Auf den Spuren Franz von Assisis Pilgern auf dem Franziskusweg wird immer beliebter

20.04.2021

Der Jakobsweg nach Santiago de Compostela ist für viele "der" Pilgerweg schlechthin. Deutlich weniger frequentiert ist der Franziskusweg in Umbrien. Aber auch dieser erfreut sich unter Pilgern steigender Beliebtheit.

Blick auf Assisi
Der Franziskusweg führt durch die Wirkungsorte des Heiligen Franz von Assisi. © IMAGO / Panthermedia

Bonn – Er ist so etwas wie der kleine, charmante Bruder des spanischen Pilgerwegs zum Grab des Heiligen Jakobus. Nicht so überlaufen, nicht so gut erschlossen, nicht so weit die zurückzulegende Strecke. Es gibt also gute Gründe, warum der Franziskusweg unter Pilgern längst kein Geheimtipp mehr ist.

Seit 2003 gilt er in Italien als offizieller Pilgerweg. Über gut 500 Kilometer folgt er der Strecke, die auch der heilige Franziskus von Assisi im Jahr 1209 durch die Toskana, Umbrien und Latium bis nach Rom zurücklegte. Der Franziskusweg ist aufgeteilt in zwei Etappen: von Florenz nach Assisi und von Assisi nach Rom. Wer möchte, kann den Weg in einem Rutsch pilgern, andere nehmen sich jeweils eine Teiletappe vor.

Spirituelles Wandern

Nach jüngsten Erhebungen aus dem Pilgerort Assisi waren 2019 rund 24.000 Menschen allein oder in Gruppen auf dem Franziskusweg unterwegs. 4.124 Pilger wurden in der Basilika mit den sterblichen Überresten des Heiligen verzeichnet - eine deutliche Zunahme etwa im Vergleich zu 2015 mit nur 970 registrierten Pilgern. Im Coronajahr 2020 wurden in sieben Monaten 2.072 immerhin Pilger in Assisi gezählt.

Ein weiteres Zeichen für die zunehmende Beliebtheit: In den vergangenen Jahren ist allein in deutscher Sprache ein gutes Dutzend Bücher rund um den Franziskusweg erschienen - Bildbände, spirituelle Bücher, Wanderführer. Anton Ochsenkühn hat gemeinsam mit seiner Frau Simone einen von ihnen geschrieben, den "Franziskusweg Pilgerführer". Der Weg sei eine "einzigartige Verschmelzung von herrlicher, oft unberührter Natur, franziskanischer Geschichte und spirituellem Wandern", schwärmt der Kenner, der auch eine eigene Seite im Internet betreibt.

Schönheit der Natur

Auch Paola Rauscher hat es der Franziskusweg angetan. In ihrem Blog teilt die 57-Jährige ihre Pilger-Erfahrungen. Ihre Motivation: der heilige Franziskus. "Er ist auf diesem Weg zu den Menschen gelaufen." Dabei habe er auch die Schönheit der Natur, der Bäume und Blumen wahrgenommen und zu schätzen gelernt. Rauscher hat den Weg nach einer beruflichen Krise für sich entdeckt - und verweist auf ein Zitat von Anselm Grün: "Wenn nichts mehr geht, dann geh." Über die Beschäftigung mit dem Denken des heiligen Franziskus ist Rauscher auf das Buch von Angela Maria Seracchioli "Der Franziskusweg" gestoßen, die den Weg mitgestaltet und begehbar gemacht habe.

Noch ist das Pilgern unter dem franziskanischen Symbol des Schutz- und Segenszeichens Tau noch kein Massenevent. Bei der Erschließung sei deshalb noch Luft nach oben, beobachtet Rauscher. Wegen der langen Mittagsruhe hätten zum Beispiel Geschäfte und Restaurants gerade dann geschlossen, wenn sich beim Pilger Hunger und Durst einstellen. Rauschers Rat: "Nehmen Sie viel Wasser und eine Notration mit."

Tut Körper und Seele gut

Wer sich nicht alleine auf die Spuren des heiligen Franziskus begeben möchte, kann das auch in einer Gruppe tun. Das Bayerische Pilgerbüro hat beispielsweise den Franziskusweg als "kleinen Bruder des Jakobswegs" seit 2010 im Programm, erklärt dessen Sprecher Giovanni Pizzolante. Im Wechsel sind alle drei "klassischen Etappen" im Programm: von La Verna nach Assisi, von Assisi nach Rieti sowie von Rieti nach Rom.

Der Franziskusweg führe "durch eine dichte, sehr abwechslungsreiche Landschaft, die nicht die Weite der Jakobsweg-Landschaften besitzt und vielleicht als etwas heimeliger" empfunden werde. Anders als der spanische Pilgerweg, der das Grab des Heiligen "als Fixstern" zum Ziel habe, bildeten auf dem Franziskusweg die Wirkungsorte - wie La Verna, Gubbio, Greccio, das Rieti-Tal und Rom - die Verbindung zum Heiligen. "Der Franziskusweg ist nicht besser oder schlechter, er ist einfach anders als der Jakobsweg", sagt Pizzolante.

Auch wer sich in einer organisierten Gruppe mit Gepäcktransfer auf den Franziskusweg macht, sollte sich vorbereiten. Das Angebot des Bayerischen Pilgerbüros richtet sich laut Pizzolante an "erfahrene Pilgerwanderer", die regelmäßig anspruchsvollere Wanderungen unternehmen. "Gelegenheitswanderer würden am Franziskusweg keine Freude haben", sagt der Reiseexperte. "Aber: Man kann sich das ja vornehmen und darauf hinarbeiten, denn der Franziskusweg tut Körper und Seele gleichermaßen gut." (Angelika Prauß/KNA)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Pilgern: Der Weg ist das Ziel

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