Priesterwallfahrt zur KZ-Gedenkstätte Polens Kirche gedenkt ihrer Ermordeten in Dachau

29.04.2015

Mehr als 700 polnische Geistliche haben am Mittwoch im ehemaligen Konzentrationslager Dachau ihrer dort ermordeten Landsleute gedacht. Die bislang größte Priesterwallfahrt in die Gedenkstätte aus Anlass des 70. Jahrestags der Befreiung der Überlebenden leiteten gemeinsam 40 polnische Bischöfe und der Münchner Kardinal Reinhard Marx.

Kardinal Marx und Erzbischof Gadecki legten Kränze an einer Bronzetafel nieder, die an die polnischen Opfer im ehemaligen Konzentrationslager erinnert. (Bild: Kiderle)

Dachau - Es erfülle ihn mit "tiefer Dankbarkeit", dass sich so viele Bischöfe und Priester aus Polen zum Gedenken eingefunden hätten, sagte Kardinal Reinhard Marx bei einer Messe in der Todesangst-Christi-Kapelle auf dem ehemaligen Lagergelände. Dachau sei für Deutsche und Polen ein "Ort der beunruhigenden Erinnerung und Vergebung", so der Kardinal. Hier seien so viele Priester umgebracht worden wie sonst wahrscheinlich an keinem anderen Ort der Welt. Allein mindestens 868 polnische Geistliche seien in dem Konzentrationslager getötet worden. Dachau bezeichnete er als "das Konzentrat eines Menschen verachtenden, Menschen quälenden und Menschen ermordenden Regimes". Dennoch habe der Glaube auch an diesem "Ort des Schreckens und der Niedertracht" nicht ausgelöscht werden können. Marx erinnerte in diesem Zusammenhang an die vielen Christen, die im KZ Dachau zu Märtyrern geworden seien.

Zwar könne es auf die Frage, ob die Menschheit 70 Jahre danach klüger geworden sei, „wohl keine eindeutige Antwort geben“, sagte Marx. „Wer an den Mittleren Osten unserer Tage denkt, an die Gewaltorgien, von denen Teile Afrikas immer wieder heimgesucht werden, auch daran, dass selbst in Europa derzeit wieder Krieg geführt wird, der wird an der Lernfähigkeit der Menschheit zweifeln.“ Umgekehrt seien sich Deutsche und Polen „heute näher als wahrscheinlich je in ihrer gemeinsamen, so leidgetränkten Geschichte“. Und so gebe die Geschichte der beiden Völker „Anlass zur Hoffnung, dass Hass, Gewalt und Unterdrückung nicht die ewigen Begleiter der Menschen bleiben müssen“.

Erinnerung an seliggesprochene Gefangene

Nach der Messe wurden die Namen der mehr als 50 von der katholischen Kirche seliggesprochenen Häftlinge verlesen, darunter 46 polnische Priester. Marx und der Vorsitzende der Polnischen Bischofskonferenz, der Posener Erzbischof Stanislaw Gadecki, legten Kränze an einer Bronzetafel nieder, die an der Außenwand der katholischen Todesangst-Christi-Kapelle an die polnischen Opfer erinnert.

Das KZ Dachau hat für Polen eine besonders schlimme Bedeutung, vor allem für die katholische Kirche. Mit mehr als 40.000 Inhaftierten waren die Polen die größte Gruppe von Gefangenen in Dachau. 8.332 von ihnen wurden getötet. Als die SS ab Ende 1940 Dachau zum Hauptlager für katholische, evangelische und orthodoxe Pfarrer aus ganz Europa machte, verschleppte sie 1.780 polnische Geistliche hierhin. Knapp die Hälfte von ihnen kamen durch pseudomedizinische Versuche, Hunger, Krankheiten oder auf andere grausame Weise ums Leben. So wurden mehr als 300 polnische Priester aus Dachau nach Österreich gebracht und dort vergast. (kna/pm)


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