Synodaler Weg Pater Hagenkord kritisiert die Aussage von Kardinal Müller

05.02.2020

Jesuit Bernd Hagenkord, Geistlicher Begleiter des Synodalen Weges, verurteilt die Aussage von Kardinal Gerhard Ludwig Müller. Dieser verglich den Reformdialog mit dem Ermächtigungsgesetz. Kritik sei aber durchaus wichtig.

Bernd Hagenkord und Maria Boxberg, beide Theologen und Geistliche Begleiter des Synodalen Weges.
Bernd Hagenkord, Theologe und Geistlicher Begleiter des Synodalen Weges, kritisiert den Vergleich zum Ermächtigungsgesetz. © Harald Oppitz/KNA

München – Der Jesuit Bernd Hagenkord wertet den Vergleich des Reformdialogs Synodaler Weg mit dem Ermächtigungsgesetz von 1933 durch Kardinal Gerhard Ludwig Müller als "vergiftend" und "zerstörerisch". Wer so etwas tue, "hat entweder keine Ahnung von Geschichte oder handelt mutwillig jegliche Debatte vergiftend", schreibt Hagenkord in seinem Blog (Dienstag).

Geschichtsvergessen und menschenverachtend

Bei Nazi-Vergleichen von Christen gegen Christen höre es auf, so der Jesuit, der zu den Geistlichen Begleitern des kirchlichen Reformprozesses in Deutschland gehört. "Das ist nicht konservativ, bewahrend. Das ist zerstörerisch, und das ist das genaue Gegenteil von bewahren." Müllers Aussagen seien geschichtsvergessen und menschenverachtend. "Das ist nicht Kirche", so der langjährige Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatikan. Hagenkord arbeitet mittlerweile in München für die Jesuiten.

Müller hatte die Entscheidungsfindung beim Synodalen Weg mit dem Ermächtigungsgesetz des Deutschen Reichstags 1933 verglichen. "In einem suizidartigen Prozess hat die Mehrheit entschieden, dass ihre Entscheidungen gültig sind, auch wenn sie der katholischen Lehre widersprechen", sagte der frühere Präfekt der Glaubenskongregation dem kanadischen Portal LifeSiteNews.

Müller ergänzte wörtlich: "So war es, als die Weimarer Verfassung durch das Ermächtigungsgesetz aufgehoben wurde. Eine selbsternannte Versammlung, die weder von Gott noch von dem Volk autorisiert ist, das sie vertreten soll, hebt die Verfassung der Kirche göttlichen Rechts auf, die auf dem Wort Gottes in Schrift und Überlieferung beruht."

Grenze überschritten

Unter dem Begriff "Ermächtigungsgesetz" wird in diesem Zusammenhang das "Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich" vom 24. März 1933 verstanden. Damit hatte der gewählte Reichstag der Regierung Adolf Hitlers eine pauschale Befugnis erteilt, ohne Zustimmung von Reichstag und Reichsrat sowie ohne Gegenzeichnung des Reichspräsidenten Gesetze zu erlassen. Letztlich wurde damit einer Zerstörung des Weimarer Verfassungsgefüges der Weg geebnet.

Der Jesuit Hagenkord sagte zugleich, der Synodale Weg brauche Kritik. Auch wenn die Beiträge des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki und des Passauer Bischofs Stefan Oster "nicht allen passen", seien es doch "wichtige Stimmen, die dazugehören". Kardinal Müller habe aber eine Grenze überschritten. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Synodaler Weg

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