Münchner Kirchenradio Pfarrer Schießler "predigt" per Podcast

04.09.2020

Etwa 15.000 Menschen haben den Podcast "Schießlers Woche" abonniert. Im Interview berichtet der Münchner Pfarrer, was ihn an dem Format besonders reizt.

Pfarrer Rainer Maria Schießler
Pfarrer Rainer Maria Schießler © Sankt Michaelsbund © SMB

mk online: Herr Pfarrer Schießler, Sie machen seit Dezember vergangenen Jahres den Podcast „Schießlers Woche“ für den Sankt Michaelsbund. Warum haben Sie damals sofort ja gesagt, als die Anfrage kam?

Pfarrer Rainer Maria Schießler: In meinen Augen ist das eine ganz tolle Möglichkeit, um an die Menschen heranzukommen. Wer heute meint, ein bisschen mit Glocken zu bimmeln und ein Hochamt zu veranstalten, sei genug, um die Menschen zu erreichen, der ist nicht im Jetzt. Wir müssen auch neue Wege gehen. Das heißt nicht, dass das Hochamt überflüssig ist, aber es ist kein Weg, an Menschen heranzukommen, die ohnehin schon einen großen Bogen um unsere Kirchen machen.

Was macht für Sie den Reiz eines Podcasts aus?

Schießler: Die Herausforderung. Manchmal ist es sehr leicht und geht gut von der Zunge, wie bei einer guten Predigt. Man hat einen Input oder eine tolle Idee und fasst sie in Worte. Manchmal ist es aber auch unglaublich schwer, die richtigen Worte für einen Gedanken zu finden. Man merkt, dass es keine Fließbandarbeit ist und das macht für mich den eigentlichen Reiz aus.

Wie suchen Sie sich die Themen aus, die Sie in ihrem Podcast aufgreifen?

Schießler: Natürlich möchte man geistliche und kirchliche Themen behandeln, wenn einem schon so ein Medium zur Verfügung steht. Der Mensch ist auf der Suche und die Frage ist, ob die Kirche eine Einrichtung ist, die bei dieser Suche helfen kann, Antworten zu finden. Aber auch die aktuellen gesellschaftlichen Themen dürfen nicht zu kurz kommen. Gerade weil ich im Podcast ja auch als eine Person angekündigt werde, die kein Blatt vor den Mund nimmt. Aktuell ist die Corona-Pandemie sicher eines der Themen, das den Menschen besonders wichtig ist. Wie geht es den Menschen damit und wie geht auch die Kirche damit um? Aber auch andere Themen dürfen trotz Corona nicht vergessen werden. Der Umweltschutz und die Frage danach, wie wir mit der Natur umgehen, sind da zum Beispiel besonders wichtig.

Podcast-Tipp

Schießlers Woche Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München wartet nicht darauf, dass die Menschen zu ihm kommen. Er geht dorthin, wo die Menschen eh schon sind. Zum Beispiel auf das Oktoberfest, wo er jahrelang gekellnert hat. Und deshalb versteht er auch Vieles, was andere Pfarrer gar nicht erst mitbekommen. Er nennt die Dinge beim Namen, auch wenn ihm das schon so manches Mal Ärger eingebracht hat. Aber er will immer nur das eine: seiner Kirche - und damit den Menschen - dienen. Auch in seinem Podcast nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er spricht über alles: Grundsätzliches, Spirituelles, aber auch kirchenpolitische Fragen. > zur Sendung

Verstehen Sie den Podcast auch als eine Art Predigt?

Schießler: Solange er nicht länger als fünf Minuten dauert, ist ein Podcast schon fast eine Kurzpredigt und das ist die beste Form der Predigt. Oder wie Luther es gesagt hat: „Tritt forsch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf“. So lange hört man zu. So ist es auch in der Kirche bei einer Predigt. Je länger die dauert, umso weniger hören die Menschen zu und dann findet man als Prediger auch nicht zum Ende.

Fällt Ihnen Tacheles zu reden und die Meinung zu sagen im Podcast leichter als im geschriebenen Wort?

Schießler: Definitiv ja. Geschriebenes kann sehr leicht missbraucht und gegen einen eingesetzt werden. Beim Podcast kann man ganz anders mit Reaktionen umgehen. Wenn sich da jemand meldet und über das Gesagte sprechen will, kann man das gemeinsam durchdiskutieren – dann geht es vor allem um das Thema.

Fast 15.000 Menschen haben Ihren Podcast bisher abonniert und hören jede Woche zu. Welche Reaktionen kommen da bei Ihnen an?

Schießler: Das ist ganz unterschiedlich – die volle Bandbreite. Viele, die sich persönlich bei mir melden, sind so etwas wie Fans, die sagen, dass das, was ich sage, ihnen aus der Seele spricht und wahnsinnig gut gefällt. So etwas freut mich natürlich. Es gibt aber auch kritische Stimmen und Menschen, die mir sagen, dass sie manches anders sehen als ich. Ich beantworte nach Möglichkeit auch alle diese E-Mails. Nur auf Hass-Mails antworte ich nicht. Ich habe es nicht nötig, dass mir jemand sagt, ich würde mich mit dieser Sendung wichtig machen wollen. Da darf ich in Erinnerung rufen, dass der Podcast nicht meine Idee war.

Zu guter Letzt: Gibt es auch Themen, die Sie nicht in „Schießlers Woche“ ansprechen würden?


Schießler: Ich würde sagen, ich distanziere mich von sehr persönlichen Themen, weil der Podcast auch nicht meine private Radiostation ist. Es gibt einfach Dinge, die ich wirklich nur ganz vertraulich mit meinen besten Freunden diskutieren würde, aber nicht im Radio. (Das Interview führte Korbinian Bauer, Radioredakteur beim Sankt Michaelsbund)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Der Sankt Michaelsbund und sein Engel

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