Fastenregel im Kloster Pflichtlektüre für Mönche

09.03.2018

Einmal im Jahr müssen Benediktiner ans Bücherregal, das schreibt die Ordensregel vor. In der Abtei Scheyern bei Pfaffenhofen wird darauf streng geachtet.

Darauf wird in der Fastenzeit nicht verzichtet: Lektüre gehört zu den Pflichten eines Benediktinermönchs.
Darauf wird in der Fastenzeit nicht verzichtet: Lektüre gehört zu den Pflichten eines Benediktinermönchs. © Fotolia.com/Olena Yabochuk

Scheyern – Wenn in Kloster Scheyern die Konventglocke läutet, dann ist immer wieder ein Mönch mit einem Buch unter dem Arm zu sehen. Von Aschermittwoch bis zur Karwoche sind morgens, mittags und abends drei Zeiten zum Lesen bestimmt. Die Glocke gibt das Zeichen dafür. Den Titel ihrer Lektüre halten die Mönche bei Abt Markus Eller schwarz auf weiß in einem eigenen Formular fest, der Schedula. In der wird neben anderen Fastenvorsätzen auch die Lektüre aufgeschrieben, die sich der Mönch vorgenommen hat.

Früher haben eigene Aufpasser darüber gewacht, dass die Mönche dann auch wirklich vor ihren aufgeschlagenen Büchern sitzen. So kontrolliert das Abt Markus heute nicht mehr. Ebenso funktioniert das Lesen nicht immer zu den genau vorgeschriebenen Zeiten, etwa wenn ein Mönch als Pfarrer arbeitet. Dennoch macht Abt Markus seinen Mitbrüdern schon klar, dass die Lektüre zum klösterlichen Pflichtprogramm gehört. Die Benediktiner hätten grundsätzlich eine besondere Beziehung zum Buch, nicht nur zur Fastenzeit: „Bete, arbeite und lies“, umschreibt der 51-jährige Kloster-Chef das Lebensprogramm seines Ordens.

Keine Ausnahme für Büchermuffel

Die verbindliche Lektüre legt das 48. Kapitel von Benedikts Klosterregeln genau fest. Ein ganzes Buch der Bibel, zum Beispiel ein Evangelium, soll jeder Mönch in der Fastenzeit von vorne bis hinten lesen. Abt Markus erlaubt auch andere geistliche Schriften. Krimis oder Romane akzeptiert er aber nicht. Für Büchermuffel ist das eine harte Zeit, aber die lässt der Abt nicht davonkommen. Wer sich einen dickleibigen Band nicht zutraut, „soll sich eben ein Buch heraussuchen, das nicht so umfangreich ist“. Markus Eller sieht sich da auch in einer spirituellen Verantwortung, denn das „Lesen ist so etwas wie eine Nahrungsaufnahme.“ Die Mitbrüder dürfen geistlich nicht verhungern, darin sieht er auch den tieferen Sinn im entsprechenden Abschnitt der Benediktregel. Selbstverständlich hält sich Abt Markus selbst ebenso an die Vorschrift und nimmt sich die Zeit für ein Buch. Er hat sich ein Lesebuch von Kardinal Walter Kasper ausgesucht, den er sehr schätzt. Bei Frater Joachim Zierer liegt dagegen ein Klassiker auf dem Schreibtisch. „Von den Pflichten der Kirchendiener“ des heiligen Ambrosius. Sonst liest er eher, was ihm „so unter die Nase kommt“. In der Fastenzeit sucht er sich aber ganz bewusst einen Autor aus, um „in dessen Denken, in dessen Theologie“ einzusteigen. Konsequent wählt er dabei wegweisende Denker der Spätantike und des Mittelalters aus, in den vergangenen beiden Jahren waren das Bonaventura und Augustinus.

Lesen ist heilsam

Die rund 150 Seiten, die der Kirchenvater Ambrosius geschrieben hat, sind manchmal anstrengend, aber eine lästige Pflicht sind sie für Frater Joachim nicht. Pater Wolfgang Hubert freut sich sogar jedes Jahr auf den Moment, wenn er seine Lektüre vor dem Abt in die Fastenschedula einträgt: „Ich glaube, es ist etwas sehr heilsames für den Menschen, sich nicht nur durch Bilder beeinflussen zu lassen.“ Der Leser müsse sich seine eigenen Vorstellungen und Bilder schaffen. Das sei „eine große Herausforderung und eine große menschliche Bereicherung“.

Wenn die Konventglocke zum Lesen läutet, versucht er nach Möglichkeit die große Biografie über den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer von Ferdinand Schlingensiepen aufzuschlagen. Dieses Standardwerk hat er sich für die Fastenzeit ausgesucht. Und Pater Wolfgang ist froh, dass die nie in den Sommer fällt. Da hat er im Garten und im Freien so viel zu tun, dass er kaum zum Lesen kommt und er merkt, dass ihm dann etwas fehlt.

Audio

Zum Nachhören

Beitrag im Münchner Kirchenradio über Fastenlektüre im Kloster

Datei herunterladen

Der Autor
Alois Bierl
Radio-Redaktion
a.bierl@st-michaelsbund.de


Das könnte Sie auch interessieren

© Adobe Stock

Welttag des Buches Das Wunder der gedruckten Seiten

Das Buch ist eine der schönsten Erfindungen der Menschheit und hat einen eigenen Gedenktag verdient.

25.04.2018

Frater Ignatius in der Klosterkirche
© SMB/Fleischmann

Auf der Suche nach Gott Ein Tag mit Bruder Ignatius im Kloster Plankstetten

Seit vier Jahren lebt Bruder Ignatius (23) im Kloster. Bereut hat er diesen Schritt nie. Über das ungewöhnliche Zuhause eines jungen Mönchs und ein ganz besonderes Kloster.

05.03.2018

„Lesen ist und bleibt die wichtigste Kulturtechnik.“
© imago

Literatur Der Spaß am Lesen

Es ist eine Frage, die nicht nur Lehrer, sondern vor allem auch Eltern beschäftigt: Wie motiviert man Kinder zum Lesen? Das verrät uns Michael Sanetra, Leiter der Landesfachstelle des Sankt...

01.03.2018

Archivfoto: Kultusminister Ludwig Spaenle bei der Blattkritik der Münchner Kirchenzeitung
© SMB/Schlaug

Kultusminister Spaenle Mehr Mittel für Bibliotheken geplant

Über 1.000 katholische öffentliche Büchereien in Bayern gehören zum Sankt Michaelsbund. Im Interview erklärt Kultusminister Ludwig Spaenle, wie es um die Leseförderung im Freistaat bestellt ist.

28.02.2018

Jetzt neu für Rosenheim: Der mk-online Newsletter

Wir informieren Sie über Aktuelles, Gottesdienste, besondere Veranstaltungen und Neues aus Religion und Gesellschaft.
Jetzt abonnieren