Neue Ideen für die Seelsorge Pfarreien bewegen

04.03.2019

Mit einer ungewöhnlichen und offenen Initiative lädt die Senioren-Pastoral im Erzbistum München und Freising Pfarreien ein, buchstäblich Wege ins Freie zu finden. Ein zukunftsweisendes Beispiel.

Auf gehts zu neuen Wegen: Adelheid Widmann von der Seniorenseelsorge hatte die Idee eine Rikscha für die Pfarreien anzuschaffen.
Auf gehts zu neuen Wegen: Adelheid Widmann von der Seniorenseelsorge hatte die Idee eine Rikscha für die Pfarreien anzuschaffen. © Kiderle

Nein, es ist kein Faschingsscherz: Das Erzbistum München und Freising hat eine Fahrrad-Rikscha angeschafft. Nicht weil das Ordinariat so viel Geld übrig hat, sondern um eine neue Seelsorge-Idee auszuprobieren. Die Seniorenpastoral will das Fahrzeug auf drei Rädern an Pfarreien verleihen. Die können damit älteren Menschen kleine Ausflüge anbieten. Jüngere Leute, die Lust aufs Radeln und Kontakt mit ihrer Eltern- oder Großelterngeneration haben, sollen die Rikschas steuern.

Besonders will die Seniorenpastoral ehrenamtliche Helfer ansprechen, die sonst von kirchlichen Angeboten und Anfragen nicht mehr erreicht werden oder sich nicht mehr dafür interessieren. Die Seniorenpastoral geht aber davon aus, dass viele jüngere Menschen sich für die ältere Generation einsetzen wollen. Die Pfarrei oder der Pfarrverband soll für sie eine Plattform sein, entsprechende Ideen und Mittel bereitstellen. Ein guter Gedanke! Und einer, der in die Zukunft weist.

Ungläubige einbinden

Unsere Kirche muss lernen, nicht nur auf ihre eigenen engagierten Mitglieder zu setzen, nicht nur die Katholiken oder Getauften anzusprechen. Es hilft nichts, davor die Augen zu verschließen: der Anteil derjenigen, die mit dem Glauben und dem Gemeindeleben abgeschlossen haben oder gar nicht mehr damit in Berührung kommen, dieser Anteil steigt ständig. Es ist nicht zu erwarten, dass diese Frauen und Männer irgendwann bei einem Priester anklopfen, um sich mit ihm über ihr religiöses Leben zu unterhalten oder auch nur ihr soziales Engagement anzubieten.

Wenn Pfarreien und Verbände nicht verkümmern, oder sich in einer Wagenburg einrichten wollen, müssen sie aus den Kirchen und Pfarrheimen hinaus und sie gleichzeitig öffnen. Da geht es schlicht und ergreifend darum, im Großen und noch wichtiger im Kleinen die Verbindung zur Gesellschaft nicht zu verlieren. Es geht darum, im Gespräch zu bleiben und den ureigensten christlichen Auftrag wahrzunehmen: Den Menschen zu dienen, zu einem gelingenden Leben einzuladen, ohne zuerst nach dem Taufschein zu fragen.

Bewegung in den Köpfen

Dazu zählen nicht nur diejenigen, die Unterstützung brauchen, sondern auch jene, die helfen wollen und nach einer sinnvollen Tätigkeit suchen. Manchen kommt das zu billig vor, die Furcht geht um, dass so die Glaubenslehre verkümmert und beliebig wird. Natürlich ist die Frage gerechtfertigt, ob kirchliche Einrichtungen zu irgendwelchen Freiwilligenzentren werden, in Konkurrenz mit weltlichen Anbietern treten.

Da wäre aber zu fragen, ob es die in der Nähe überhaupt gibt und Pfarreien nicht aufgefordert sind, eine Lücke auszufüllen. Und vor allem müssen sie fähig sein, Antworten zu geben, warum sie sich einsetzen. Nicht nur um Vereinsmitglieder, Spenden oder Engagierte zu werben, sondern um der Welt ein christliches Antlitz zu geben. Um dort zu sein, wo sich niemand sonst um Menschen kümmert, die nicht mehr mithalten können in unserer Gesellschaft. Um dort zu sein, wo der Wert von Menschen und seine gottgegebene Würde nicht mehr erkannt wird. Da kann eine dreirädrige Rikscha viel ins Rollen und ins Gespräch bringen. Sie sorgt für Bewegung und frische Luft, nicht nur bei den Radlern und ihren Passagieren, sondern auch in den Köpfen von Kirchenleuten.

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Zum Nachhören

Kommentar im Münchner Kirchenradio

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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