Kreuz-Pflicht in Bayern Pfarrer Schießler: Kreuz-Debatte hätte zuvor stattfinden müssen

03.05.2018

Die Diskussion um den Kreuz-Erlass der bayerischen Staatsregierung reißt nicht ab. Nun hat sich auch der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler dazu geäußert.

Pfarrer Rainer Maria Schießler
Pfarrer Rainer Maria Schießler © imago

München – Der über Bayern hinaus bekannte Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler hat sich in die Reihe der Gegner des Kreuz-Erlasses durch die bayerische Staatsregierung eingeordnet. Er wünschte sich, dass die aktuell darüber geführte Debatte zuvor stattgefunden hätte, sagte Schießler am Donnerstag dem Hörfunksender Bayern 1. "Weil wir jetzt genau das haben, was viele mahnend anklagen, nämlich die Spaltung." Die in nach einer jüngsten Umfrage des Bayerischen Rundfunks zufolge 38 Prozent der Menschen in Bayern, die gegen den Erlass seien, störe letztlich nicht das Kreuz, sondern die Art und Weise, wie damit umgegangen werde.

„Christentum gibt es auch außerhalb Bayerns"

Der Geistliche bestätigte die Kritik des Münchner Weihbischofs Wolfgang Bischof, dass das Kreuz kein Symbol für Bayern sei und auch kein Wahlkampflogo. Vom Ursprung her handle es sich um ein religiöses Symbol. In der "ganz fernen Vergangenheit" sei es ein Marterwerkzeug der alten Römer gewesen, mit dem Leute hingerichtet worden seien. Natürlich sei das Kreuz im Laufe der Geschichte auch zu einem Identitätssymbol gewisser Kulturen geworden, die das Christentum angenommen und gelebt hätten. "Aber die Aufgabe ist es nicht, dieses Symbol herzunehmen und zu sagen: Das steht für uns jetzt und dieses Land. Christentum gibt es auch außerhalb Bayerns."

Werte müssen in Gesellschaft gelebt werden

Schießler unterstrich, dass er sich über jeden Raum - sei es ein Krankenzimmer oder eine Polizeistube - freue, in dem ein Kreuz hänge. Ihn störe nur, wie nun damit umgegangen werden. Er erinnerte daran, dass jedes Gesetz zuerst durch verschiedene Lesungen müsse und dort durchdiskutiert werde. "Und hier geht man medienwirksam her, und dann hängt man das auf."

Besser wäre es laut Schießler gewesen, vorher mit Christen, Muslimen, Angehörigen anderer Religionen und mit Atheisten, die alle in diesem Land lebten, zu reden unter dem Motto: "Hört's zu, wir haben etwas vor, wir wollen uns mit euch austauschen, wie machen wir das am besten." Denn es gehe darum, dass alle damit gut umgehen könnten und das Zeichen auch verstünden. Im Übrigen müssten die Grundwerte gelebt und sie jungen Menschen, etwa im Unterricht, bekannt gemacht werden. "Symbole aushängen, das kann ich ganz am Schluss", zuerst aber müssten die Werte umgesetzt und in der Gesellschaft gelebt werden, so Schießler. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kreuz-Debatte

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