Religion bei den Simpsons Peace and chicken!

24.03.2017

„Wie hältst Du es mit der Religion, Bart Simpson?“ Eine merkwürdige Frage, wo doch die Simpsons gerne alles durch den gelben Kakao ziehen und auch vor Religion nicht zurückschrecken. Jetzt haben sich genau damit Theologen beschäftigt.

Simpsons-Erfinder Matt Groening mit zwei Charakteren der Serie, Bart Simpson (li.) und Homer Simpson. © imago

Die gelbe Welt kann bitterböse sein und ist genau dafür bekannt. Mit feinsinniger Satire geht die Serie "Die Simpsons" oft auch auf gesellschaftliche Themen ein. Das Buch "Religion? Ay Caramba" beschäftigt sich mit dem Religiösen in der Simspons-Welt. Der Freiburger Theologe Johannes Heger erzählt im Interview, warum die Simpsons so faszinierend sind.

mk online: Für alle, die noch keine Simspons-Fan sind: Warum muss man sie schauen?

Heger: Die Simpsons – das ist auch eine der Gründe, warum wir das Buch gemacht habe – sind im weitesten Sinne ein Spiegel der Welt, des ganzen Lebens und greifen sämtliche urmenschlichen Fragen, Themen auf, die uns bewegen. Und je nachdem, wo jemand sein Interessens Schwerpunkt hat, kann man zielgerichtet Folgen empfehlen.

mk online: Was macht die Simpsons denn gerade für Theologen so interessant?

Heger: Bei eine seriöse Studie über einen großen Teil der Staffeln wurde geschaut, welche Themen von den Simpsons am meisten aufgegriffen werden. In diesem Ranking sind tatsächlich religiöse Themen auf dem dritten Platz. Sie nehmen also einen großen Raum in der Serie ein und werden auf der einen Seite unterhaltsam und auf der anderen Seite sehr subtile und auch tiefe Art und Weise dargestellt. Dieses Zusammenspiel von Häufigkeit und Tiefgründigkeit der Erörterungen solcher theologischen Themen macht die Simpsons für uns so interessant.

mk online: Was denken Sie, warum ist Religiosität den Autoren der Serie so wichtig?

Heger: Man muss sehen, dass wir Europäer bzw. auf den deutschen Kontext geprägt sind, aber die Simpsons sind erstmal eine amerikanische Serie. Dort sind solche religiösen und spirituellen Themen teilweise viel öffentlicher. Das kommt in der Serie mit rüber. Wobei ich sagen würde, bei den religiösen Themen – auch in Deutschland – kommt es darauf an, wie man Religion versteht. Wird Religion nur dann aufgerufen, wenn eine Kirche oder ein Priester dasteht oder wenn sich tiefe Menschheitsfragen stellen. Wir haben in unserem Buch durchgehend die Auffassung, dass sich Religion nicht nur dadurch definiert, sondern wenn sich auch urmenschliche Fragen gestellt werden, die dann theologisch deutbar sind.

mk online: Die Serie ist ja bekannt für ihren Satire Charakter und ist nicht zimperlich, was müssen die großen Religionen über sich ergehen lassen?

Heger (lacht): Ganz viel, muss man ehrlicherweise sagen. Die Simpsons stellen Religion einerseits tatsächlich auch als Sinngenerator oder Stütze im Leben dar. Diese Momente gibt es durchaus auch. Aber es gibt natürlich auch reichlich Momente, in denen Religion karikiert wird. Das beste Beispiel, das eigentlich jeder Simpsons-Kenner irgendwie schon mal wahrgenommen hat ist Reverend Lovejoy. Das ist der Priester der Gemeinde in Springfield. Der ist sozusagen der institutionelle Vertreter des Christentums. In der Serie schlafen eigentlich ständig die Menschen in seiner Kirche ein oder machen Scherze über sein Auftreten. Dazu gehört natürlich auch der Charakter des Ned Flanders, Homer Simpsons Nachbar. Er ist ein streng gläubiger Mensch und in der Serie wird sich über die überfrommen Lebenszüge durchaus lustig gemacht.

mk online: Findet man denn auch positives über das Christentum bzw. über Religion in den Simpsons?

Heger: Definitiv. Sonst hätten wir das Buch auch nicht geschrieben. Einerseits wollen wir ganz aktiv schauen, was Theologie, Religion und Kirche aus diesen kritischen Momenten gewinnen kann für die eigene Selbstreflexion, aber es gibt tatsächlich auch positive Momente. Lisa Simpson, die Tochter der Familie, ist beständig in der Serie eine Sinnsucherin im besten Sinn. Und sie gewinnt unterschiedlichen Religionen in unterschiedlichen Lebenslagen ganz produktiv etwas ab. Es gibt zum Beispiel auch eine Folge, in der Homer Simpson seinen Nachbarn Ned Flanders fast beneidet, weil das Gras in seinem Garten grüner ist, seine Familie besser zusammen zu stehen scheint. Homer Simpson beginnt, sich darüber Gedanken zu machen, woran das liegen könnte und erkennt anscheinend, dass der christliche Glaube da etwas macht. Die Folge heißt dann „Ein Kleines Gebet“, in der Homer dann versucht selbst zu beten und dadurch sein eigenes Leben besser zu machen.

mk online: In Ihrem Buch kommen auch islamische Autoren zu Wort. Von den Simpsons kann man also auch für den interreligiösen Dialog etwas lernen, oder?

Heger: Absolut. Die Simpsons sind ein Spiegel des Lebens und dementsprechend auch der Religionen. Die Simpsons sind daher sehr reich an Religionen. Eine Folge heißt zum Beispiel „Das Jerusalem Syndrom“. Homer Simpson ist in Jerusalem und sieht die ganzen Weltreligionen vereint, weil eine Sache alle gemeinsam haben. Da hält er eine völker- und religionsverbindende Predigt. Bei der kommt er auf den Konsens: „Peace and chicken“. Friede und Hühnchen sei doch für alle Religionen der gemeinsame Grundkonsens. In der Sache hat er an und für sich nicht ganz unrecht, wenn man das auf einer ganz platten Art und Weise. Aber dahinter ist wieder das Augenzwinkern der Simpsons zu sehen und von da aus würde es sich lohnen, noch weiter zu denken. Was in unserem Buch dann auch getan wird.


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