Besuch in Sri Lanka Papst mahnt zu Versöhnung und Religionsfreiheit

14.01.2015

Papst Franziskus hat an seinem zweiten Besuchstag in Sri Lanka die ehemals verfeindeten Volksgruppen der Tamilen und Singhalesen zur Aussöhnung aufgerufen. Nach Jahren des Hasses gelte es, "die offenen Wunden zu heilen und den gebrochenen Herzen Frieden zurückzugeben", sagte er am Mittwoch in Madhu.

Papst Franziskus (Bild: Imago)

Colombo - Als erstes Katholikenoberhaupt hat Papst Franziskus den Norden Sri Lankas besucht, der noch immer von den Folgen des Bürgerkriegs (1983-2009) gezeichnet ist. Zuvor hatte Franziskus in der srilankischen Hauptstadt Colombo den "Apostel Ceylons" Joseph Vaz (1651-1711) zum ersten Heiligen der katholischen Kirche in Sri Lanka erhoben. Die Feier auf der zehn Hektar großen Strandpromenade Galle Face Green war die besucherstärkste Veranstaltung des Papstbesuchs. Am Donnerstag setzt Franziskus seine Reise mit einer fünftägigen Visite auf den Philippinen fort.

Im Marienheiligtum von Madhu appellierte der Papst an Tamilen und Singhalesen, die "verlorene Einheit wiederherzustellen" und eine Zukunft in Gerechtigkeit und Frieden aufzubauen. An dem Gebet in der Wallfahrtsstätte nahmen auch Opfer des jahrzehntelangen Konflikts und Hinterbliebene teil. Die Tamilen sind mehrheitlich Hindus, der Großteil der Singhalesen bekennt sich zum Buddhismus; daneben gibt es teils namhafte christliche und muslimische Minderheiten.

Versöhnung nötig

Franziskus erinnerte an die Nutzung der Wallfahrtsstätte Madhu als Flüchtlingslager seit 1990. Niemand könne "die tragischen Ereignisse vergessen, die mit genau diesem Ort verbunden sind". Nötig sei jetzt eine "tiefere Versöhnung". Nur wer einsehe, "zu welchem Übel wir fähig sind und an welchem wir sogar teilgenommen haben", könne Reue und Buße erfahren.

Die Heiligsprechungsfeier am Morgen hatte Franziskus zu einem Ruf nach Religionsfreiheit genutzt. Jeder Mensch müsse "ohne Einschüchterung und äußeren Zwang" seine religiösen Überzeugungen kundtun dürfen, sagte Franziskus bei der Messe in Colombo. Religionsfreiheit sei ein "fundamentales Menschenrecht".

Langer Applaus

Die katholische Kirche diene mit Schulen, Krankenhäusern und anderen gemeinnützigen Einrichtungen "gerne und großherzig" der Gesellschaft; dabei mache sie keine Unterschiede zwischen Rassen, Ethnien oder Religionen, betonte Franziskus. Die Kirche verlange lediglich die "Freiheit, ihre Mission zu erfüllen".

Die Gläubigen antworteten auf die Proklamation des neuen Heiligen Joseph Vaz mit langem Applaus und Fanfaren auf traditionellen Hörnern. Viele hatten seit dem Vorabend auf dem Gelände ausgeharrt. Am gleichen Ort hielt Johannes Paul II. (1978-2005) vor genau 20 Jahren bereits die Seligsprechungsfeier für Vaz. Die Regierung erklärte den Mittwoch zum landesweiten Feiertag.

Der aus der indischen Region Goa stammende Vaz ging 1686 in das damals von calvinistischen Niederländern verwaltete Ceylon, um heimlich als katholischer Priester zu arbeiten. Mit einem Mitbruder des Oratorianerordens übersetzte er Teile der Bibel ins Singhalesische. (kna)


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