Reaktion zum Anti-Missbrauchsgipfel Pfarrer Schießler: Probleme der Kirche nicht gelöst

24.02.2019

Am Sonntag endete der viertägige Anti-Missbrauchsgipfel in Rom. Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München spricht sich für weltweit geltende Maßstäbe aus.

Pfarrer Rainer Maria Schießler aus München
Pfarrer Rainer Maria Scheißler aus München © SMB

München – Bestsellerautor und Pfarrer Rainer Schießler sieht die Probleme der katholischen Kirche nach dem viertägigen Anti-Missbrauchsgipfel in Rom noch längst nicht gelöst. In der BR-Sendung "Der Sonntags-Stammtisch" sagte er, er erwarte aber, dass eine Richtung angestoßen werde, die "absolute Transparenz" bedeute, wie es auch Kardinal Reinhard Marx verlangt habe. Nötig seien Maßstäbe, die weltweit zu gelten haben.

Weiter muss nach Ansicht von Schießler sicher sein, dass es keine Vertuschung mehr geben darf und dass die Geistlichen, die vertuscht haben, verurteilt werden und ihre Positionen verlieren. Allerdings sei der jüngste Fall des Washingtoner Kardinals Theodore Edgar McCarrick, der von Papst Franziskus in den Laienstand versetzt worden war, auch "zweideutig". Denn er könne den Eindruck vermitteln, dass ein Laie weniger wert sei.

Auch alle "Verniedlichungen und irrelevanten Verteidigungen" müssten weg, wonach es auch in Sportvereinen Missbrauch gegeben habe, verlangte der Geistliche weiter: "Wir sind kein Sportverein. Wir treten mit so einem Maßstab auf, die Leute zu dirigieren, auch in Sexualmoralfragen."

Befragung unter Priestern

Angesicht eines aktuell erschienenen Buches über versteckte Homosexualität in der katholischen Kirche zeigte sich Schießler zurückhaltend. Er plädierte dafür, in allen Diözesen eine anonyme Befragung unter Priestern und Mitarbeitern zu machen. Ohne dass die Befragten Konsequenzen befürchten müssten, sollte jeder aufschreiben, wie er lebe, ob er ein Verhältnis zu einem Mann oder einer Frau habe, ob er den Zölibat lebe und ob er mit seiner Lebensweise glücklich sei. Dann wären "endlich einmal" konkrete Zahlen da: "Warum macht man es nicht? Ich befürchte, dass das Ergebnis zu deutlich wäre."

Kirche neu denken

Schießler forderte weiter: "Wir müssen Kirche neu denken lernen." Dazu gehöre auch, dass es falsch sei zu glauben, die Kleriker seien als Profis das Gegenüber der Laien: "Wir sind nicht die Gläubigen eines Papstes oder der Bischöfe." Diese Kirche sei, wie es das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) sage, das "Volk Gottes". Letztlich gehe es um die Glaubwürdigkeit der Kirche, um Ehrlichkeit. Dazu gehöre ein anderer Umgang mit Frauen; außerdem müsse der Pflichtzölibat als verbindliche Lebensweise für Priester überdacht werden. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch

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