Rekord-Pilgerpaar Hanna Pilgern als Weg zu sich selbst und zu Gott

24.07.2015

Das Pilgern auf dem Jakobsweg hat das Leben des Ehepaars Hanna entschleunigt: Nach unzähligen Kilometern Wegstrecke, unzähligen Begegnungen und Eindrücken haben sie in besonderer Weise ihre Religiosität entdeckt. Welche Gefühle bei ihrer ersten Ankunft in Santiago aufkamen, berichten sie allen Wanderbegeisterten.

Monika und Reinhold Hanna sind begeistert vom Pilgern auf dem Jakobsweg. (Bild: privat)

München – „Wir sind drei Tage lang auf Watte gegangen, es war einfach traumhaft schön für uns“ – so beschreiben Reinhold und Monika Hanna ihre erste Ankunft in Santiago de Compostela. Dort lagen bereits unzählige Kilometer hinter ihnen – Eindrücke, Begegnungen, die prägten. „Dieses Gefühl kann man nicht beschreiben“, beteuert Monika Hanna. Das Ehepaar hat die Wegstrecke von München bis zum Grab des heiligen Jakobus im äußersten Nordwesten Spaniens bereits mehrmals zurückgelegt. Jedes Mal freuten die beiden sich am Ende dieser langen Reise diejenigen Pilger, denen man unterwegs begegnet war, wieder in die Arme schließen zu können. Freilich gebe es auf dem Weg, genauso wie "im ganz normalen Leben" Hochs und Tiefs, die es zu überwinden gebe: Schmerzende Blasen seien nur ein Beispiel. Aber das müsse man einfach wegstecken, ist sich Reinhold Hanna sicher, um seinem Ziel wieder ein Stück näher zu kommen.

Geduld ist der entscheidende Faktor

Allen, die selbst einmal das Abenteuer Jakobsweg wagen möchten, gibt das Ehepaar mit auf den Weg: „Am Anfang muss man Geduld mit sich selbst, mit Körper und Seele, haben.“ Ist Erholung trotz tagelangem Marschierens möglich? Eben gerade durch die Anstrengung erhole sich der Körper am besten, ist Monika Hanna überzeugt. „Wenn man sich anstrengt, vergisst man den Stress des Alltags.“ In der ersten Woche gelänge es schließlich den Körper fit zu machen, danach sei erst der Geist an der Reihe. Nach einer Phase des Nachdenkens über Probleme, die in der Heimat oft belastend gewirkt hätten, folge letztendlich die „geistige Phase“, in der man erst die Schönheiten abseits des Weges wahrnehmen und ins Gespräch mit anderen Pilgern treten könne.

Unterwegs in Zwiesprache mit Gott

Für Reinhold und Monika Hanna war es ursprünglich nicht der Glaube, der sie zu der Wanderung nach Santiago veranlasst hat. „Wir sind erst unterwegs zu Pilgern geworden“, betonen beide. Beim Pilgern laufe man in ein Vakuum, in dem man plötzlich zu sich selbst und auch zu Gott finde. Man komme in eine Zwiesprache mit Gott, die man gar nicht steuern könne, so Reinhold Hanna. Seine Frau packte sofort die Neugier, als sie von einer Freundin Mitte der 90er Jahre ein Büchlein über den spanischen Jakobsweg geschenkt bekommen hatte. Zunächst gelang es ihr jedoch nicht, ihren Mann von der Idee des gemeinsamen Pilgerns zu überzeugen. Nach einiger Zeit hatte auch ihn das Wanderfieber ergriffen und die beiden machten sich von München aus auf die Reise nach Spanien. Heute, sei er aber begeisterter als sie selbst, erzählt Monika Hanna. Die Zeugnisse eines „Glaubens in Stein“ – gemeint ist die maurische und romanische Architektur in Spanien – üben auf Reinhold Hanna eine große Faszination aus.

Das richtige Erlebnis zum richtigen Zeitpunkt

Der Jakobsweg war für die beiden „zum richtigen Zeitpunkt das richtige Erlebnis“, wo sie zum ersten Mal erkannt hätten, welche Prioritäten sie in Zukunft in ihrem Leben setzen wollten. Als Beschäftigte im IT-Bereich war das Ehepaar Hanna ständigen Stress gewöhnt. Mittlerweile könnten die beiden Pilgerbegeisterten das Gefühl, „sich in Meditation fallen zu lassen“ auch in ihrer Heimat München innerhalb kürzester Zeit abrufen – Entschleunigung wie auf dem Jakobsweg. (taw)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel

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