Fasten ist zeitgemäß Pfarrer Schießler fastet nicht für einen guten Körper

01.03.2017

Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten – darauf wird der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler die nächsten 40 Tage verzichten. Doch es geht ihm nicht darum Kilos zu verlieren.

Pfarrer Rainer Maria Schießler verzichtet in der Fastenzeit auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten.
Pfarrer Rainer Maria Schießler verzichtet in der Fastenzeit auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten. © imago

München – Rainer Maria Schießler (56), überregional bekannter Münchner Pfarrer, verzichtet in der Fastenzeit "wie immer" auf Alkohol, Fleisch und Süßigkeiten. Auch möglichst wenig Kohlenhydrate wolle er zu sich nehmen, sagte der Geistliche am Aschermittwoch dem Bayerischen Rundfunk. Sobald dann die ersten Erfolge zu sehen seien, gehe es "schon geschmeidiger". Zugleich erinnerte er daran, dass die Buß- und Fastenverordnungen der Kirche kein Muss, sondern ein Angebot seien. "Ich tue es ja nicht, damit der liebe Gott glücklicher ist. Ich tue es, damit es mir besser geht, damit ich aufgeräumter bin."

Die Fastenzeit sei dazu da, sich wieder auf sich selbst zu konzentrieren, sagte Schießler. Fasten könne zeigen, "wie wenig wir eigentlich brauchen". Wer nur Kilos runterbringen wolle, habe noch keinen geistlichen Gehalt dahinter. Der Aschermittwoch stelle dem Christen kompromisslos vor Augen, dass er auf den Tod zugehe. Der Karfreitag wiederum mache deutlich, dass Gott die Todessicherheit kenne, mit der der Mensch zu leben habe. "So bin ich sicher eingerahmt in diesem Weg und darf mich selber als etwas Vergängliches erfahren und trotzdem in Gott bereits Ewiges."

Der perfekte Body bringt nichts

Die Frage, ob Fasten noch zeitgemäß sei, bejahte der Priester. Das sei auch sein Problem. Denn er müsse die Fastenzeit als geistliche Zeit zwischen Aschermittwoch und Ostern verkaufen; dabei gingen die Leute das ganze Jahr über ins Fitness-Studio für eine guten "Body". Mit dem Eifer und der Gewissenhaftigkeit, mit der man früher in einen Gottesdienst gegangen sei, besuchten die Leute heute das Fitness-Studio getreu dem Motto "Turne bis zur Urne". Aber da fehle eben der Geist. "Denn was nutzt mir der perfekte Body, ich muss ihn abgeben." Irgendwann sei Schluss auf dieser Welt. (KNA)

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