Die Corona-Kapelle im Pfarrverband Sauerlach Pfarrer verspricht jährlichen Bittgang für die Gesundheit

26.03.2020

Die Corona-Kapelle in Sauerlach-Arget ist klein und unscheinbar. Viele laufen wohl einfach an ihr vorbei. Doch das wird sich in Zukunft vermutlich ändern.

Die Corona-Kapelle in Sauerlach-Arget.
Die Corona-Kapelle in Sauerlach-Arget. © SMB/Bergold

Sauerlach – Mitten im Wald, an einer schmalen Landstraße, steht eine unscheinbare, kleine Kapelle. Schon oft bin ich daran achtlos vorbeigegangen: Denn die Corona-Kapelle gehört für mich seit meiner Kindheit dazu. Betreten habe ich sie schon lange nicht mehr. Nicht nur, weil man nur durch ein Gitter ins Innere sehen kann, sondern die üblichen Gründe: Keine Zeit, keine Lust, schnell weiter.

Ort für ein großes Versprechen

Ich spreche mit Pfarrer Josef Steinberger. Er ist seit Ende 2018 Leiter des Pfarrverbands Sauerlach. Dazu gehört, am Ortsteil Arget gelegen, die Corona-Kapelle. An die hat Pfarrer Steinberger auch sofort gedacht, als er den Namen des neuartigen Virus das erste Mal gehört hat. Und hat sich sofort zu dem kleinen Kirchlein aufgemacht. Besonders beachtet hat er sie seit seinem Amtsantritt nicht, erzählt er offen. „Aber als ich dann dort war, war ich sehr ergriffen von diesem Ort und dieser bescheidenen Kapelle.“

Und er hat ein Versprechen gegeben. „Ich werde dafür sorgen, dass jedes Jahr ein Bittgang stattfindet, wenn alles überstanden ist. Und zwar am 14. Mai, dem Jahrtag der Heiligen Corona.“ so der Pfarrer. Ob man das 2020 zu diesem Termin schafft, ist noch nicht klar. Aber, so Pfarrer Steinberger, „am Datum soll es nicht scheitern“. Ich biete ihm spontan meine Unterstützung an. Da will ich mit dabei sein. Übrigens haben wir beide etwas gemeinsam: Was es mit der Heiligen genau auf sich hat, das mussten sowohl Pfarrer Steinberger als auch ich erst einmal nachschlagen.

Wer war die heilige Corona?

Die Heilige lebte wohl im heutigen Syrien und wurde 161 geboren. Mit nur 16 Jahren starb sie den Märtyrertod, ihr Name Corona (lat: Die Gekrönte) weist darauf hin. Seit dem 14. Jahrhundert wurde sie unter anderem in Altbayern stark verehrt. Sie ist Patronin der Schatzgräber und Metzger, hilft in Geldangelegenheiten und bei Epidemien und Seuchen. Ihr Patrozinium wird am 14. Mai gefeiert.

 

Einer echter Experte ist der Ortschronist der Gemeinde Sauerlach, Helmut Berthold. Im 16. Jahrhundert fanden Argeter Bürger an einer Stelle im Wald ein Bildnis und nahmen es mit nach Hause, erzählt er mir. Aber – so die Legende – das Bildnis kam auf wundersame Weise immer wieder zurück an diesen Ort. Irgendwann beschlossen die Menschen dann, genau hier eine Kapelle zu bauen und sie der heiligen Corona zu widmen.

1599 wurde sie erstmals erwähnt. Jedes Jahr am 14. Mai wurde hier Kirchweih gefeiert. Das bedeutete auch das vorläufige Ende der Kapelle, denn dem damaligen Pfarrer wurde es irgendwann einmal zu bunt, so Helmut Berthold. Er liest mir aus dem Hachinger Heimatbuch vor: „Außerdem entehren die jungen Leute die Kapelle, wenn sie am Kirchweihtag essen und trinken, tanzen und springen, raufen und schlagen.“ Also wurde die Kapelle abgerissen – gegen den Willen der Bevölkerung. Die wollte ihre Corona-Kapelle zurück und so wurde um das Jahr 1820 wieder eine neue gebaut.

Viele Kerzen angezündet

„Normalerweise steht dort vielleicht eine Kerze. Aber jetzt sind viele Kerzen angezündet. Die Menschen kommen jetzt von überall zur heiligen Corona. Es wird wieder mehr bewusst, was wir hier in Arget für einen Schatz haben“, so Ortschronist Berthold.

Zu diesen Menschen gehören auch Pfarrer Steinberger und ich. Zum ersten Mal habe ich die Corona-Kapelle in meiner Heimat bewusst besucht. Es war ein besonderer Moment, der mir Kraft und ein wenig Halt gegeben hat und das kann ich in diesen außergewöhnlichen Zeiten wirklich gut gebrauchen.

Die Autorin
Tanja Bergold
Leiterin Programmentwicklung im Münchner Kirchenradio
t.bergold@st-michaelsbund.de

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

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