Falken in Rosenheimer Kirchturm Pfeilschnelle Untermieter

10.05.2019

Sie ist so etwas wie das Wahrzeichen Rosenheim - die Kirche St. Nikolaus in der Innenstadt. Jetzt hat das Gotteshaus eine weitere Attraktion: per Webkamera lassen sich die im Turm lebenden Falken beobachten.

Geborgen bei der Falkenmutter: die beiden Küken © Rosenheimer Stadtfalken

Rosenheim – Zwei kleine Federknäuel spitzen unter der Falkenmama hervor. Noch sind die Küken schneeweiß und sie sind noch völlig auf die Eltern angewiesen: seit dem 1. Mai versorgen die beiden Falken sozusagen im Schichtbetrieb die Jungvögel, um sie satt zu bekommen. Spätestens Mitte Juni sind sie flügge, einen Monat später sind die Falken unabhängig. Im Herbst folgen sie den Zugvögeln nach Süden. Im nächsten Frühjahr kommen sie zurück und suchen sich ein eigenes Revier.

Der Gedanke, sich um die Ansiedlung von Falken im Kirchturm von St. Nikolaus zu kümmern, geht auf eine Idee der Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, des zweiten Bürgermeisters Anton Heindl und des Stadtpfarrers Andreas M. Zach im Jahr 2012 zurück. Zusammen mit dem Rosenheimer Umweltamt hoben sie das Projekt „Rosenheimer Stadtfalken“ aus der Taufe. Der Grund: auf diese Weise wollten die Initiatoren der Taubenplage in der Innenstadt begegnen.

Die beiden noch verbliebenen Eier: vielleicht schlüpfen noch kleine Falken? © Rosenheimer Stadtfalken

Ein Appartement im Kirchturm

Mit von der Partie beim Falkenprojekt: Bjoern Clauss und Erwin Heigl. Clauss ist mittlerweile für den Internetauftritt des Projekts zuständig und kümmert sich um die Kameras, die die Falken rund um die Uhr beobachten. Erwin Heigl ist Falkner und kennt sich bestens damit aus, unter welchen Bedingungen ein Ansiedeln von Falken zum Beispiel in einem Kirchturm gelingen kann. Bereits 2012 hatte er zusammen mit einem Schreiner je einen Nistkasten für Turm- und Wanderfalken im Turm und im Kirchenschiff installiert. Es reiche nicht, einfach nur ein Fenster im Turm zu öffnen, sagt sein Kollege Bjoern Clauss. Ein Kasten mit Einstreu und einer entsprechenden Einflugmöglichkeit ist von den Falken schnell angenommen worden. Seitdem haben sich immer wieder Turmfalken niedergelassen, die in den vergangenen Jahren bis zu sechs (!) Küken großgezogen haben. Recht viel mehr kann man für die Vögel nicht tun, meint Bjoern Clauss, außer, dass jetzt, während die Küken noch ganz klein sind, die Turmführungen ausfallen, um die Aufzucht der Jungen nicht zu stören.

Seitdem haben sich jedes Jahr Falken im Kirchturm niedergelassen. Vor drei Jahren ist es sogar gelungen, erstmals Wanderfalken in St. Nikolaus anzusiedeln. Die sind wesentlich seltener als Turmfalken und gelten als die schnellsten Raubvögel überhaupt: mit bis zu 320 Stundenkilometern stoßen sie auf ihre Beute hinab. Sie sind größer und kräftiger als ihre Verwandten, die Turmfalken, und auf ihrem Speisezettel stehen vor allem Tauben, aber auch Stare und andere Vögel.

Livebilder von der Kinderbetreuung

Neu ist in diesem Jahr das Sponsoring durch den Internet-Anbieter komro: er ermöglicht, von der Homepage der Rosenheimer Stadtfalken direkt zu einem Livebild zu kommen, dass die Falkenfamilie in ihrem Heim, sprich dem Nistkasten, zeigt. Drei Kameras zeigen die Wohnung der Raubvögel aus allen Perspektiven, zwei Infrarot-Kameras lassen die Falkenbeobachtung sogar in der Nacht zu.

Und warum tun sich die „Falkenpaten“ den Aufwand mit ihren gefiederten Schützlingen an? Bjoern Clauss hat schon eine innige Beziehung zu den Tieren: „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man hautnah dran ist und beobachten kann, wie sich die Falken um ihren Nachwuchs kümmern, und das Ganze nicht nur mit dem Fernglas verfolgen kann.“

Deshalb hofft Clauss auch, zusammen mit allen Falkenfreunden in Rosenheim, dass noch mehr Leben in die Vogelwohnung kommt: Vier Eier hat die Falkin insgesamt gelegt, aus zweien sind noch keine Jungen geschlüpft. In den nächsten Tagen könnte also die Zahl der weißen Federbündel noch zunehmen.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
w.witte@st-michaelsbund.de


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