WM in Russland Papst Franziskus und der Fußball

14.06.2018

Klar: Papst Franziskus hat seinen Heimatverein. Aber die Neutralität des Amtes gebietet, auch Bälle, Torten und Mitgliedschaften anderer anzunehmen.

Bundestrainer Joachim Löw mit Papst Franziskus (2016)
Bundestrainer Joachim Löw mit Papst Franziskus (2016) © imago

Vatikanstadt – Auch Päpste kennen die große Liebe. Für Papst Franziskus (81) ist es Atletico San Lorenzo de Almagro aus Buenos Aires. Der Argentinier Jorge Mario Bergoglio, Jahrgang 1936, ist schon seit sieben Jahrzehnten Anhänger des Stadtclubs San Lorenzo, der 1908 von einem Salesianerpater gegründet wurde. Seit dem 100. Vereinsjubiläum 2008 ist der heutige Papst auch Ehrenmitglied. Grundstein seiner unverbrüchlichen Liebe war das Meisterjahr 1946 - und ein Stadionbesuch mit seiner Familie. Bis heute zahlt "Mitglied 88.235" per Einzugsermächtigung seine Beiträge, wie die Club-Führung versichert. Noch als Kardinal von Buenos Aires hat Bergoglio die Kapelle des neuen "Gasometer-Stadions" in "seinem" Stadtteil Flores geweiht.

Leidenschaft für Literatur und Fußball

Für den Papst aus Argentinien ist die Frage, wie das Runde ins Eckige gelangen kann, keineswegs ein bloßes ontologisches Problem. Franziskus hat das Straßenkicken noch vor der Theologie gelernt: an der Membrillar Nummer 531, neben seinem Geburtshaus im Herzen von Buenos Aires. Der Straßenzug im Stadtteil Flores ist heute die erste Station der sogenannten päpstlichen Stadtführung.

Der Musiker Mario Valdez, der 1948 gemeinsam mit Jorge Bergoglio die fünfte Klasse besuchte, erzählt: "Rechts, an der Ecke, wo heute ein kleiner Spielplatz ist, da hat der Papst als kleiner Junge jeden Nachmittag gekickt. Literatur und Fußball, das waren seine Leidenschaften - in dieser Reihenfolge." Dabei behauptet ein weiterer Schulfreund, Nestor Carabajo, der kleine Jorge sei nie ein begnadeter Techniker gewesen, aber dafür schon damals ein Taktiker vor dem Herrn. Oft habe er die Mannschaften aufgestellt und die Marschrichtung vorgegeben.

"Finale der Päpste"

Franziskus' Liebe zur argentinischen Nationalmannschaft ist natürlich noch da - auch wenn er und der emeritierte Benedikt XVI. 2014 das historisch wohl einmalige WM-"Finale der Päpste" zwischen Deutschland und Argentinien ausließen. Die Geschichte gab Franziskus freilich damals Recht - ersparte er sich doch so die Niederlage seines Heimatlandes durch ein Götze(n)-Tor.

Doch nun wollte er noch vor der WM in Russland das argentinische Nationalteam im Vatikan empfangen. "Sie werden sich mit mir treffen. Sie kommen hierher", sagte er. Daraus wurde dann aber im letzten Moment doch nichts - nach einigem Hin und Her sagte offenbar der argentinische Fußballverband ab. Ob das Team dadurch einen enttäuschten Fan verloren hat?

Begegnung mit Fußballern

Vor der EM in Frankreich 2016 ließ Franziskus durchblicken, er drücke Italien, dem Land seiner Vorfahren, die Daumen. Dem Seelsorger der "Squadra Azzurra" gab er auf dem Petersplatz seinen Segen - und setzte dann (vergeblich) nach: "Dass Sie jetzt aber nicht als Verlierer heimkommen!" Europameister wurde Portugal.

Immer wieder gibt es auf dem Petersplatz Begegnungen auch mit anderen Fußballern. So wurde Franziskus vor wenigen Wochen zum lebenslangen Mitglied bei Rapid Wien gemacht. Dazu gab es von Kapitän Stefan Schwab ein grünweißes Trikot mit der Spielmacher-Nummer 10 und dem Aufdruck "Papa Francesco". Und eine Sachertorte. Der Papst versicherte auf Deutsch, er werde für das Team beten.

Sport hat große Geschichten zu erzählen

Und im vergangenen August wurde Borussia Mönchengladbach in Privataudienz empfangen. Bei dem Treffen lobte der Papst die Fohlenelf vom Niederrhein als "Mannschaft nach Menschenmaß". So hätten bei Verein und Fans die Familien einen besonderen Stellenwert. Weiter lobte Franziskus die Initiativen des Klubs zur Jugendförderung vor allem benachteiligter Jugendlicher. Im November 2016 hat Papst Franziskus auch die deutsche Fußballnationalmannschaft im Vatikan empfangen.

Selten bleiben solche Besuche ohne "berufsspezifische Äußerungen" des Papstes. Im Oktober empfing er Teilnehmer eines Fußballturniers für Menschen mit und ohne geistige Behinderung. Der Sport habe "immer große Geschichten zu erzählen" über Leute, die durch ihn eine Marginalisierung hinter sich gelassen hätten, sagte er damals. Solche Geschichten zeigten, wie die Entschlossenheit einzelner unzählige andere ermutigen könne.

Seine Sympathiewerte machen den Argentinier Franziskus zum international besten Botschafter seines Heimatlandes im Ausland. Eine Umfrage kürte ihn im Herbst mit 39 Prozent weit vor den x-fachen Weltfußballern Lionel Messi (19 Prozent) und Diego Armando Maradona. (kna)


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