Westfälischer Chor probt für Advents-Gastspiel Platt statt Bairisch

01.09.2019

Ein Projektchor aus Westfalen tritt am ersten Adventswochenende in Berchtesgaden und Salzburg auf.

"Wer singt, betet doppelt!“ - der Satz wird oft dem Kirchenvater Augustinus zugeschrieben.
"Wer singt, betet doppelt!“ - der Satz wird oft dem Kirchenvater Augustinus zugeschrieben. © CrispyMedia - stock.adobe.com

Berchtesgaden – „Da geht immer mein Herz auf, wenn ich nach Berchtesgaden komme“, schwärmt der Westfale Erich Münstermann, der bereits seine Jugendzeit im nahen Waging am See verbracht hat. Mitten im Sommer bereitet der ehemalige kirchliche Verwaltungsleiter zu Füßen des Watzmanns ein besonderes Gastspiel vor: Der „Projektchor St. Agatha Gronau-Epe 2019“ singt am ersten Adventswochenende in Berchtesgaden und in Salzburg. Als Münstermann 2009 in Altersteilzeit ging, nachdem er über Jahrzehnte 18 Pfarreien betreut hatte, suchte er eine neue Herausforderung. Er fand sie im Chorsingen und nahm Gesangsunterricht. Den Kirchenmusiker Jürgen Etzrodt holte er durch seine Kontakte in seine Lieblingspfarrei St. Agatha in Epe nahe der holländischen Grenze. Mit Etzrodt beschloss er dann, einen Projektchor zu gründen „unter der Überschrift: Wir wollen Träume erfüllen“.

Lanjährige Beziehung mit Berchtesgaden

Bei der ersten Fahrt ins 866 Kilometer entfernte Berchtesgaden und nach Salzburg vor fünf Jahren waren nach 48 Proben 140 Sänger dabei; da viele bereits älter waren, wurden sie von Ärzten begleitet. Inzwischen hat Etzrodt einen jungen Chor gegründet, aus dem der aktuelle Projektchor mit 63 Frauen und 20 Männern hervorging. Eine langjährige Beziehung verbindet Münstermann mit Berchtesgaden. Besonders berührte ihn, als er im Advent 2011 erstmals in der Wallfahrtskirche St. Bartholomä den 2016 verstorbenen Nationalparkmitarbeiter Hans Stanggassinger die „Heilige Nacht“ von Ludwig Thoma lesen hörte.

Der Westfale Erich Münstermann hat den Projektchor ins Leben gerufen.
Der Westfale Erich Münstermann hat den Projektchor ins Leben gerufen. © Mergenthal

Nun traf sich Münstermann mit allen, die die Chorfahrt für die Westfalen zu einem unvergesslichen Erlebnis machen wollen. Darunter Dekan Monsignore Thomas Frauenlob – „er unterstützt uns sehr“ –, Wanderleiter Eddy Balduin oder Salzburgs Domkapellmeister János Czifra, der bereits vom Projektchor 2014 begeistert war. Das Organisieren liegt Münstermann im Blut. „Ich tu’s mit Leidenschaft. Ich bin der glücklichste Mensch, wenn ich andere glücklich gemacht habe.“

Gänsehautmomente fest eingeplant

Unterdessen studiert der Chor ein Repertoire von 15 Liedern ein, wie „Advent der Christenheit“ von Lorenz Maierhofer, eine „Adventsmotette“ von August Eduard Grell, „Frieden der ganzen Welt“ von Jürgen Etzrodt oder „Tollite hostias“ von Camille Saint-Saëns. Höhepunkte sind das plattdeutsche „Heeker Weihnachtslied“ und der Auftritt eines Dudelsackspielers beim Abschiedssingen am Sonntag, 1. Dezember, um 16 Uhr vor dem Salzburger Dom und um 18 Uhr vor der Stiftskirche. Beim Berchtesgadener Advent treten die Westfalen am Samstagnachmittag um 15 Uhr auf.

Das Motto der Fahrt lautet: „Dem Himmel ein Stück näher, denn wer singt, betet doppelt!“ Dieses erhebende Gefühl können die Chormitglieder und ihre Zuhörer in zwei eindrucksvollen Kirchenbauten mit einer sagenhaften Akustik erleben, in Berchtesgaden bei der Vorabendmesse um 18.30 Uhr in der Pfarrkirche St. Andreas und im Salzburger Dom am Sonntag um 11.30 Uhr. Darüber hinaus will der Chef-Organisator seinen Sangesfreunden noch weitere Gänsehautmomente bereiten, etwa bei einer Chiemsee-Schifffahrt oder einem anekdotenreichen Rundgang durch Berchtesgaden mit „Nachtwächterin“ Anna Glossner. (Veronika Mergenthal)


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