100 Tage Papst Franziskus - Erwartungen an den neuen Pontifex Paulus – Ignatius – Franziskus

19.06.2013

Eigentlich hatte ich mir einen Papst nach dem Herzen des heiligen Paulus gewünscht. Nun ist aus dem paulinischen ein franziskanischer Papst geworden. Genauso gut, wenn nicht noch besser!

Wolfgang Oberröder (Bild: Sankt Michaelsbund)

Ich finde es großartig, nach dem benediktinischen nun einen franziskanischen Papst mit jesuitischen Wurzeln bekommen zu haben. Mit seiner Namensgebung hat Kardinal Bergoglio sofort die Sympathien der Öffentlichkeit gewonnen. Seine ersten Handlungen zeugen von einer Schlichtheit, die vielen Suchenden den Geist Jesu Christi zeigen kann. Er will die Kirche – ganz jesuitisch – hin zu den Rändern führen. Das überzeugt. Denn mehr und mehr sind wir eine kirchliche Gemeinschaft geworden, die zu sehr sich selbst im Blick hat und nach außen verteidigt, so gut es eben noch geht. Zu den Rändern gehen heißt nachgehen wie der Gute Hirt, der die Abtrünnigen nicht zurück prügelt, sondern zurückträgt. Vorher aber muss er sie überzeugt haben, dass sich in seiner Herde der bessere Platz findet.

Wenn ich immer wieder aber gefragt werde, welche Erwartungen ich an unseren noch neuen Papst habe, will ich lieber umgekehrt fragen: Was darf denn Papst Franziskus von uns Katholiken allgemein, von Ihnen und von mir im Besonderen erwarten? Er darf mit Fug und Recht er-warten, dass auch wir ganz franziskanisch die Freude an der Schöpfung leben, die sich besonders im Kleinen und Einfachen zeigt. Er möchte uns mit den Werken der Barmherzigkeit auch dort sehen, wo sich andere drücken. Sehen, was im Menschen und in der Gesellschaft krank ist und Trost und Hilfe braucht. Den Hunger der Welt nach geistlichem und irdischem Brot nicht unbeantwortet lassen. Die vielen in sich und ihren Süchten Gefangenen nicht alleinlassen. Und schließlich das Wort des Lebens über den Tod hinaus bringen.

 

Wolfgang Oberröder (71) war Professor für Gemeindepastoral in Eichstätt und ist Seelsorger in München.

 

 

 


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