Pilgerstelle Peregrinatio Pilgern hat immer noch Hochkonjunktur

16.03.2017

Die Pilgerstelle Peregrinatio bietet seit eineinhalb Jahren spezielle Pilgerreisen für das Erzbistum München und Freising an. Geschäftsstellen-Leiter Diakon Ralph Prausmüller erklärt, welche Bedeutung das Pilgern heute noch hat.

Diakon Ralph Prausmüller

MK: Vor etwa zehn Jahren hatte das Pilgern, selbst bei kirchenfernen Menschen, Hochkonjunktur. Wie sieht es inzwischen aus?

PRAUSMÜLLER: Auch heute ist Pilgern höchst modern. Natürlich hat sich die äußere Form, die Motivation und die Art eine Pilgerfahrt zu organisieren mit den Jahren verändert. Früher gab es hauptsächlich klassische Pilgerreisen vor allem für Pfarrgruppen. Das Ziel waren meistens traditionelle und bekannte Wallfahrtsorte wie Lourdes, Fátima, Rom und das Heilige Land. Inzwischen hat sich das Spektrum von Pilgerfahrten erweitert. Der Jakobsweg aber auch zahlreiche andere Pilger- und Meditationswege sind populär wie noch nie. Individuelle Motivationen und eine breite Palette an verschiedensten spirituellen Wünschen gewinnen an Bedeutung. Plötzlich spielen für viele Pilger Themen wie „Selbstfindung“, „Auszeit“, „spirituelle Erfahrung“ oder „einfach Loslassen“ eine wichtige
Rolle.

MK: Was sind Ihrer Erfahrung nach die Gründe, warum Menschen sich auf eine Pilgerreise begeben anstatt am Strand in der Sonne zu liegen?

PRAUSMÜLLER: In der Sonne zu liegen, klingt für den gestressten Menschen unserer hektischen Zeit oft sehr verlockend. Der Mensch glaubt, dass er im Urlaub seinen Sorgen und Problemen entfliehen kann und danach wieder entspannt nach Hause kommt. Aber bereits der römische Philosoph Seneca wusste, „du musst deine Seele ändern, nicht das Klima,“ wenn du eine Reise machen willst, die dein Leben zum Positiven verändert. So mancher Tourist merkt an seinem Urlaubsort, dass sich manche Schwierigkeiten fernab von zu Hause noch potenzieren; der Stress mit den Kindern, Beziehungsprobleme, Zukunftsängste … Deshalb gibt es immer mehr Menschen, die versuchen, ihrer Reise einen Sinn zu geben.

Weitere Informationen gibt es bei:
Peregrinatio – Pilgerstelle für das Erzbistum München und Freising
Sendlinger Straße 34, 80331 München
Telefon 089/25544223
www.pilgerreisen-ebmuc.de

MK: Welche Zielgruppen möchte Peregrinatio vorrangig ansprechen?

PRAUSMÜLLER: Die Kirche von heute ist gerufen, dem Menschen das gelebte Evangelium anzubieten. Gerade Papst Franziskus betont immer wieder, dass wir auf jeden Menschen zugehen müssen, nicht nur auf klassische Messbesucher, sondern ebenso auf Fernstehende und Menschen am Rande der Gesellschaft. Auch Pilgerreisen sind dabei ein großartiges Mittel der Evangelisierung. Das heißt aber, dass wir nicht nur eine Zielgruppe ansprechen dürfen. Klassische Wallfahrer, denen das sakramentale Leben mit Beichte, Eucharistie und traditionellen Gebetsformen wichtig sind, müssen genauso ihre Angebote finden, wie zum Beispiel Jugendliche, die vielleicht nicht viel Wissen über Kirche, Dogmen, Sakramente und Liturgie mitbringen, aber in der Gemeinschaft Gleichgesinnter eine Nähe zu Gott erspüren und Gott mit ihrer Lebenswelt in Verbindung bringen können.

MK: Gibt es Pilgerziele, die besonders beliebt sind?

PRAUSMÜLLER: Klassische Pilgerziele bleiben immer mehr oder weniger modern. Fátima ist im heurigen Jubiläumsjahr besonders gefragt. Aber auch Rom, Lourdes und das Heilige Land gehören zu ständigen Pilgerzielen. Santiago und der Jakobsweg sind vor allem bei Fußpilgern beliebt wie eh und je.

Interview: Susanne Hornberger/Susanne Holzapfel

Das komplette Interview mit Ralph Prausmüller lesen Sie in Ausgabe Nr. 12 der Kirchenzeitung vom 19. März 2017 im Thema der Woche "Pilgerreisen". Die Münchner Kirchenzeitung können Sie hier abonnieren, auch als ePaper.

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