Grundschule und Corona Pfarrsaal wird zum Klassenzimmer

10.11.2020

Die Corona-Pandemie stellt Schulen vor Herausforderungen. So war in Altenmarkt a.d. Alz der Klassenraum für 27 Schüler zu klein. Kurzerhand findet der Unterricht jetzt im Pfarrsaal statt.

Das Altenmarkter Pfarrheim schaut aus wie ein Klassenzimmer
Ein ungewohntes Bild: Das Altenmarkter Pfarrheim dient der Grundschule aktuell als Klassenzimmer. © SMB/Wastlhuber

Altenmarkt a. d. Alz – Wer dieser Tage einen Blick in das Pfarrheim wirft, wird zuerst etwas verwundert sein. Über den ganzen Pfarrsaal verteilen sich Tische und Stühle. Auf ihnen liegen unzählige Hefte und Bücher, Zeichenblöcke, Stifte, bunte Schachteln, viele kleine Hausschuhe - und sogar der „Pumuckl“ ist zu sehen.

Das Material gehört den 27 Kindern der dritten Klasse, die seit der Woche vor den Herbstferien im Pfarrheim unterrichtet werden. Grund dafür sind die steigenden Infektionszahlen: In dem normalen Klassenzimmer in der Grundschule wäre kein Platz gewesen, so viele Schülerinnen und Schüler noch weiter auseinanderzusetzen, erklärt Schulleiterin Sabine Schwan. Die Klasse zu halbieren und die Gruppen im tageweisen Wechsel in Präsenz zu unterrichten, sei auch keine zufriedenstellende Option. Somit sei bald klar gewesen: „Wir müssen uns Räume suchen, wo alle Platz haben.“ Es galt, gemeinsam mit der Gemeinde eine Lösung zu finden, um den Präsenzunterricht zu erhalten.

Kinder genießen Extrastatus

Weil das Pfarrheim einen großen Pfarrsaal bietet und direkt neben der Schule steht, war die Pfarrei Baumburg die erste Anlaufstelle. Außerdem sei der Kontakt hier sehr gut und so sei die Pfarrei sofort bereit gewesen, mit der Grundschule zusammenzuarbeiten, erzählt die Schulleiterin. Sie unterrichtet seit 20 Jahren an der Grundschule in Altenmarkt und hat vor fünf Jahren deren Leitung übernommen. Nach der Zusage des Kirchenpflegers haben dann Mitarbeiter des Bauhofs und der Hausmeister der Schule den Pfarrsaal unterrichtstauglich gemacht.

Die Schulleiterin findet, dass das Format „super“ funktioniert. „Die Zusammenarbeit von allen Seiten ist echt toll“, freut sich Schwan. Die Drittklässler selbst seien anfangs ein bisschen traurig gewesen, nicht mehr im Schulhaus unterrichtet zu werden. Mittlerweile aber würden sie ihren „Extrastatus“ genießen: „Es macht sie stolz, dass sie es schaffen, woanders unterrichtet zu werden. Sie sind wahnsinnig gerne hier und ihnen gefällt es, dass so viel Platz ist“.

Pfarrei und Schule in regem Kontakt

Auch für die Pfarrei stellt die Situation eine Bereicherung dar: „Es gefällt mir und freut mich sehr, dass unser Pfarrsaal der Schule weiterhelfen kann“, findet Irmi Huber. Als gut und unkompliziert beschreibt die Gemeindereferentin das Verhältnis von Pfarrei und Schule. Sie stehen das ganze Jahr über in regem Kontakt zueinander - sei es bei der Erstkommunion und dem dazugehörigen Ausflug mit Kindern und Lehrerinnen, bei Festlichkeiten und Schulgottesdiensten oder beim wöchentlichen Besuch der Grundschüler in der Pfarrbücherei. Es gehöre, so Huber, in Altenmarkt „einfach zum Schulleben dazu, dass die Kirchen - auch die evangelische - präsent und wichtig sind.“

Bis Ende November ist die Ausnahmesituation vorerst angedacht. Ob das ausreicht, kann Grundschulleiterin Schwan nicht genau sagen: „Hoffentlich bleibt´s bei den vier Wochen. Es kann aber genauso sein, dass das noch länger dauert, solange uns Corona begleiten wird.“ Auch wenn die aktuelle Situation herausfordernd ist und Anstrengung erfordert – in Altenmarkt machen sie das Beste draus, alle miteinander. Und so werden der Pumuckl, die Arbeitsblätter und die gesammelten Kiefernzapfen auf den Tischen wohl noch ein bisschen bleiben. (hw)

Video

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie

Das könnte Sie auch interessieren

© eja München

Virtuelles Glaubensfest

Das Jugendkorbiniansfestival auf dem Freisinger Domberg wird heuer ausfallen – zumindest was die Pilgerfahrt nach Freising betrifft. Das gesamte geplante Programm wird sich aber auf der...

13.11.2020

Kinder in einem Klassenraum
© pololia - stock.adobe.com

Vier Modelle, damit der Religionsunterricht nicht ausfällt

So wenig Kontakte wie möglich - das gilt gerade privat wie beruflich. Auch für Schüler. Wenn möglich sollen Klassen sich untereinander nicht mischen. Um trotzdem die Durchführung von...

11.11.2020

Schülerinnen mit Maske machen en Ellbogengruß
© Halfpoint - stock.adobe.com

Corona sorgt in Bayern für ökumenische Unterrichtseinheiten

Da der Unterricht zurzeit nur im Klassenverband stattfinden soll, wird ein gemeinsamer Religionsunterricht für katholische und evangelische Schülerinnen und Schüler angedacht.

11.11.2020

Frau und Junge in Bücherei
© Tyler Olson - AdobeStock

Orte der Inspiration und Begegnung

Am 24. Oktober findet zum 25. Mal der „Tag der Bibliotheken“ statt. Gerade in Coronazeiten hat das Medium Buch wieder an Bedeutung gewonnen. Bücherein sollen davon auch profitieren.

23.10.2020

© AdobeStock/Robert Kneschke

Starke Frauen-Gemeinschaft

Reine Mädchen- oder Jungenschulen gelten als altmodisch. Die katholische Kirche bietet dieses Modell trotzdem an. Die Schülerin eines Mädchengymnasiums schildert ihre Erfahrungen.

17.10.2020

Kinder mit Maske im Unterricht
© Halfpoint - stock.adobe.com

Regelbetrieb läuft besser als erwartet

Seit vier Wochen läuft die Schule wieder im Regelbetrieb. So auch im Gymnasium der erzbischöflichen Pater-Rupert-Mayer-Schulen in Pullach. Trotz großer Herausforderungen zieht der Leiter, Stefan...

09.10.2020

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren