Orthodoxe Kirche eröffnet Konzil trotz Absagen Patriarch mahnt zur Einheit

19.06.2016

Trotz Fernbleibens von vier orthodoxen Kirchen hat der Patriarch von Konstantinopel als Ehrenoberhaupt das lange vorbereitete Konzil der Orthodoxie eröffnet. Die Versammlung auf Kreta repräsentiere "die ganze Orthodxie".

Orthodoxer Gottesdienst in der Sankt Menas Kathedrale in Heraklion am 19. Juni 2016, während des Panorthodoxen Konzils auf Kreta (Bild: KNA) © KNA

Heraklion – Begleitet von neun Vorstehern eigenständiger orthodoxer Kirchen leitete das Ehrenoberhaupt der Weltorthodoxie, der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel, den Pfingstgottesdienst in der Kathedrale Hagias Minas von Kretas Hauptstadt Heraklion. Laut ursprünglichem Programm hätten es eigentlich 13 Kirchenführer sein sollen, aber vier von ihnen hatten kurzfristig ihre Teilnahme am "Heiligen und Großen Konzil" der Orthodoxie abgesagt. Dabei sollte es unter dem programmatischen Motto "Er rief sie alle zur Einheit" gerade das Gegenteil von Zerstrittenheit sichtbar machen.

Bartholomaios ging in seiner im biblischen Koine-Griechisch gehaltenen Predigt nur indirekt auf die fehlenden Glaubensbrüder ein. Die Versammlung auf Kreta repräsentiere die ganze Orthodoxie, stellte er klar. Er verwies auf zahlreiche "Irrtümer" unter den Gläubigen, angesichts derer die kirchliche Einheit heute umso stärker vonnöten sei. Dabei genüge es nicht, die Einheit auf einer theoretischen Ebene zu behaupten, sondern es bedürfe auch einer Antwort auf der praktischen Ebene, die derzeit bedauerlicherweise fehle.

Die Kirchen, die kurzfristig eine Verschiebung des Konzils gefordert hatten, begründeten dies mit Kritik an der Verfahrensordnung und inhaltlichen Einwänden gegen die zur Beratung stehenden sechs Vorlagen über innerorthodoxe Fragen sowie das Verhältnis zu anderen Kirchen und die Weltverantwortung der Orthodoxie. Besonders schmerzhaft war der Rückzieher der russisch-orthodoxen Kirche, zu der mehr als die Hälfte aller orthodoxen Christen weltweit gehören.

Die Position des Moskauer Patriarchen Kyrill I., nach der Absage von drei Kirchen handele es sich nicht mehr um ein "allorthodoxes Konzil", stößt bei den auf Kreta versammelten Bischöfen auf wenig Verständnis. Vielmehr werden Verschwörungstheorien verbreitet: Moskau habe seine "Vasallen" in Bulgarien, Georgien und Syrien (Patriarchat Antiochia) zu den Absagen verleitet, um damit seinerseits einen Grund zu haben. Letztlich sei Kyrill I. nicht gegen ein Konzil, wolle aber, dass es nach seiner Pfeife tanze.

Noch am Freitag ärgerte der Moskauer Patriarch in einem angeblich rührend um die Einheit der Orthodoxie bemühten Schreiben die in Kreta versammelten Hierarchen damit, dass er ihr Treffen lediglich als "Versammlung" bezeichnete. Diese wiederum appellierten abermals an Kyrill und die drei anderen Vorsteher, ihre Entscheidung doch noch zu überdenken.

Das Konzil behält aus ihrer Sicht ungeachtet des Boykotts seinen Rang. Der Pressesprecher des Ökumenischen Patriarchats, Erzdiakon John Chryssavgis, sprach den Kirchen, die nicht nach Kreta kommen, schlicht das Recht ab, "das Ergebnis diktieren" zu können. Es sei eine "grundlegende Annahme des internationalen Rechts, dass jede Partei, die sich weigert, an den Tisch zu kommen, ihr Recht aufgibt, bei der Abstimmung berücksichtigt zu werden".

Auch die zur Eröffnungs- und Schlussversammlung eingeladenen "Beobachter" aus der Ökumene sehen offenbar keinen Grund, nach den Absagen ebenfalls ihre Flüge zu stornieren. Unter ihnen sind der vatikanische "Ökumene-Minister", Kardinal Kurt Koch, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, sowie Vertreter des Weltkirchenrats und der Kirchen der Reformation. Nur der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Olav Fykse Tveit, war Gast in der Kathedrale von Heraklion, denn er musste weiter nach Norwegen zur Tagung des ÖRK-Zentralausschusses reisen.

Unter den mehr als 170 Konzilsteilnehmern sind auch drei Mitglieder der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland: ihr Vorsitzender, der griechisch-orthodoxe Metropolit Augoustinos (Patriarchat Konstantinopel), der rumänisch-orthodoxe Metropolit Serafim und der serbisch-orthodoxe Bischof Sergije. Für die russische Delegation, die kurzfristig abgesagt hat, war auch der in München residierende Erzbischof Mark nominiert.

Die Delegationen bestehen aus dem jeweiligen Primas und bis zu 24 weiteren Bischöfen. Nicht jede der orthodoxen Kirche hat allerdings so viele Bischöfe - in Tschechien und der Slowakei sind es nur drei, in Polen vier. Deshalb kommen bei den zehn Delegationen keine 250 Mitglieder zusammen. Nur zwei Kirchen haben unter den bis zu sechs "Beratern" der Delegationen auch Frauen berufen: die von Albanien und das Patriarchat von Konstantinopel. (kna)


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