50 Jahre Rätearbeit Pfarrei als Ort des Wohlfühlens

23.03.2019

Zum 50-jährigen Bestehen der katholischen Räte erzählen Ehrenamtliche von ihrem Engagement. Diesmal bekräftigt Thomas Rothballer aus der Pfarrei St. Martin in Garmisch, dass Laien für ihn kein „(minderwertiger) Pfarrer-Ersatz“ sind.

Thomas Rothballer aus der Pfarrei St. Martin in Garmisch ist Vertreter der Seelsorgsregion Süd im Vorstand des Diözesanrats. © privat

Seit meiner Geburt vor 29 Jahren lebe ich im schönen Garmisch-Partenkirchen und bin seit 13 Jahren Mitglied des Pfarrgemeinderats der Pfarrei St. Martin in Garmisch. Außerdem darf ich mich im Dekanatsrat Werdenfels sowie im Diözesanrat einbringen.

50 Jahre Räte sind ein großartiger Grund zu feiern und Vergelts Gott zu sagen. Gleichzeitig ist das Jubiläum ein guter Anlass, näher zu betrachten, wie und warum wir Laien uns eigentlich in den Räten und Gremien engagieren.

Rätearbeit ist kein Selbstzweck

Die Räte- und Gremienarbeit ist für mich kein Selbstzweck. Wenngleich es jedes Mal bereichernd ist, an überregionalen Treffen teilzunehmen und mich mit anderen Gleichgesinnten auszutauschen und von ihnen zu lernen. Ziel und Motivation meines Engagements im Pfarrgemeinderat, dem Dekanatsrat und nicht zuletzt dem Diözesanrat ist es, eine junge, offene und lebendige Kirche zu gestalten.

Selbst durfte ich erleben, welche Freude und Bereicherung es für mich als kleiner Ministrant und dann später als Oberministrant und junger Pfarrgemeinderat war, eine junge, offene und lebendige Kirche zu erleben. Die erfrischende und ansprechende Jugendarbeit hat die Pfarrei zu einem Ort des Wohlfühlens gemacht. Damit war auch der Grundstock für die Entfaltung und Verwirklichung vieler Ideen und Talente gelegt. Die entstandenen Freundschaften halten bis heute.

Für meine Tochter, die gerade ihren ersten Geburtstag gefeiert hat, wünsche ich mir, dass sie in zehn oder 15 Jahren auch eine solche Gemeinschaft erlebt – eine, in der sie sich wohlfühlt, die Freude macht und die dazu führt, dass man glücklich sein kann, Christ zu sein.

Laien werden immer wichtiger

Gerade, wenn wir unseren Blick in die Zukunft richten – und das steht bei dem Jubiläum ganz oben auf der Agenda – so wissen wir bereits jetzt, dass das Engagement und die Arbeit von ehrenamtlichen Laien immer wichtiger werden. Das bedeutet für mich aber nicht, dass eine Wortgottesdienstleiterin oder ein Kommunionhelfer, eine Pfarrgemeinderatsvorsitzende oder ein Kirchenpfleger dann der (minderwertige) Ersatz für einen Pfarrer sind. Nein, wir als Christen sind alle berufen, uns mit den uns gegebenen Talenten für den Dienst am Nächsten zur Verfügung zu stellen. Kirche soll nicht nur eine – in vielen Teilen unverzichtbare – Verwaltungsinstitution sein, sondern die Glaubensgmeinschaft der Christen. An dieser zukunftsgerichteten Kirche kann jeder Einzelne mitarbeiten und sie aktiv mitgestalten. Die Räte sind dafür seit 50 Jahren eine großartige Basis.

In dieser Serie berichten anlässlich des 50-jährigen Bestehens der katholischen Rätearbeit jede Woche Ehrenamtliche über ihr Engagement. Am Samstag, 30. März, wird das Jubiläum mit einem großen „Fest der Räte“ in München gefeiert.


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