Immer-mehr-haben-Wollens durchsetzt".

Fastenzeit

Die 40-tägige christliche Fastenzeit beginnt Aschermittwoch und endet Ostern. Seit dem 5. Jahrhundert rückte während der Vorbereitung auf Ostern das Fasten in den Mittelpunkt. Da an Sonntagen nicht gefastet werden sollte und sie deshalb nicht als Fastentage gezählt werden, wurde der Beginn der Fastenzeit offenbar im sechsten oder siebten Jahrhundert vom sechsten Sonntag vor Ostern auf den vorhergehenden Mittwoch, den Aschermittwoch, vorverlegt. Die Dauer der Fastenzeit leitet sich vom biblischen Bericht über eine 40-tägige Gebets- und Fastzeit her, die Jesus nach seiner Taufe im Jordan auf sich nahm. Die vorösterliche Fastenzeit zielt aber nicht nur auf den Verzicht auf Genussmittel, sondern auch auf eine Unterbrechung von Gewohnheiten. In Deutschland dürfen Katholiken das Abstinenzgebot außer an Aschermittwoch und Karfreitag in einen anderen Verzicht oder ein Werk der Nächstenliebe oder der Frömmigkeit umwandeln. Die deutschen Bischöfe sehen den Sinn der Fastenzeit darin, sich selbst und seinen Lebensstil "so zu ändern, dass durch Besinnung und Gebet, heilsamen Verzicht und neue Sorge füreinander Christus wieder mehr Raum" im Leben gewinnen kann.


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