Sammler von Glockentönen Pfarrer mit ungewöhnlichem Hobby

03.07.2018

Pfarrer Michael Mannhardt aus Agatharied hat ein schwergewichtiges Hobby: Wenn er seiner Sammler-Leidenschaft fröhnt, kann man es schon von Weitem hören.

Pfarrer Michael Mannhardt: "Glockentöne sind Heimatklänge"
Pfarrer Michael Mannhardt: "Glockentöne sind Heimatklänge" © AdobeStock/BestPhotoStudio

Agatharied – Die Leut’ denken, das is’ eh ganz normal; Pfarrer und Glocken, das passt doch gut z’samm.“ Michael Mannhardt (45), verantwortlicher Seelsorger der beiden Pfarrverbände Miesbach und Hausham-Agatharied, weiß, dass seine Pfarrangehörigen nichts gegen sein „exotisches“ Hobby haben. Er sammelt Glockentöne. Tausende von Kirchengeläuten aus dem oberbayerischen Raum hat er in seinem Tonarchiv. „Glockentöne sind für mich Heimatklänge“, sagt er, „sie schaffen ein heimatliches Gefühl.“

Die Leidenschaft für Glocken begann schon früh in seiner Heimatstadt Traunstein. Die Mannhardts wohnten direkt neben der Pfarrkirche St. Oswald und den kleinen Michael hat der Klang der Kirchenglocken bereits fasziniert. „Ich hab’ immer das Fenster aufg’macht, wenn die Glocken g’läutet hab’n“, erzählt er. Sie klingen mächtig und eindrucksvoll, ein Geläut „mit Charakter“, sodass man es aus Hunderten heraushört. Mannhardt jedenfalls erkennt ein Geläut wieder, mit dem er sich mal beschäftigt hat.

Aufnahmen mit dem Kassettenrekorder

Sein Glockengehör begann er zu schulen, als er als Bub das Zwölfuhrläuten im Radio entdeckte. Seit 1949 sendet der Bayerische Rundfunk ja am Sonntag das Geläut bayerischer Kirchen und der ORF, der in Traunstein gut zu empfangen ist, sogar jeden Tag. Diese Sendungen hat Michael mit dem Kassettenrekorder aufgenommen und gesammelt. Im Zusammenhang mit den Glockentönen hat ihn auch die Geschichte der jeweiligen Kirche und des Ortes interessiert. Er hat gemerkt, da besteht ein Zusammenhang: „Glockengeschichte ist immer ein Abbild der Orts-, Menschen- und letzten Endes Weltgeschichte.“ Über die Glocken sei er ein sehr geschichtsbewusster Mensch geworden, sagt Mannhardt.

Bald hat er selbst angefangen, mit dem Kassettenrekorder Glocken aufzunehmen. Im Lauf der Jahre ist er professioneller geworden. Heute schneidet er die Töne digital mit. Und irgendwann ist der Bayerische Rundfunk auf ihn aufmerksam geworden. Im Jahr 2005 hat er seine erste Sendung für das Zwölfuhrläuten gemacht und auch heute noch nimmt er Glocken auf und schreibt den Text. Es sind hauptsächlich Kirchen in Oberbayern. „Ich bin mehr der alpine Glockenfreund, mir gefällt die alpenländische Glockenkultur. Sie hat eine andere Schattierung als die mittel- oder norddeutsche.“ Bei uns werden die Glocken „hoch“ geläutet, das heißt, sie schwingen höher hinauf, da wird der Klöppel nicht so oft angeschlagen. Das wirkt langsamer, getragener. Und der Dopplereffekt kommt besser heraus, das bedeutet: „Wenn die Glocke zu mir herschwingt, ist der Ton höher, wenn sie wegschwingt, tiefer. ‚Bim-Bam‘ sagen die Kinder.“

Ein Glockenstuhl im Treppenhaus. Das Hobby von Pfarrer Michael Mannhardt braucht mitunter viel Platz.
Ein Glockenstuhl im Treppenhaus. Das Hobby von Pfarrer Michael Mannhardt braucht mitunter viel Platz. © Karl Grüner

Glöckerl für die Kleinen

Den Kleinen die Glocken nahezubringen und überhaupt Glocken in Seelsorge und Liturgie einzubauen, reizt den Seelsorger Mannhardt. Einmal hat er am Palmsonntag zur Palmprozession den Kindern kleine Glöckerl in die Hand gedrückt. Die durften sie dann gemeinsam mit den Kirchenglocken läuten. Vielleicht kann er so den Menschen vermitteln, was er selbst beim Klang der Glocken empfindet: „Ein schönes Geläut, bei dem der Rhythmus passt, die Melodie passt, die Stimmung passt, das berührt mich ganz tief drin und schafft ein angenehmes Gefühl, wo ich sage, ich fühl’ mich wohl, mir geht es gut.“

Mannhardt beschäftigt sich aber nicht nur gefühlsmäßig mit Glocken, sondern auch wissenschaftlich. Aus einem Bücherschrank, der voll ist mit Glocken-Literatur, greift er einen Band heraus: „Glockenlandschaft Salzburg“. Es ist seine Diplomarbeit aus dem Jahr 2003. Er hat in Wien und Salzburg studiert und schon während seiner Studienzeit im Stift Göttweig einen Glockenverein gegründet. Dort hat er erreicht, dass das Geläut maßgeblich erweitert wurde, sodass es jetzt das drittgrößte Österreichs ist.

„Da machen wir die Fenster auf“

Weitere Glockenprojekte hat er angestoßen. Fast kindlich freut sich der 45-Jährige noch heute, dass er beim Papstgottesdienst 2006 in München-Riem, als Benedikt XVI. in Bayern war, die dort aufgestellte große Glocke läuten durfte. Sie war die größte von sechs neuen Glocken, die auf Mannhardts Betreiben hin für das Studienseminar St. Michael in seiner Heimatstadt Traunstein angeschafft wurden. Als Benedikt auf dem Rückflug nach Rom über Traunstein flog, ertönte das Geläut zum ersten Mal. Den Verein „Benediktglocke“, den Mannhardt damals gegründet hat, leitet er noch heute.

Inzwischen sammelt der Pfarrer nicht nur Glockentöne, sondern auch die Glocken selbst. In seinem Haushamer Pfarrhaus begegnen sie einem auf Schritt und Tritt. Historische Glocken aus dem 16. Jahrhundert sind dabei und eine Stahlglocke von 1853 aus Bochum, eine der ältesten überhaupt. Vier neue „Salve-Regina-Glocken“ aus dem Jahr 2014 runden die Sammlung ab. Sie läuten zu besonderen Anlässen im Pfarrhaus. „Da machen wir die Fenster auf“, erzählt Mannhardt, „dann bekommen die Menschen draußen auch was mit.“ Vielleicht können sie dann die gleiche Erfahrung machen wie ihr Pfarrer: „Ein schönes Geläut erhebt das Herz, die Seele, es macht dich leicht.“ (Karl Grüner)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Priesterleben

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