Veröffentlichung "Jessas, Maria und Josef" Pfarrer Schießler will mit Buch die Kirche aufmischen

01.10.2018

Als "Wanderprediger" sieht sich Pfarrer Rainer Maria Schießler, seit er seit März 2016 durch die Lande zieht und Lesungen zu seinem Buch "Himmel, Herrgott, Sakrament" hält. Nun legt er mit einem neuen Werk nach.

In einem Kreis aufgestellt Bücher.
In einem Kreis aufgestellt Bücher. © Yurii Zymovin - stock.adobe.com

München – "Jessas, Maria und Josef" - die ganze heilige Familie fährt der als wortkarg geltende Bayer in der Regel auf, wenn ihn Ereignisse überraschen. Er kenne kaum einen Menschen, der diese drei Worte mit einer "solch ehrlichen, aufrichtigen und bewusst gesetzten Inbrunst" ausgesprochen habe, wie seine Mutter, erinnert sich der Münchner Pfarrer Rainer Maria Schießler. Nach seinem Bestseller "Himmel, Herrgott, Sakrament" 2016 und den Reaktionen, die er damit weithin bekam, konnte für sein zweites Werk nur dieser Titel folgen. Noch wichtiger ist ihm die Unterzeile: "Gott zwingt nicht, er begeistert" - ein Satz seines priesterlichen Vorbilds Elmar Gruber.

"Die Gemeinschaft der Gläubigen wird kleiner"

Zum 1. Oktober kommt das bei Kösel verlegte Buch in den Handel und damit zu einem Zeitpunkt, an dem die Kirche in Deutschland eine schmerzliche Woche hinter sich hat. Schießlers Chef, der Münchner Kardinal Reinhard Marx, bekannte als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, die Kirche stehe angesichts des Missbrauchsskandals an einem Wendepunkt. "Die Menschen glauben uns nicht mehr. Wir müssen handeln und dann hoffen, dass man uns wieder vertraut."

Schießler, Jahrgang 1960 und seit 25 Jahren Pfarrer im schillernden Münchner Glockenbach-Viertel, sieht nicht nur darin ein Problem. Die Kirchen seien längst nicht mehr Sammelpunkt in der Mitte der Gesellschaft. "Die Gemeinschaft der Gläubigen wird kleiner und immer weiter an den Rand gedrängt." Auch wenn Schießlers Sonntagsgottesdienste gut besucht sind, so hat auch er sich damit abgefunden, dass nach Erstkommunion oder Firmung nur noch wenige Jugendliche bleiben, etwa als Ministranten.

Der Münchner Pfarrer Rainer Schießler
Der Münchner Pfarrer Rainer Schießler © SMB

Dazu komme, dass sich Glaube in allen Richtungen breit mache, genauso Aberglaube, Atheismus, AfD und Modernität. So beschreibt der Geistliche sein Umfeld. "Mein christlicher Glaube ist längst nicht mehr tonangebend, nur noch eine 'Denkrichtung' unter vielen anderen Lebensentwürfen." Viele wüssten nichts mehr über die spirituelle Bedeutung kirchlicher Feiertage, wenige interessierten sich dafür, abgesehen von Weihnachten und Ostern. Auf den Wandel aber müsse die Kirche reagieren und in den "friedlichen Wettbewerb" treten.

"Raus aus den Komfortzonen unserer Pfarrhäuser"

"Wir Priester, so schwer das einigen fallen wird, müssen runter von unserem hohen Ross und wieder lernen, dass wir jedem Menschen in unserer Gemeinde im positiven Sinne hinterherlaufen und um jeden Gläubigen kämpfen müssen." Der Geistliche ruft das "Hühneraugengebot" aus. Auf Hühneraugenhöhe müssten die Seelsorger wieder den Menschen begegnen und lernen, dass sie Dienstleister im Glauben seien. Wenn Kirche wieder eine Chance haben wolle, dann nur auf dem Weg der Volksmission: "Wir müssen raus aus den Komfortzonen unserer Pfarrhäuser."

Schießler teilt aus. Er kritisiert den Limousinenfuhrpark der deutschen Bischöfe, die großen Verwaltungsgebäude der Kirche und deren Hang, die Menschen dirigieren zu wollen. Diese ließen sich das nicht mehr gefallen. Die Menschen würden vor einer Kirche fliehen, von der sie sich verlassen fühlten. Dabei suche eigentlich jeder einen Sinn und nach seiner Bestimmung. Deshalb fordert er einen anderen Umgang mit schwulen Paaren, mit Scheidungen und wiederverheirateten Katholiken.

Freistellung des Zölibats

Der Zölibat sollte endlich freigestellt werden, meint der Pfarrer. Der Priestermangel sei in Wirklichkeit ein "Weihemangel". Über Jahre habe die Kirche geschludert, wenn es darum gegangen sei, eine ehrliche Nachwuchsförderung zu betreiben und den Mut zu Veränderungen aufzubringen.

Und Schießler wird noch deutlicher: "Ich bin alles andere als ein Oberlobbyist für schrille Emanzen und die vollständige Abschaffung des Zölibats." Er sehe es aber als Menschenrecht, dass jeder "in meiner Kirche" unabhängig vom Geschlecht ein Amt übernehmen könne. Für die Gemeinden sei es keine Lösung, stets noch größere Verwaltungseinheiten zu schaffen, vielmehr sollte den dort aktiven Menschen mehr zugetraut werden. Kirche müsse willkommen heißen und nicht aburteilen. Das sei eine Kirche, "der ich vertrauen kann". (kna)


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