Digitaler Zugriff auf sechs Millionen Seiten Pfarrurkunden beim Tag der Archive

04.03.2020

Das Erzbistum München und Freising besitzt eines der großen Archive in der bayrischen Landeshauptstadt. Am 7. März, dem Tag der Archive lädt sie zu Entdeckungen ein.

Digital unterwegs: Roland Götz vom Archiv des Erzbsitums München und Freising
Digital unterwegs: Roland Götz vom Archiv des Erzbsitums München und Freising © Bierl/Sankt Michaelsbund

München - Die 21 säurefreien und genormten Schachteln mit den Unterlagen der Pfarrei Ampermoching hat Roland Götz schon herausgesucht. Vorsichtig hebt er einen Deckel ab, unter dem eine Reihe von Aktendeckeln mit Dokumenten aus der Zeit um 1700 liegen. Die Pfarrei Ampermoching hat der Abteilungsleiter im Archiv der Erzdiözese München und Freising als Beispiel ausgesucht. Denn all die Papiere in den Ampermoching-Kartons sind mit dem Tag der Archive am Samstag, 7. März, auch im Internet zu finden. Mit der Freischaltung „tun wir einen ganz wichtigen Schritt, um den Zugang zu unseren Unterlagen leichter zu machen“, erklärt Götz.

Digitalisierung braucht mehr als einen Scanner

Nachdem bereits Tauf-, Trauungs- und Sterbebücher aus den Pfarreien, die sogenannten Pfarrmatrikel, Urkunden, Verträge oder historische Bistumsbeschreibungen online zu finden sind, werden nun systematisch weitere Dokumente aus den Pfarreien digital erschlossen. „Dazu braucht es mehr als einen Scanner“, berichtet der Archivoberrat. Die Mappen sind vorher gesäubert, gesichtet und dazu neue Verzeichnisse erstellt worden. Die Schachteln tragen Nummern und sogar einen aufgeklebten Barcode wie im Supermarkt, damit die Originale möglichst schnell zu finden sind. Erst nach diesen Vorarbeiten sind sie digital erfasst worden.

Noch zwei Jahre bis zum Buchstaben Z

Mit den Pfarreien bis zum Buchstaben „N“ sind die Mitarbeiter des Archivs bereits durch und stellen deren Dokumente ab dem 7. März nach und nach ins Internet. „In etwa zwei Jahren haben wir voraussichtlich alles bis zum Buchstaben Z veröffentlicht“, schätzt Götz.
Am Tag der Archive stellt er am Beispiel Ampermochings vor, wie zum Beispiel Heimatforscher mit den Unterlagen im Netz arbeiten können, wie die Originale dazu aussehen und wie sie aufbereitet wurden. „Wir zählen zu den großen Archiven in München und haben Unterlagen so gut wie über jeden Ort im Bistumsgebiet“, erläutert Götz nicht ohne Stolz. Wer sich also zwischen Berchtesgaden und Landshut, zwischen Fürstenfeldbruck und Mühldorf mit Ortsgeschichte beschäftigen will, „kann das nicht ohne unser Archiv“. Online können sich Interessenten zu jeder Tages- und Nachtzeit durch etwa sechs Millionen digital erfasster Seiten klicken, die in den Verzeichnissen thematisch und mit Schlagworten versehen geordnet sind.

Orts- und Familiengeschichte erleben Aufschwung

„Die Geschichte kleiner Orte interessiert vielleicht stärker als in den vergangenen Jahren“, meint Götz. Immer mehr Menschen wollten Genaueres über ihre Heimat wissen. Durch das Internet steigt die Verfügbarkeit entsprechender Quellen ständig an. Jeden Tag verzeichnen die Seiten des Münchner Diözesanarchivs etwa 300 Aufrufe, 110.000 im Jahr. „Sogar aus dem Zentrum Afrikas hat sich schon einmal jemand für unsere Familiengeschichtsunterlagen interessiert“, erzählt Götz. Am Tag der Archive können die Besucher im Diözesanarchiv mehr darüber erfahren, wie sich in diesen Dokumenten forschen lässt.

"Keine Laster und Ärgernisse"

Im Falle Ampermochings haben sich etwa Briefwechsel über Wegerechte für Bittprozessionen genauso erhalten wie Einschätzungen des Pfarrers über die Sitten seiner Gemeinde. Im Jahr 1821 ist er damit eigentlich zufrieden: „Vorzüglich sind keine Laster und Ärgernisse herrschend“, nur kleinere Ungerechtigkeiten und Diebereien würde sich „das Volk häufiger erlauben“. Ein Dorn im Auge ist ihm dagegen, dass die jungen Menschen sich gern auf Tanzböden vergnügen. Wahrscheinlich hat das in der Folge häufiger zu Einträgen unehelicher Kinder ins Taufbuch von Ampermoching geführt, das heute im Archiv des Erzbistums liegt und ebenfalls online einzusehen ist.

Das Diözesanarchiv am Münchner Promenadeplatz (Karmeliterstraße 1) beteiligt sich am Samstag, 7. März, zwischen 10 und 17 Uhr am Tag der Archive. Das Motto lautet: „Neue Möglichkeiten der Heimatforschung im Digitalen Archiv des Erzbistums“. Dazu werden bis 16 Uhr stündlich Führungen angeboten. Es ist am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. 

Audio

Beitrag im Münchner Kirchenradio zum Tag der Archive

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de


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